fullscreen: Das Recht auf Arbeit in geschichtlicher Darstellung

Idee und Persönlichkeit als Triebkräfte 
der Geschichte. 
Von Universitätsprofessor Dr. W. Schüßler, Rostock. 
Wer erzielt den Fortschritt der Geschichte? idee und 
Persönlichkeit oder die Masse? Der Held oder die Ma- 
schine? 
Wird Geschichte in schöpferischer Freiheit oder im 
unaufhaltsamen Zwang mechanischer Kausalverkettung? 
Sind. Ideen ‚ursprünglich schöpferisch. oder sind sie nur 
Produkte der veränderten Umstände? Ist Idee und Glaube 
weiter nichts als der ideologische Ueberbau der Gesell- 
schaft und ändert sich; dieser mit den wechselnden 
Produktionsbedingungen? * 
Ist der Mensch nur der Durchgangspunkt großer 
Massenbewegungen? 
Oder gestaltet er eine eigene Welt? Gibt es über dem 
Reich des Seins ein Reich des Soll? Lebt über der Natur 
und ihrer Kausalität ein Reich der Kultur, der Werte und 
der Sittlichkeit? Gibt es über der Welt der Unfreiheit eine 
SOlche der Freiheit und des Geistes? 
Ist- der Mensch weiter nichts als das blinde Werkzeug 
übergewaltiger Massenkräfte. Entwicklungen, Veränderun- 
gen und Tendenzen? ‚Liegt das Endziel der Weltgeschichte 
am Ende oder etwa in ihren höchsten Exemplaren? Oder 
sollte es: liegen in dem Verhältnis der einzelnen Seele zur 
Gottheit? 
Es ist klar, daß diese Fragen in die Tiefe der Welt- 
anschauung jedes Einzelnen führen und daß ihre‘ Beant- 
wortung nicht,allein von der politischen Haltung bestimmt 
wird. Ebenso offenbar ist es. 
daß wir mehr als jemals früher in kollektivistischen 
Gedankengängen leben, ' 
daß Kollektivismus, Determinismus und 
Soziologie, man möchte fast-sagen, die Sigmatur 
der Epoche bilden. Hatte schon die große Geschichts- 
philosophie Hegels den Einzelmenschen mitreißen lassen 
von dem unaufhaltsamen Strom .des Weltprozesses und 
war so die rein individualistische Lehre des 18. Jahr- 
hunderts beseitigt, so hat der Kollektivismus nnd Posi- 
tivismus, beide vor allem Erzeugnisse der westeuropäischen 
Demokratie, unter dem Einfluß von Kar! Marx den 
Gipfelpunkt erreicht. Die durch den Sozialismus und die 
westeuropäische Demokratie propagierten kollektivistischen 
Gedanken sind so sehr Gemeingut geworden. daß selbst 
ihr großer Gegner Oswald Spengler völlig Kollek- 
tivist und Determinist ist und daß es fast unmodern an 
mutet, wenn ernsthafte Leute die 
Alleinherrschaft der kollektivistischen Lehre be- 
kämpien. 
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