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Von den 135 Postverwaltungen des Weltpostvereins sind
eigentlich nur wenige, welche mit dem Weltpennyporto ein
grösseres Risiko laufen; die meisten, glaube ich, müssten bei
reiflicher Erwägung dieser Reform geneigt sein. Deutschland,
das von Anbeginn für Aufhebung aller Transitgebühren eintrat
und wo Stephan das Inlandsporto als Ideal eines Weltportos
hinstellte, im Einklang mit dem alten Plan von 1841, ist mo
ralisch stark engagiert und kann eigentlich natürlich nicht ins
gegnerische Lager übertreten. Österreich hat es in wichtigen
Fragen stets gern unterstützt und hat in alten Zeiten schon ein
gleich hohes In- und Auslandsporto besessen. England, die
Heimat Rowland Hills, dessen Grundgedanke im Weltpostverein
und im Weltpennyporto nur bis in seine äusserste Konsequenz
verfolgt wird, England, das schon für die grössere Hälfte
Ungarn 91 2 000. nach Bosnien 24 000, nach Deutschland 3 975 000 Briefe,
zusammen also 8 691. 000, was hei Herabsetzung von 25 C. bis auf den
innern Tarif (15 C.) einen theoretischen Ausfall von 869 000 Lire, bei
einer Ermässigung auf 10 C. aber 1 300 000 Lire (1 040 000 Mark) aus
machen würde.
Deutschland sendet nach Italien 5 914 000 Briefe (Ausfall
591 000 Mark bei Herabsetzung von 20 auf 10 Pf.), Österreich 4 478 000
Briefe (Ausfall 670 O'OO Kronen), Ungarn nur 408 000 Briefe (Ausfall
60 000 Kronen). Bei einer Verkehrssteigerung um 33% würden die Aus
fälle natürlich entsprechend geringer sein. Eine solche Erweiterung des mittel
europäischen Postvereinsgebiets würde sicherlich, sehr wertvolle Folgen haben.
Natürlich würde schon wegen der italienischen Kantone auch ein
italienisch-schweizerischer Postrereiu sehr angebracht sein.
Weiter würde sicherlich auch ein Postrereiu Kusslands und Deutsch
lands oder Kusslands und des deutsch-österreichischen Postrereins, der
sogleich ein riesig grosses einheitliches Yerkehrsgebiet in Europa schüfe,
von weittragender Wirkung sein. Schon die regen Verkehrs- und Handels
beziehungen dieser Länder allein würden eine solche Postxmion wohl recht-
fertigen. Hinzu kommt noch, dass wegen der bessern Verständigungs-
möglichkeit das .Bedürfnis danach in Ländern mit teilweise gleichsprachiger
oder doch sprachverwandter Bevölkerung immer besonders gross ist. Die
slawischen Stämme überwiegen in Russland (etwa 75%) und in Österreich
(60%); sie sind in der Minorität in Ungarn, 27%, und in Bosnien-Herzego
wina, 43%; in Deutschland machen sie immerhin auch noch 6,2%
(3,5 Millionen) aus. Deutsche gibt es in Russland fast ebensoviel (gegen
2 Millionen) wie in der Schweiz. Sie vermehren die Verstaudigungs-
möglichkeit und die Kulturheziehungen mit den deutschen Ländern.
Ans Deutschland gehen jährlich (1907) nach Russland (mit