Beginnender Realismus. 299
für die Wirkung dieser Agentien, dieser Kraft und Kräfte ein
System von Linien erdacht, in denen sie, in der Form ver—
schiedenartiger Bewegung, verliefen: ein System, dessen Einzel⸗
heiten zunächst aus der Beobachtung einer Anzahl von magneti⸗
schen Erscheinungen abstrahiert waren. Allein allmählich schien
sich ihm zu zeigen, daß dieses System erdachter Linien tatsäch—
lich der Wirklichkeit angehöre: daß seine Gedanken ständigen
Vorgängen entsprächen: und 1852 proklamierte er die Tat—
sächlichkeit der gefundenen Linien und der in ihnen verlaufenden
Bewegungen, denn diese ließen sich ablenken, also gestaltlich
oerändern. So äußerte er z. B. hinsichtlich des Magnetismus:
„Ich nehme den Magneten als ein Kraftzentrum, das von
Kraftlinien umgeben ist, welche in ihrer Darstellung der Kraft
durch die mathematische Analysis bestimmt sind, und ich halte
dieselben als physikalische Linien für wesentlich, sowohl für
das Sein der Kraft im Magneten als auch mit Rücksicht
auf die Fortpflanzung und Wirkung derselben außerhalb des
Maqgneten.“
Experimentell und rein schlußmäßig aus Experimenten
erschien damit die Einheit der großen Agentien und die Gleich—
artigkeit ihrer Weise sich zu äußern nahegelegt. Den vollen
Beweis freilich, den experimentell-induktiven oder den mathema—
tisch-deduktiven, hatte Faraday nicht erbracht. Er war nicht
etwa gleich einem Newton neben dem Experimentator zugleich
Konstrukteur und Rechner. In dieser Hinsicht haben ihn erst
J. Clerk Maxwell, Helmholtz und Hertz ergänzt. Und erst
Hertz ist dann bekanntlich auch der exakt-experimentelle Nachweis
der Elektrizität als einer Kraftäußerung in Form von Wellen—
hewegung gelungen.
Allein längst bevor auf mathematischem Wege fortgeführt
wurde, was Faraday als Erxperimentalphysiker begonnen hatte,
war der Beweis von der Einheit der Agentien auf einem
hbisher weniger beachteten Gebiete, da, wo er im Grunde am
schwierigsten zu liefern war, von einem Deutschen errungen
vorden.
Julius Robert Mayer aus Heilbronn (geboren 1814) hatte