sikern erschienen „Wilhelm Tell” und „Coriolanus”
in neuen KEinstudierungen. An sonstigen Novitäten
folgten in diesem Jahre „Hochzeitstage” von Paul
Geraldy, „Madame Legros” von Heinrich Mann,
‚ Theater” von Franz Molnar, „Das Schiff Tenacity”
von Charles Vildrac. Zu einem abgerundeten Ausbau
seines Programmes kam Wildgans nicht, denn er
schied nach kaum eineinhalbjähriger Tätigkeit.
Max Paulsen, der ihm folgte, brachte ein sehr
reichhaltiges Arbeitsprogramm mit, darunter „Der
Graf von Charolais” von Richard Beer-Hofmann,
„Prinz Louis Ferdinand von Preußen” von Fritz von
Unruh, „Maitanz” von Karl Schönherr, „Elektra” von
Hugo von Hofmannsthal, „Die Judastragödie” von
Egon Friedell, „Antonius und Cleopatra” und „Das
Wintermärchen” von Shakespeare, daneben eine große
Zahl von Reprisen. Im Akademietheater gefielen be-
sonders „Die Frau von vierzig Jahren” von Sil-Vara
und „Der Kreis” von W. S. Maugham. Aber die
Unruhe und Ungeklärtheit der Verhältnisse duldeten
auch diesen rastlos arbeitenden und auf straffe Dis-
ziplin ausgehenden Mann nicht lang auf dem Stuhle
Laubes. Schon nach einem Jahre trat er zurück.
Am I August übernahm dann der derzeitige
Direktor Franz Her terich die Leitung und in langsamer,
mühseliger Arbeit suchte er die von seinen Vorgängern
angebahnte Festigung durchzuführen. Von der Neu-
organisation des Publikums war schon die Rede. E:
zalt aber auch den technischen Apparat zu vervoll-
ständigen. Verdecktes Orchester,. Vorbühnenbeleuch-
tung, Projektionen, Probenbühnen, Magazine wurden
geschaffen und dem neuzeitlichen dekorativen Stil
ein breiterer Raum eingeräumt. Roller, Geyling, Wilke,
Täuber, Strnad schufen vielseitige Bühnenbilder, die
Spielleiter Heine, Herterich, später Brahm und Aslan
versuchten mit Glück neue Wege der Inszenierung.
Ein Kreis von neuen Kräften schloß sich dem Kranz
der bewährten Burgtheaterkünstler an. Ida Roland,
Willy Thaller, Hans Marr traten in den Verband des
Burgtheaters, Fred Hennings, Wilhelm Heim, Karl
Friedl, Hilde Wegener folgten im gleichen Jahre,
später Ludwig Andersen, Alfred Lohner, Eduard
Volters, Viktor Braun, Paul Hartmann, Hanni
Hoeßrich. Ferdinand Mussi, Wolfgang Albach. Lillv
Professor Oskar Strnad:
Dekoration zu „Diamant des Geisterkönigs” (Zauberinsel)
Caroly, Karola Neher. Im Jahre 1928 konnte auch
Werner Krauß dem Burgtheater gewonnen werden.
der Spielplan konnte unter der nun fünfjährigen
Direktion Herterichs weiter ausgebaut werden. An
Classikern wurden neu inszeniert: von Schiller: „Maria
stuart”, „Wallenstein”, „Don Carlos”, „Demetrius”,
‚Phädra”; von Goethe: „Egmont” und „Faust”; von
Shakespeare: „Der Widerspenstigen Zähmung”, „Ein
5ommernachtstraum“, „König Richard I.”, „Romeo
ınd Julia”, „Troilus und Cressida”; von Kleist:
‚Penthesilea”, „Das Käthchen von Heilbronn”, „Prinz
riedrich von Homburg”; von Hebbel: „Judith”; von
srillparzer: „Der Traum ein Leben”; von Calderon:
‚Der Richter von Zalamea”; von Lessing: „Minna
‚on Barnhelm”. Es wurden Ibsens „Peer Gynt”,
‚Wenn wir Toten erwachen” und „Gespenster” neu-
zestaltet, ferner von Arthur Schnitzler „Komödie der
/erführung”, „Der Schleier der Beatrice” und „Kom-
esse Mizzi”, von Hermann Bahr „Der Querulant”
Die Kinder”, „Das Prinzip”, „Altweibersommer”
er Selige”, von Bernhard Shaw „Major Barbara”,
Kapitän Brassbounds Bekehrung”, „Der Liebhaber”;
Pygmalion”, „Der Teufelsschüler”, von Franz Molnar
‚Die rote Mühle”, „Spiel im Schloß” und „Das
/eilchen” neu aufgenommen. Außerdem kamen Anton
Wildgans, Franz Werfel, Stephan Zweig, Raoul
\uernheimer, Thaddäus Rittner, Felix Salten, Hans
Aüller, Franz Nabl, Sil-Vara, Gustav Davis und viele
ındere österreichische Schriftsteller zu Worte, von
leutschen Dramatikern Gerhart Hauptmann, Max
AWohr, Max Dauthendey, Hans J. Rehfisch, Ludwig
'ulda, Ludwig Thoma, Georg Hirschfeld, Fritz von
Jnruh, Klabund, von ausländischen Autoren Ben
onson, Oskar Wilde, John Galsworthy, Luigi Piran-
‚ello, Jules Romain, Gustav Wied und andere.
Immer bemüht, die Tradition mit den .neuen Er-
:cheinungen auf dem Gebiete der Literatur in Ein-
ang zu bringen, hielt sich das Burgtheater von all-
u einseitiger Gestaltung des Spielplanes ı frei und
zonnte dank der künstlerischen Einsicht aller poli-
ischen Parteien und der einzelnen Parteimänner nach
‚ein künstlerischen Prinzipien seinen Spielplan auf-
yauen. — Freilich ist noch sehr viel zu tun, soll die
alte, ehrwürdige Bühne des Burgtheaters den aller-
ersten Rang, den sie einnimmt, sich dauernd sichern
Die zielbewußte Ausgestaltung des Spielplanes, die
Ergänzung des Künstlerensembles, die technische Aus-
gestaltung der Bühne ‚bedarf noch mancher Jahre
Arbeit, um: zu einer alle Ansprüche befriedigenden
Vollendung zu gelangen. Mancher dringende Wunsch
mußte durch die Beschränkung der Mittel zurück-
gestellt werden, manches Engagement, manche tech-
nische Verbesserung, manche Neuinszenierung auf
„bessere Zeiten” verschoben werden. Aber „wo ein
Wille ist, ist auch ein Weg!” Das hat das Burg-
theater in den 152 Jahren seines Bestehens und auch
in den zehn Jahren des Wiederaufhaues bewiesen.