Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Der Studiensaal der Albertina. Eingerichtet 1921 
Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die prachtvollste 
Barockschöpfung Fischers von Erlach in dem Prunk- 
saale der nunmehrigen Nationalbibliothek gelenkt. 
Wie notwendig diese räumliche Ausgestaltung der 
Bibliothek war und ist, zeigt der Zuwachs an 
Büchern und Sammlungsobjekten eben dieser letzten 
zehn Jahre. Hier muß vor allem der für die Ergänzung 
aller Bestände des Institutes stets hilfreich einspringen- 
den. Unterstützung der „Gesellschaft der Freunde der 
Nationalbibliothek” gedacht werden. In den Tagen 
der Not, im Juli 1921, gebildet, hat sie jährlich große 
Beträge dem Ankauf von Sammlungsobjekten ge- 
widmet und so zahlreiche Stücke, die anders nicht 
hätten erworben werden können, für die National- 
bibliothek gerettet. Des hier beschränkten Raumes 
wegen seien als ganz wenige Beispiele genannt: 
Neben türkischen und koptischen Handschriften in 
den Jahren 1923-1924 vor allem die wertvolle Auto- 
zraphensammlung Streicher, darunter auch einige 
Schillerbriefe, Musikhandschriften von Webel, Bibl, 
Reger und anderen, die Karten des Nordpolforschers 
von Payer, die Kunstnotizsammlung von Schäffer, 
Autographe von Ziehrer, Hamerling und anderen, 
Dekorationsentwürfe, Bühnenmodelle, Schauspieler- 
porträts und vieles andere in den Jahren 1025 bis 
1927; die kunstvolle Jubiläumsmedaille von Hartweg 
zum Bibliotheksjubiläum im Jahre I926 wurde gleichfalls 
von der Gesellschaft der Freunde der Nationalbibliothek 
in Auftrag gegeben und ihre Kosten getragen. Zwei 
außerordentlich interessante Autographe von E. Th. A. 
Hoffmann und 105 Bände Musikalien zählen unter an- 
derem zu den jüngsten. Widmungen der genannten 
Gesellschaft, 
Den Zuwachs an Druck werken förderte wesent- 
lich die Verbesserung der Dotation, die Regelung der 
Pflichtexemplarfrage durch das neue Preßgesetz vom 
7. April 1922 und der damit im Großen eingeleitete 
Tauschverkehr, der freilich eine bedeutende Mehrar- 
beit und Belastung des gleichgebliebenen Personal- 
standes mit sich brachte. Am großzügigsten hat sich 
Fideikommisbibliothek, Großer Saal H. R. Röttinger 
der Tauschverkehr bisher mit der Deutschen Not- 
zemeinschaft in Berlin ausgestalten lassen, doch ist auch 
ler Austausch mit Rußland von recht gutem Krfolg 
‚egleitet. Auch den Geschenken, namentlich an 
vertvoller ausländischer Literatur, die wiederholt in 
zroßem Umfang, insbesondere von den diplomatischen 
Yertretungen Deutschlands und Frankreichs vermittelt, 
‚on Leitungen der ausländischen Schwesterinstitute ge- 
vidmet wurden, kam in den Tagen der schwersten 
nateriellen Not eine außerordentlich große Bedeutung 
zu. Unter den zahllosen Privatschenkern und Vermitt- 
‚ern verdankt die Nationalbibliothek vieles: Sr. Durch- 
aucht Johann Fürsten von und zu Liechten- 
stein, Bundesminister a. D. Dr. Emil Schneider, 
Reichsbibliothekar Dr. J. G. A. Collijnin, Direktor 
der Universitätsbibliothek ‘ in Oslo Dr. Wilhelm 
Munthe, Direktor Dr. Vilhelm Slomann in Kopen- 
1agen, Schriftstellerin Annie Wall (Schweden) 
P. K. Wahlström in Stockholm, Staatsminister 
Dr. Fr. Schmid t-Ott in Berlin, Direktor der Zentral- 
bibliothek in Zürich Dr. H. Escher, Direktor Doktor 
_ Pasteiner, Budapest, und Dr. D. Albers, Haagı 
Finen bedeutenden Zuwachs brachten auch die 
nzwischen angegliederten Bibliotheken von Vereinen 
and Gesellschaften, so des Vereins für Ge- 
‚schichte der Stadt Wien, der Numismatischen 
Gesellschaft, des Institutes für Auslands- 
‚echt und des Internationalen Esperanto“ 
Museums. Der jährliche Zuwachs der Druckschriften: 
welcher im Jahre 1918 3108 Werke betrug, ist so 
jahre 1927 auf 14.300 Werke gestiegen. Das seit 
‚923 erscheinende „Zuwachsverzeichnis de! 
Druckschriften der Nationalbibliothek”, dem 
ım Schluß der Jahrgänge auch der Zuwachs der 
3pezialsammlungen angeschlossen wird und welches 
Jurch ‚Bezeichnung der Doubletten wesentlich der 
Tauschverkehr erleichtert, sollte eigentlich zu eine” 
/uwachsverzeichnis der österreichischen Bibliotheken 
‚usgebaut werden und die ökonomische Ausnützupg 
ler Dotation der einzelnen Bibliotheken. vor aller
	        
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