Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Politischer Bezirk Tamsweg. In Vorbereitung sind die 
Bände: Zell am See (Salzburg), Stift St. Lambrecht 
(Steiermark), Braunau am Inn (Oberösterreich), Friesach 
(Kärnten) und Wien, der Stephansdom. Mußte es das 
Bestreben des Kunsthistorischen Institutes sein, die öster- 
reichische Kunsttopographie in gleicher Form und Aus- 
Sstattung, so wie nach dem gleichen, weitausholenden 
Programm wie vor dem Kriege weiterzuführen, so ergab 
sich für die Periodica aus den geänderten politischen 
Verhältnissen die zwingende Notwendigkeit einer Neu- 
Orientierung. So wurde das Jahrbuch des Kunsthistori- 
schen Institutes (Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte), 
das bisher ausschließlich der Bearbeitung österreichischen 
Materiales vorbehalten war, nunmehr international ein- 
gestellt, wobei natürlich nach wie vor in erster Linie 
Themata, die enger mit dem österreichischen Denkmäler- 
bestand und der österreichischen Forschertätigkeit zu- 
sammenhängen, Berücksichtigung finden. Andererseits 
wurde Wert darauf gelegt, auch reichsdeutsche Gelehrte 
als Mitarbeiter zu gewinnen, unter denen angesehene 
Namen wie Gall, Gothein, Lohmeyer, Panofsky, Saxl 
und Weigand genannt werden mögen. In gleicher Weise 
wurden auch die wissenschaftlichen Beziehungen mit den 
Sukzessionsstaaten gepflegt. 
Schwieriger gestaltete sich die Frage der Weiterführung 
der Mitteilungen, da sich das so stark eingeschränkte 
Staatsgebiet für eine so groß angelegte, rein lokal ein- 
gestellte Zeitschrift als nicht mehr tragfähig genug erwies. 
Durch Verhandlungen mit den Ministerien der deutschen 
Länder war es möglich, eine neue „Zeitschrift für Denk- 
Mmalpflege” zu begründen, die vom Bundesdenkmalamt 
herausgegeben und von einem Wiener Verlage herge- 
Stellt wird, und das gesamte deutsche Sprachgebiet um- 
faßt und darüber hinaus auch mit den Nachbarstaaten, 
Holland, den skandinavischen Ländern, Schweiz und 
Tschechoslovakei enge Beziehungen unterhält. Zugleich 
bildet diese Zeitschrift das Organ des „Tages für Denk- 
Malpflege und Heimatschutz”, in dessen ständigen Aus- 
Schuß Oesterreich derzeit durch drei Mitglieder vertreten ist. 
line weitere wissenschafllidie Zusammenarbeit mit 
Deutschland ergab sich dadurch, daß sich Oesterreich in 
gleicher Weise wie die Deutsche Schweiz dem von 
G. Dehio begründeten „Handbuch der deutschen Kunst- 
denkmäler” angeschlossen hat. Die in zwei Bänden ange- 
rdnete Bearbeitung Oesterreichs wird auf Grund einer 
50rgfältigen neuen Inventarisierung des ganzen Landes 
wuurchgeführt. Das Erscheinen des ersten Bandes ist für 
729 in Aussicht genommen. 
Das Kunsthistorische Institut glaubt besonderen Wert 
aarauf legen zu sollen, das wissenschaftlich erarbeitete 
Taterial auch für volksbildnerische Zwecke nach Mög- 
ichkeit auszuwerten. Zur Verwendung des wertvollen 
Jestandes an Drucksstücken der Kunsttopographie wurde 
n ähnlicher Weise wie dies auch vom bayerischen 
Jenkmalamte geschieht, eine Serie „Alte Kunst in Oester- 
eich” begründet, von der bisher die Bände: Krems, 
Aelk, Salzburg erschienen sind. Ferner übernahm 
las Kunsthistorische Institut die Weiterführung der 
Oesterreichischen Kunstbücher”, die bei Uebernahme in 
7orm und Anlage wesentlich umgestaltet und verbessert 
varden. Unter der Leitung des Kunsthistorischen In- 
titutes sind bisher die Bände: Stift St. Florian und 
Stift Vorau erschienen. Ueber das Burgenland wird 
iemnächst ein größerer Bilderband mit kunstgeschicht- 
ichen Anmerkungen auf Grund der durchgeführten In- 
‚entarisierung vom Kunsthistorischen Institute herausge- 
‚eben werden. Im Anschluß an das Jahrbuch für Kunst- 
zeschichte wurde eine Publikationsreihe „Kunstgeschicht- 
iche Einzeldarstellungen” begründet, in der zum Teil 
‚rößere Aufsätze des Jahrbuches zum Teil Original- 
ırbeiten erschienen, wie die Arbeit von B. Grimschitz 
ıber Lukas von Hildebrandt, von L. Baldass über Albrecht 
ıltdorfer und von A. Gotsmich über kretensische Orna- 
nentik. Daneben konnte das Kunsthistorische Institut 
ıoch die Herausgabe einzelner monographischer Arbeiten 
ur Erschließung des Österreichischen Kunstbesitzes 
ördern. So wurde die erste umfassende wissenschaftliche 
3iographie des berühmten österreichischen Barock-Archi- 
ekten Prandauer von P. Hugo Hantsch und eine groß 
ıngelegte Arbeit über romanische Wandmalerei in Tirol 
‚on Josef Garber als Veröffentlichungen des Kunst- 
ıistorischen Institutes herausgebracht. Eine Arbeit über 
*inblattdrucke in Österreichischen Klöstern von Curt 
iathe ist in Vorbereitung. Auf Anregung Professor 
J)voraks hat das Kunsthistorische Institut auch bei der 
Jerausgabe des Nachlasses von Oskar Pollak, dessen 
'‚eichangelegte archivalischen Arbeiten, die er als Assistent 
les österreichischen. geschichtlichen Institutes in Rom 
lturchgeführt hat, als Quellschriften zur Geschichte der 
Zarockkunst in Rom eine Fortsetzung der berühmten 
J)uellenschriften Fitelbergers bilden sollten, mit Erfolg 
1itgewirkt. 
{(Yoriette in Schönhrunn Mittelhalle
	        
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