städter Theaters somit eigentlich eine künstlerisch wohlüberlegte,
in allen Belangen durchdachte stilistische
Verschmelzung mit dessen erster Gestalt darstellt.
Und so vollzog sich denn 101 Jahre, nachdem
Josef Kornhäusel das ursprüngliche Josefstädter Theater
verändert und zum größten Teil neu errichtet hatte, der
dritte Umbau in der Geschichte dieser Bühne, der diesmal
weniger die Fassade als die gesamten Innenräumlichkeiten
betraf. Erfüllt von dem echten Temperament
des wahrhaft Kunstverständigen, stimmte Camillo
Castiglioni Reinhardts Wünschen. und Plänen begeistert
zu und setzte sich mit Liebe, Umsicht und
Leidenschaft für die Verwirklichung aller Vorsätze ein.
Der Gedanke Reinhardts, welcher allen Adaptierungsarbeiten
zugrunde lag, war, Zuschauerraum und
Bühne in ihren Dimensionen un verändert zu belassen.
Nur von dieser Voraussetzung aus, die für
Reinhardts Josefstädter Absichten conditio sine qua
non war, durften alle sich als notwendig erweisenden
Veränderungen vorgenommen werden. Denn was ihn
stets in den Kreis gerade dieser Bühne mit magischer
Gewalt: zog, sind eben deren ideale Größenverhältnisse,
denen eine Akustik zu danken war, wie sie
ohne Zweifel nur wenigen Theatern des Kontinents -
vielleicht der Welt? — beschieden ist. Diese voll und
ganz zu erhalten, blieb selbstverständlich oberstes
Gesetz aller baulichen Arbeit, auf die Wirkungen,
welche mit ihrer Hilfe zustande kommen, konnte niemals
verzichtet werden. Durch die künstlerische Ausgestaltung
des gegebenen Raumes sollte eine Intimität
und Wärme erreicht werden, die den das Haus
hot, Keiffenstein, Wien VI
Teil des Fovers (gelber Salon) des Theaters in der Josefstadt
‚etretenden Zuhörer von Anbeginn gefangen nimmt
ınd ein atmosphärisches Behagen aufkommen läßt,
das den Gast sogleich zum Freund macht.
Die Bühne wurde in ihren Maßen belassen, nur
lem Stand der modernen Technik entsprechend auszestattet,
Auch die Struktur des Zuschauerraumes ist grund-‚ätzlich
nicht verändert worden, das heißt er wurde
m wesentlichen in jenen entzückenden Theatersaal
urückverwandelt, ‚den Kornhäusels Künstlerhand
inst geschaffen hatte, ohne jedoch den an die Tage
jeines Erbauers gebundenen Empirestil beizubehalten.
Die Teilung in drei Ränge ist geblieben, nur die
Sruppierung der Logen verändert das ursprüngliche
3ild. Seine Grundfarben, zu Kornhäusels Zeiten
Zoldgelb und Blau, sind heute, entsprechend den
‚eränderten innenarchitektonischen‘ Stilprinzipien,
Neiß, Rot und Gold. Daß der Stil des Zuschauerraumes
än aus wienerischen und italienischen Elementen
'‚eizvoll gemischtes Barock wurde, vertrug sich durchıus
mit dem Gesetz von der Erhaltung des Raumes.
?ine solche Rückverwandlung, wie sie Reinhardt
‚orschwebte, kann, darf und soll natürlich keine
ılinde Kopie sein — denn sonst stünde ja heute
Cornhäusels Empiretheater wieder in der Joseftädterstraße
—, sondern die Aufgabe bestand darin,
rei sorgfältigstem Festhalten arı den gegebenen Größen-‚erhältnissen
für die innere Ausgestaltung einen
‚heatermäßigen — also barocken — Stil zu finden und
Jabei ein Schauspielhaus für 1024 zu errichten.
Ein mächtiger, schwerer Glasluster erhellt den Zuschauerraum:
zu Beginn jedes Aktes wird er emporgezogen,
um den Galerien den freien Blick auf die
3ühne zu ermöglichen. Der Kuriosität halber sei
vermerkt, daß das Theater in der Josefstadt über
eine Einrichtung verfügt, die nur ganz wenige
Bühnen ihr eigen nennen können: unterirdisch ist
ihm eine große, elektrisch zu betreibende Kühlanlage
eingebaut, die es während der heißesten
Sommertage ermöglicht, den Zuschauerraum die
ganze Vorstellung hindurch kühl zu erhalten.
Im Jahre 1834 verwandelte der Gastwirt Reischl,
Besitzer des Theatergebäudes sowie des benachbarten
Gasthauses „Zum Straußen”, den rückwärtigen
Teil des Hauses in den „Sträußl-Saal” und schenkte
damit den für jede neue Attraktion dankbaren Wienerr
wieder eine Stätte des Vergnügens und der Auszelassenheit.
Josef Gregor, Verfasser der ersten Geschichte
des Josefstädter Theaters, welcher auch die
vorliegenden Ausführungen dankbar verpflichtet
sind, sieht mit Recht in diesem reizenden Biedermeiersaal
das Symbol eines versunkenen Wien, einer
verklungenen Seligkeit aus den Tagen, da Johann
Strauß Vater dort zum Tanz aufspielte. a
Im Laufe der Zeiten aber ist aus diesem strahlend
erleuchteten Tanzparkett einer unbeschwerten Menschheit
eine alte Rumpelkammer geworden, Ablageraum