Der Sauerhof (1672 nach Vischers Topographie)
wieder zurückgegeben. Die militärische Vergangenheit
reicht weniger weit zurück, als gemeinhin angenommen
wird. Die ersten urkundlichen Angaben über den
Sauerhof liegen aus dem Jahre 1419 vor. Das
Saurerbad — der Saurhoff — so benannt nach dem
Besitzer Georg von Saurer, dem kaiserlichen Kämmerer
und Besitzer von Rauhenstein, wurde im Jahre 1594 er-
baut. Seine gegenwärtige schöne Gestalt verdankt der
Sauerhof dem Umbau, der in den Jahren 1520 bis 1822
vom ausgezeichneten Architekten Josef Kornhäusel
durchgeführt wurde. Im Jahre 1863 durch das Militärärar
vom Freiherrn von Doblhoff übernommen, verzeichnet
das Haus bis dahin unter seinen Kurgästen die Namen:
Beethoven, Jacquin, Friedrich von ‘Schlegel, Salieri,
Lampi, Schreyvogel, Clementi, Grillparzer, Castelli.
Hinsichtlich des Engelsbades liegt die Angabe ‚vor,
daß am I. November 1735 (dem Tage des großen Lissa-
boner Erdbebens) auf einem Grundstück vor dem Sauer-
hofpark eine neue Schwefelquelle entstand. Die Quelle
hatte dazumal 27-28° R, wurde wie ein Brunnen gefaßt
und als Fußbad benützt, bis 1794 der Besitzer Anton von
Dobihoff darüber ein Badegebäude, die Engelsburg, er-
richten ließ. Neben diesem Gebäude wurde im Jahre 1822
von Josef Kornhäusel das Engelsbad in seiner heutigen
Gestalt erbaut. Die Petersquelle soll im Jahre 1626
entstanden und unmittelbar hernach das St. Petrusbad und
der alıe Peterhof erbaut worden sein. (erster Besitzer:
Anton Walter). 1819 wurde das noch jetzt bestehende
Gebäude durch den Badener Baumeister Johann Hantl
begonnen und 1821 vollendet. Das Gebäude diente lange
Zeit als Militär-Badehaus einerseits und als Filialspital
des Garnisonsspitales Nr. 2 in Wien anderseits: aus der
Sauerhof bad (seit 1822; alte Lithoegr.)
/ereinigung beider ging das Garnisonsspital Nr. 27
1ervor. ;
Gerade jetzt — da sich der zehnjährige Bestand als Zivil-
Teilanstalt jährt (August 10920) — stehen beide An-
alten vor einer neuerlichen gründlichen Aus-
zestaltung. Schon die erste Umwandlung in Zivil-Heil-
anstalten war durch die Sozialversicherungs-Anstalten
Krankenkassen) gefördert worden. Durch die ständige
/erbindung mit diesen Körperschaflen wird es nunmehr
;rmöglicht, unter Aufwendung größerer Geldmittel die
veitere Ausgestaltung durchzuführen, die sich nament-
ich auch — trotz Vermehrung der Belagzahl — in einem
nchr individualisierenden Kurbetrieb auswirken
wird. Die Umgestaltung bezieht sich einerseits auf die
irgänzung der Kureinrichtungen (nicht zuletzt durch
1öher temperierte Schwefelbäder, Schwefel-Wannenbäder
ür Schwerkranke, schwerbewegliche Patienten) anderseits
auf die Vermehrung und Verbesserung der Unterkünfte
Zentralheizung der Zimmer und Gänge, fließendes Warm-
ınd kaltwasser, usw.). Die großen, aus der Militärzeit
übernommenen Krankenräume werden verschwinden. Die
Anstalten werden — neben ein- und zweibettigen Zim-
mern — nur Krankenräume mit drei bis höchstens fünf
Betten aufweisen. Alle Herstellungen, die mit Oktober 1928
begonnen und bis Ende April 1929 abgeschlossen werden,
dienen den fachlichen Zwecken und wirtschaftlichen Zielen.
Nach rühmlicher Vergangenheit gehen die beiden An-
italten Sauerhof und Peterhof einer verheißungs-
vollen Zukunft entgegen. Sie sind — wie der Kurort
3aden im allgemeinen — ganz besonders dazu berufen,
ler neueinsetzenden Abwehr des Rheumatismus (als
Yolkskrankheit) ein Bollwerk zu schaffen.
Sauerhof (Rundhot)
Phot. Hermann Brühlmever