beenden. Die Fortbildungsschulen werden längstens bis
zum Schlusse des Schuljahres 1927/28 bestehen.”
Allein die innere Lebenskraft der Akademie hatte
diesen Zustand, der für die Dauer wohl unhaltbar
gewesen wäre, bald überwunden. Schon Hofrat Pro-
fessor Franz Schmidt hatte während seiner Amts-
führung als Leiter der Anstalt den Uebelstand erkannt.
Seinen Bemühungen gelang es, zu erwirken, daß die
Fortbildungsschulen aufgelassen und als Lehrziel der
Akademie „eine abschließende künstlerisch
praktische Ausbildung auf dem Gesamt-
gebiete der Musik und der darstellenden
Kunst einschließlich des Tanzes” wieder her-
gestellt wurde. Die Ausbildungszeit wurde in den
Gesangs- und allen Instrumentalklassen (mit Aus-
nahme von Viola) einheitlich mit sechs Jahren fest-
gesetzt und auch das Hauptfach Komposition um
ainen zweiten Jahrgang vermehrt.
Damit war aber die Neugestaltung der Akademie
keineswegs abgeschlossen. Im Rahmen der in den
letzten Jahrzehnten immer kräftiger vordringenden
Reformbestrebung auf allen Gebieten des musikalischen
Unterrichtswesens bildete die Hebung des allge-
meinen und des fachwissenschaftlichen
Bildungsgrades der Musiker eine der nach-
drücklichsten Forderungen. Für die Akademie war
es um so mehr Pflicht, sich diesen Bestrebungen nicht
zu verschließen, als nunmehr das Reifezeugnis der
Anstalt zum Eintritt in die Hochschule berechtigte,
und es ihr daran gelegen sein mußte, daß ihre an
die Hochschule übertretenden Absolventen, abgesehen
von. der künstlerischen Ausbildung, sowohl in den
iheoretischen Fächern, die zum Rüstzeug eines
Musikers gehören, wohl ausgebildet seien als auch
über eine dem Range einer Hochschule entsprechende
allgemeine Bildung verfügen.
Nach Amtsantritt des neuen, im Februar 1927 er-
nannten Direktors, Hofrat Professor Max Springer,
wurden über dessen Veranlassung eingehende Be-
ratungen über einen großzügigen Ausbau des Lehr-
planes gepflogen, der die Einführung neuer Haupt-
und Nebenfächer sowie die Auflassung einiger Neben-
fächer umfassen sollte. Die erste Etappe auf dem
Wege dieses Ausbaues war erreicht, als Bundes-
minister Dr. Richard Schmitz, welcher der Musik-
pflege sein besonderes Augenmerk zuwendet und
der Akademie die verständnisvollste Fürsorge ange-
deihen läßt, im Dezember 1927 den als Ergebnis
dieser Beratungen übermittelten Anträgen die Ge-
nehmigung erteilte, auf Grund deren nachstehende
Veränderungen im Lehrplan erfolgten.
An der Akademie bestand schon in früheren
Jahren eine Chordirigentenschule, welche aber nach
dem Ableben des Professors Eugen Thomas auf-
gelassen wurde. Im Zuge des nunmehr einsetzenden
Ausbaues des Lehrplanes beantragte Direktor Hofrat
Max Springer die Wiedererrichtung einer Chor-
lirigentenschule und erhielt hiezu die Genehmi-
zung des Ministeriums. Mit dem Unterricht wurde
Jomkapellmeister Professor Ferdinand Habel be-
raut. Im engsten Zusammenhang damit wurde auch
ine bisher im Lehrplan der Akademie fehlende
nstitution ins Leben gerufen, der „Akademiechor”,
ı1achdem schon in den vorausgegangenen Schuljahren
Choraufführungen größeren Stils unter Leitung Pro-
essor Dom. Jos. Peterlinis veranstaltet worden
waren. Zur Teilnahme an den VUebungen des Aka-
lemiechores sind alle Schüler des dritten und vierten
Jahrganges der. Gesangsklassen verpflichtet, während
sich die Schüler der anderen Fächer freiwillig melden
c«önnen. Die Leitung des Akademiechores wurde
7rofessor Peterlini übertragen.
Für alle Schüler (mit Ausnahme der Schauspiel-
schüler) verbindlich wurden eingeführt die Neben-
ächer „Pädagogik und philosophische Pro-
>ädeutik” (Professor Eduard Hartmann), „Allge-
neine Kunstgeschichte” (Professor Dr. Eduard
"raversa), „Bürgerkunde” (derselbe), „Deutsche
5prache und Literaturgeschichte” (derzeit
ınbesetzt). In den Lehrstoff der „Allgemeinen Musik-
zeschichte” wurde „Aesthetik der Tonkunst”
nit einbezogen. Für die Schauspielklassen wurden
lie MNebenfächer „Deutsche Literaturge-
‚:chichte und Dramaturgie” (Dr. Friedrich
schreyvogl) und „Geschichte der Bühnenkunst”
Friedrich Rosenthal), sowie „Bühnenkunst und
laumgestaltung” (derzeit unbesetzt), eingeführt. In
len Lehrstoff des dramatischen Unterrichtes in der
schauspiel- und in der Opernschule wurde die Unter-
veisung in der Kunst der Regieführung ein-
zeführt. Weiters wurde in den Lehrplan das Nebenfach
‚Grundlagen der Musiktheorie” (Dr. Gustav
Jonath) aufgenommen. Für das Hauptfach „Ge-
sang” wurde eine weitere Parallelklasse errichtet
Marianne Wolf). Die Unterrichtsstunden im Neben-
ach Klavier wurden um 36 Wochenstunden ver-
nehrt (neue Lehrkräfte: Grete Hinterhofer und Berta
Jahn-Beer). Für das Hauptfach „Sprech- und Vor-
‘ragsübung” in ‚der Schauspielschule wurde eine
weitere Parallelklasse errichtet: (Universitätslektor
Terdinand Steil). Die Ausbautätigkeit fand ihre
"ortsetzung gelegentlich der im Mai 1928 erfolgten
/orlage des neuen Lehrplanes. Die darin enthaltenen
veiteren Anträge bedürfen noch der Genehmigung
les Unterrichtsministeriums, weshalb wir von ihrer
Anführung absehen. Die Direktion war überdies be-
strebt, durch Einführung von Kursen außerhalb des
Rahmens des Lehrplanes den Schülern Gelegenheit
zu geben, sich in Fächern auszubilden, die entweder
zu ihrem Hauptfach in Beziehung stehen, oder ihnen
n der Ausübung ihres künstlerischen Berufes förder-
ich sein könnten. Gegenwärtig werden folgende Kurse
ıbgehalten: Radiosprechen und Radioregie (Dr. Hans
lüchtern); Stlbildungskurse für künstlerische Klavier-