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Anlagen eintreten zu lassen. Diese anscheinend ganz harmlose
Bestimmung hat im Ruhrgebiete eine Revolution in der Beurteilung
des Syndikats hervorgerufen. Es bildete sich nämlich folgende
Technik: Die grossen Werke kauften kleinere auf, d. h.
sie kauften damit deren Beteiligungsziffern. Bei kleinen Betrieben
wurde die Beteiligungsziffer ganz auf den andern grossen übertragen
d. h. der kleine Betrieb wurde stillgelegt. Grössere angekaufte
Zechen behielten einen Teil ihrer Beteiligungsziffer, d. h.
sie förderten in beschränktem Masse weiter 1 ).
Jetzt war zuviel des Morphiums gekommen, womit jedoch,
wenn auch »humaner«, derselbe Effekt wie bei brutaler Tötung infolge
freier Konkurrenz erzielt ward und wird. »An die Stelle
der Erdrosselung tritt der Morphiumtod.« (Brentano.)
Auf diese Weise ging jetzt die Expansion der Mächtigen vor
sich. Allen voran die Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., die Harpener
Bergbau-A.-G. und die Hibernia 1 2 ). »In ihrer Produktion ist z. B.
Gelsenkirchen von 4 auf 7 Millionen t. gestiegen, nicht bloss durch
Entwicklung, sondern dadurch, dass es Zechen, die schon im
Syndikat waren, aufgekauft hat« 3 ).
Solche Erscheinungen regten natürlich die Gemüter der Beteiligten
auf. Und wie so oft, so war auch hier der erste Ruf
der nach dem Gesetzgeber, dem Allhelfer. Er kam und legte
einen »Gesetzentwurf betreffend Abänderung der §§ 65, 156 bis
162, 207a des allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865/92
und des dritten Abschnittes des Ausführungsgesetzes zum Reichsgesetz
über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung
vom 23. September 1899« vor 4 ), die sog. Stilllegungsnovelle, die
jedoch nicht Gesetz geworden ist. Die Vorschriften dieser Novelle
gelten nun, was nicht klar genug hervorgehoben ist, sowohl
für bereits betriebene Bergwerksfelder als auch für noch nicht betriebene.
Dies letzte ist die Erscheinung der sog. präventiven
Stilllegung, die uns in ihrer ungeheuren volkswirtschaftlichen Bedeutung
später noch beschäftigen wird.
1) Jahresbericht des Bergbauvereins 1903. I. 7.
2) Vgl. Metschke, Bergbau und Industrie in Westfalen und im Ruhrgebiete der
Rheinprovinz unter der Herrschaft der Caprivischen Handelsverträge. Münch. Inaug.
Diss. Breslau 1905. Seite 29: Tabelle.
3) Verhandl. über das Kolilensynd. Kartellrundschau 422.
4) Drucksachen des Hauses der Abg. 20. Legislaturperiode I. Session 1904/5,
Nr. 703 u. Zu Nr. 703.