bedeutendsten Kunstschulen des Auslandes angepaßt,
in mancher Hinsicht sogar eine vorbildliche Führung
übernommen. So war man bestrebt, den Schulen
Gelegenheit zu geben, bei Durchführung großer
Praktischer Arbeiten für die Öffentlichkeit
selbständig mitzuwirken. Es sei hier
an die verschiedenen Arbeiten in den großen Ausstellungen
der letzten Zeit sowie an die Sonderaus-Stellungen
außer Hause erinnert.
In den meisten Schulen wird der größte Wert auf
handwerkliches Können gelegt. So werden in den
Bildhauerschulen ganz besonders Arbeiten in
Steinmaterial, Holz, Bronze, Keramik ausgeführt.
Auch in den Architektur-Meisterschulen
wurden nicht nur Pläne verfaßt, sondern man ge-Wöhnte
den jungen Baukünstler an das dreidimensionale
Fühlen und Denken durch plastische Skizzietungen
der zu entwerfenden Baulichkeiten. Diese
Arbeiten in Ton, Gips oder Karton wurden in Schulausstellungen
alljährlich ausgestellt. Zu erwähnen ist
ferner, daß in jüngster Zeit für die Ausbildung der
Zeichenlehrer-Kandidaten an Mittelschulen besondere
Übungen in’ Handfertigkeiten durchgeführt werden.
Die Tatsache, daß trotz schwerer Wirtschaftskrise im
In- und Auslande unsere Absolventen mit dem
Können und Wissen, welches ihnen hier vermittelt
Wird, sich zum allergrößten Teile eine Existenz schaffen
oder Stellung finden, beweist den Ernst und die Sachlichkeit
des Arbeitens in allen Schulen.
Vom Standpunkte der Verwaltung aus sei erwähnt,
daß die Stellung der Studentenschaft durch die ver-Schiedenen
Selbstverwaltungsorganisationen eine viel
lestere Form angenommen hat. Dinge, um die sich
früher die Hochschulverwaltung nur in Ausnahmefällen
kümmerte, wie Unterkunft, Nahrung, Kleidung,
Materialbeschaffung, Vorsorge für Krankheiten, Un-Öälle
und Anleitung der Jugend zu körperlicher Betätigung
im Sport, fanden eine von Jahr zu Jahr
Ausgedehntere Pflege. Für alle die genannten Fragen
bestehen Einrichtungen mit Selbstverwaltung. Die
Wirtschaftliche Not des ganzen Staates und seiner
Bürger spiegelte sich auch leider merklich in der ge-Steigerten
Not unserer Jugend ab; aber viel ein-Sreifender
sind die Hilfseinrichtungen aller Art, zum
Beispiel unser Unterstützungsverein, welcher nichı
bie geldliche Unterstützungen austeilt und so die
". Not lindert, sondern eine große Anzahl von
u tischen gesichert hat, welche Gastwirte an Akaemiker
zur Verfügung stellen.
Die Gebäude der Akademie waren schon vor dem
Kriege unzureichend; da an einen größeren Neubau
‚etzt wohl nicht gedacht werden konnte, war man
jestrebt, durch praktische Um- und Einbauten
lie vorhandenen Baulichkeiten besser auszunützen.
Von besonderer Wichtigkeit war die Unterbringung
der Architektur-Meisterschule Professor Dr. Peter
Behrens im Bundesgebäude VIL, Karl Schweighofergasse
Nr. 3/Ill, die erst die volle Entfaltung dieser
Meisterschule ermöglichte. Im Hause selbst wurde im
„aufe der letzten Jahre ein Depot in einen Aktsaal
ımgebaut, weiters wurden die beiden südlichen Eckürme
des Hauptgebäudes zu großen Oberlichtsälen
aingerichtet.
Durch besonderes Entgegenkommen des Bundesministeriums
für Handel und Verkehr bzw. der Burgand
Schloßhauptmannschaft ist es möglich geworden,
in der besseren Jahreszeit, sowohl in einem abgeschlossenen
Teile des Belvederegartens als
auch in einem öffentlich nicht zugänglichen Teile des
Schönbrunner Parkes Freilichtaktstudien
mit den Malerschulen zu betreiben. Die große Zahl
der an diesen Übungen teilnehmenden jungen Leute
und die Freude der Jugend bei diesen Arbeiten
zeigt, welchem dringenden Bedürfnisse die Neuerung
entsprungen ist.
Von den akademischen Sammlungen muß an erster
Stelle die Akademische Gemäldegalerie genannt
werden, die in den Jahren 1921 bis heute eine vollkommene
moderne Neuordnung aller Bestände erfuhr. In
Verbindung mit der Galerie steht auch eine Restaurieranstalt,
welche einerseits die technischen Arbeiten der
Galerie besorgt, dann junge Leute fachlich ausbildet und
als Beratungsstelle in vielen Fragen der alten Kunst im
Xunsthandel eine überaus wichtige Rolle spielt.
In jüngster Zeit wurde diese Anstalt durch
?inrichtung einer photochemischen Untersuchungsstelle
erweitert; sie leistet auch in diesen Belangen wichtige
Dienste.
Die Akademische Bibliothek, die seit Kriegsende
mit Eifer an der Ausfüllung der großen Lücken der
Kriegszeit arbeitet, hat insbesondere in jüngster Zeit
die Zeitschriftensammlung wesentlich vergrößert. Sie
verfügt über einen nach dem Muster der preußischen
Instruktion ausgearbeiteten Zettelkatalog.
Das Akademische Museum der Gipsabgüsse hat
sich in seiner Gestalt und Aufstellung seit dem Kriege
wenig verändert, hat aber in den letzten Monaten
wertvollen Zuwachs erfahren.
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