Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

bedeutendsten Kunstschulen des Auslandes angepaßt, 
in mancher Hinsicht sogar eine vorbildliche Führung 
übernommen. So war man bestrebt, den Schulen 
Gelegenheit zu geben, bei Durchführung großer 
Praktischer Arbeiten für die Öffentlich- 
keit selbständig mitzuwirken. Es sei hier 
an die verschiedenen Arbeiten in den großen Aus- 
stellungen der letzten Zeit sowie an die Sonderaus- 
Stellungen außer Hause erinnert. 
In den meisten Schulen wird der größte Wert auf 
handwerkliches Können gelegt. So werden in den 
Bildhauerschulen ganz besonders Arbeiten in 
Steinmaterial, Holz, Bronze, Keramik aus- 
geführt. Auch in den Architektur-Meisterschulen 
wurden nicht nur Pläne verfaßt, sondern man ge- 
Wöhnte den jungen Baukünstler an das dreidimen- 
sionale Fühlen und Denken durch plastische Skizzie- 
tungen der zu entwerfenden Baulichkeiten. Diese 
Arbeiten in Ton, Gips oder Karton wurden in Schul- 
ausstellungen alljährlich ausgestellt. Zu erwähnen ist 
ferner, daß in jüngster Zeit für die Ausbildung der 
Zeichenlehrer-Kandidaten an Mittelschulen besondere 
Übungen in’ Handfertigkeiten durchgeführt werden. 
Die Tatsache, daß trotz schwerer Wirtschaftskrise im 
In- und Auslande unsere Absolventen mit dem 
Können und Wissen, welches ihnen hier vermittelt 
Wird, sich zum allergrößten Teile eine Existenz schaffen 
oder Stellung finden, beweist den Ernst und die Sach- 
lichkeit des Arbeitens in allen Schulen. 
Vom Standpunkte der Verwaltung aus sei erwähnt, 
daß die Stellung der Studentenschaft durch die ver- 
Schiedenen Selbstverwaltungsorganisationen eine viel 
lestere Form angenommen hat. Dinge, um die sich 
früher die Hochschulverwaltung nur in Ausnahme- 
fällen kümmerte, wie Unterkunft, Nahrung, Kleidung, 
Materialbeschaffung, Vorsorge für Krankheiten, Un- 
Öälle und Anleitung der Jugend zu körperlicher Be- 
tätigung im Sport, fanden eine von Jahr zu Jahr 
Ausgedehntere Pflege. Für alle die genannten Fragen 
bestehen Einrichtungen mit Selbstverwaltung. Die 
Wirtschaftliche Not des ganzen Staates und seiner 
Bürger spiegelte sich auch leider merklich in der ge- 
Steigerten Not unserer Jugend ab; aber viel ein- 
Sreifender sind die Hilfseinrichtungen aller Art, zum 
Beispiel unser Unterstützungsverein, welcher nichı 
bie geldliche Unterstützungen austeilt und so die 
". Not lindert, sondern eine große Anzahl von 
u tischen gesichert hat, welche Gastwirte an Aka- 
emiker zur Verfügung stellen. 
Die Gebäude der Akademie waren schon vor dem 
Kriege unzureichend; da an einen größeren Neubau 
‚etzt wohl nicht gedacht werden konnte, war man 
jestrebt, durch praktische Um- und Einbauten 
lie vorhandenen Baulichkeiten besser auszunützen. 
Von besonderer Wichtigkeit war die Unterbringung 
der Architektur-Meisterschule Professor Dr. Peter 
Behrens im Bundesgebäude VIL, Karl Schweighofer- 
gasse Nr. 3/Ill, die erst die volle Entfaltung dieser 
Meisterschule ermöglichte. Im Hause selbst wurde im 
„aufe der letzten Jahre ein Depot in einen Aktsaal 
ımgebaut, weiters wurden die beiden südlichen Eck- 
ürme des Hauptgebäudes zu großen Oberlichtsälen 
aingerichtet. 
Durch besonderes Entgegenkommen des Bundes- 
ministeriums für Handel und Verkehr bzw. der Burg- 
and Schloßhauptmannschaft ist es möglich gewor- 
den, in der besseren Jahreszeit, sowohl in einem ab- 
geschlossenen Teile des Belvederegartens als 
auch in einem öffentlich nicht zugänglichen Teile des 
Schönbrunner Parkes Freilichtaktstudien 
mit den Malerschulen zu betreiben. Die große Zahl 
der an diesen Übungen teilnehmenden jungen Leute 
und die Freude der Jugend bei diesen Arbeiten 
zeigt, welchem dringenden Bedürfnisse die Neuerung 
entsprungen ist. 
Von den akademischen Sammlungen muß an er- 
ster Stelle die Akademische Gemäldegalerie genannt 
werden, die in den Jahren 1921 bis heute eine voll- 
kommene moderne Neuordnung aller Bestände erfuhr. In 
Verbindung mit der Galerie steht auch eine Restaurier- 
anstalt, welche einerseits die technischen Arbeiten der 
Galerie besorgt, dann junge Leute fachlich ausbildet und 
als Beratungsstelle in vielen Fragen der alten Kunst im 
Xunsthandel eine überaus wichtige Rolle spielt. 
In jüngster Zeit wurde diese Anstalt durch 
?inrichtung einer photochemischen Untersuchungsstelle 
erweitert; sie leistet auch in diesen Belangen wichtige 
Dienste. 
Die Akademische Bibliothek, die seit Kriegsende 
mit Eifer an der Ausfüllung der großen Lücken der 
Kriegszeit arbeitet, hat insbesondere in jüngster Zeit 
die Zeitschriftensammlung wesentlich vergrößert. Sie 
verfügt über einen nach dem Muster der preußischen 
Instruktion ausgearbeiteten Zettelkatalog. 
Das Akademische Museum der Gipsabgüsse hat 
sich in seiner Gestalt und Aufstellung seit dem Kriege 
wenig verändert, hat aber in den letzten Monaten 
wertvollen Zuwachs erfahren. 
2/3
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.