kehr des ins Ausland geflüchteten inländischen und
ein Hereinströmen ausländischen Kapitals erwartet
werden konnte. Dies aber war zur Ankurbelung und
Wiederbelebung der Produktion unentbehrlich, da
durch die Inflation das Betriebskapital ganz und
auch das Anlagekapital durch Verwahrlosung und
Veraltung der Betriebseinrichtungen großenteils ver-
loren gegangen war. Die erklärte Absicht einer
Stabilhaltung der Krone auf dem am I. Jänner 1023
erreichten Niveau schaltete alle Spekulationen auf
ein Fallen oder Steigen der Landeswährung, die in
anderen Staaten so viele Unzukömmlichkeiten her-
vorgerufen und die Konsolidierung der Verhältnisse
so beträchtlich erschwert haben, von vorneherein
aus, wodurch der ohnehin so schwierige Prozeß der
Anpassung an den neuen Preis- und Wertmaßstah
wenigstens einigermaßen erleichtert wurde. Darüber
hinaus wurde aber auch die Absicht der Gewinnung
neuen Kapitals, wie aus der folgenden Tabelle ent-
nommen werden kann, durchaus erreicht. Kine Ände-
tung in den Relationen der Krone zu den Auslands-
Währungen trat nur insoferne ein, als die früher
erwähnte Relation der Papierkrone zur Goldkrone
anfänglich in Schweizer Francs ausgedrückt wurde,
Später aber, als der Schweizer Franc zufolge bedeu-
tender internationaler Kapitalsverschiebungen größeren
Schwankungen unterlag, der amerikanische Dollar
als Standardwährung gewählt wurde, der zu jener
Zeit allein als: dem Golde gleichwertig betrachte
werden konnte. Und zwar wurde. der Dollar in
der Zeit vom 18. Mai 1923 bis 6. August 1925 auf
dem starren Niveau von 1 $=K 71.060 (bzw. ab
I. Jänner 1925 I $=5S$ 7.106) gehalten; von da ab
wurde die Kursbildung des Dollars freigegeben, so
daß sie fortan nach dem Gesetz von Angebot und
Nachfrage innerhalb der Goldpunkte variiert. Diese
Schwankungen sind so geringfügig, daß auf ihre Dar-
Stellung aus Raumrücksichten verzichtet werden kann;
es genügt festzustellen, daß sich überwiegend ein
kleines Agio zugunsten des Schillings ergibt und die
Österreichische Währung sich überhaupt als eine der
Stabilsten Währungen des Kontinents erweist.
Das Hereinströmen von Devisen führte allerdings,
wie gleichfalls der folgenden Tabelle zu entnehmen
ist, auch zu einer starken Vermehrung der inländischen
Zirkulation; eine solche erschien aber auch unerläß-
lich. Die Kleinheit der anfänglichen Banknotenmenge
kann nur durch das völlige Darniederliegen von
Handel und Verkehr, durch das Fehlen jeder Kassen-
haltung und deren Verdrängung durch eine unver-
Nünftig gesteigerte Zirkulationsgeschwindigkeit (sofor-
tiger Austausch des wertverlierenden Geldes gegen
Sachgüter irgend welcher Art), endlich durch den
Weitverbreiteten Gebrauch ausländischer Geldmittel
im Inlandsverkehr erklärt werden. Der Goldwert der
am 7, Jänner 1023 zirkulierenden Banknoten entsprach
nur einer Kopfquote der Bevölkerung von zirka
30 $ gegen gleichzeitig 43'5 $ in der Schweiz! Die
Vermehrung der Zirkulationsmittel mußte aber auch
aus dem Grunde ungefährlich bleiben, weil sie gegen
Finlieferung von goldwerten Devisen stattfand und
lie Österreichische Nationalbank ungeachtet beste-
1ender Möglichkeiten der Beschränkung des Devisen-
‚erkehrs schon sehr bald alle an sie herantretenden
Jevisennachfragen voll befriedigte. Hiemit sicherte
je der Landeswährung aber den wesentlichsten Vor-
‚eil jeder Goldwährung, nämlich die Automatik, durch
velche die goldwerten Tauschmittel jeweils dorthin
ließen, wo ihnen die höchste Kaufkraft zukommt:
Jätte der Krone durch die Zirkulationsvermehrung
äne Entwertung gedroht, so wären die ihr als
Deckung dienenden Devisen zweifellos sofort wieder
ns Ausland zurückgerufen worden!
Durch die 100% ige Deckung der gegen auslän-
lische Devisen emittierten Noten besserte sich natur-
zemäß auch das Deckungsverhältnis der gesamten
Zirkulation, zumal die Notenausgabe gegen Wechsel-
eskont, von den Sommermonaten 1024 abgesehen, in
der Hauptsache stabil blieb und nur saisonmäßig
zwischen 75 und 180 Millionen Schilling schwankt.
Die ziffermäßigen Belege für das bisher Gesagte finden
sich in der folgenden Tabelle, in welcher der Bar-
schatz und die als Notendeckung verwendeten, in den
Barschatz nicht eingerechneten Devisen zusammen-
gezogen erscheinen !).
Entwicklung des Barschatzes und der Noten-
zirkulation.
Gold
Summe
ılsNoten-' der me- | Bank-
deckung tallischen' noten u. | Dek- | Eskon-
verwen- | u. quasi‘ Girover- |kungs- tierte
* dete metalti- pflich- |perzent | Wechsel
ı Devisen schen ‘ tungen
Noten-
deckung
Jatum |
ane-
*ahilline
7, Jän. 1923 | 4.967 114.552 | 119.519 447.050 2078 73.161
31. Dez. 1923| 8.318 383.213 | 391.531 777.518 50°36 | 132.337!
30. Juni zo 10.776 | 317.834 | 328.610 851.636| 38°59 | 308.090
31. Aug. 1924! 10.825 | 345.318 | 356.143 ı 899.082 Zr
31.Dez. 1024 ' 11.089 | 477.055 | 488.144 | 894.122| 54°60 188.021}
30. Juni 1925 11.347 | 551.071 | 562.418 | 861.268| 65°30 | 95-099
31.Dez. 1925 ' 14.830 | 558.364 573.194 | 945.034/ 60°05 | 180.249
31. Dez. 1926 | 52.506 | 627.451 | 679.957 | 984.668| 69:05 | 123.505
31.Dez. 1027 | 84.456 | 653.413 737.869 |1,044.911| 70°62 | 131.712
30. Sept. a aa 14455 | 09-255 759.710 11,047.931| 72°49 | 119.870
31. Okt. 1928 | 168.902 | 569.313 | 738.215 |1,053.826! 70.05 | 140.836
1) Ein Wesens unterschied zwischen den in den Barschatz
aingerechneten und den in den Barschatz nicht eingerechneten,
aber als Notendeckung verwendeten Devisen bestand nur
in der Zeit vom IL Jänner 1925 bis 23. Jänner 1027, wäh-
‚end welcher unter letzterer Rubrik auch „Kostdevisen”
verrechnet waren, die jetzt, soweit sie überhaupt noch vorkom-
nen, als „Andere Aktiven” ausgewiesen werden. Lin formel-
er Unterschied besteht in der Dauer der Veranlagung der
Devisen, wobei jedoch zumeist vertragsmäßig die Möglichkeit
rüherer Rückziehung vorbehalten ist, wodurch diese Verschie-
tenheit ihre materielle Bedeutung fast ganz verliert.