Vorwort.
Die wichtigsten Ergebnisse der Volkszählung im Jahre 1910 sind bereits in den Jahres
berichten des Statistischen Landesamts für die Jahre 1910, 1911, 1912 und 1913 veröffentlicht
worden. Eine eingehende Bearbeitung des reichhaltigen Materials aber wurde dadurch bisher
unmöglich gemacht, daß der große Krieg und seine Folgeerscheinungen an die Verwaltungs
tätigkeit des Amtes in seiner Eigenschaft als Einquartierungsamt, Landeszentrale für Arbeits
nachweis, Wohnungsnachweis und schließlich noch als Wahlamt die höchsten Ansprüche stellte.
Die besondere Bedeutung, die dieser Aufnahme als letzter Volkszählung vor dem Kriege innewohnt,
hat uns veranlaßt, in den letzten Monaten aus dem sehr eingehenden Tabellenwerk je eine in
sich abgerundete textliche Darstellung über die Bevölkerung (Heft XXVIII), die Räumlichkeiten
(Heft XXIX) und über Wohnort und Arbeitsstätte (Heft XXX) herauszuarbeiten, so daß nunmehr
jede vom Deutschen Reich vor dem Kriege angeordnete Volkszählung im hamburgischen Staate
ihre gründliche Bearbeitung für hamburgische Verwaltungszwecke und für die Wissenschaft
gefunden hat.
Dje vorliegende Arbeit verfolgt in erster Linie den Zweck, den Zustand der hambur
gischen Bevölkerung vor dem Kriege so eingehend wie möglich statistisch darzustellen, in
zweiter Linie will sie einen Rückblick über die außerordentliche Entwicklung der Bevölkerung
des Staates im letzten Vierteljahrhundert gewähren, denn bevölkerungspolitisch werden wir
unsere Zukunft aus der Vergangenheit heraus zu entwickeln haben.
Die seit 1910 vorgenommenen Bevölkerungsaufnahmen waren einfacher, und ihre Ergeb
nisse gestatten daher in den Einzelheiten nicht ein so tiefes Eindringen in den Stoff. Als
Anhaltspunkte für die Beurteilung der großen Veränderungen im Bevölkerungsstande aber sind
sie doch so wichtig, daß ihre Veröffentlichung geboten erscheint. Deshalb werden im letzten
Abschnitt des Heftes die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen der Jahre 1911 bis 1917
abgedruckt. Da während des Krieges Bevölkerungszahlen nicht mitgeteilt werden konnten,
werden die Ergebnisse der Jahre 1914 bis 1917 hier zum ersten Male veröffentlicht, während die
Übersichten über die Jahre 1911 bis 1913 bereits im „Öffentlichen Anzeiger“ und in verkürzter
Form in den Jahresberichten abgedruckt waren. Neu sind auch die Aufstellungen über die
Wohnbevölkerung, die hauptsächlich aus dem Grund in die Arbeit aufgenommen sind, weil die
Wohnbevölkerung in den Kriegsjahren eher als eine Grundlage, auf der sich die Weiter
entwicklung des Staates und ihres Bevölkerungsstandes aufbaut, angesehen werden kann als die
mehr von Zufällen abhängige ortsanwesende Bevölkerung.
Hamburg, im Juni 1919.
Der Direktor
des Statistischen Landesamts.
Prof. Dr. Sköllin.