zukaufen, so daß jedes Kursrisiko vermieden werden
konnte; und da die Verzinsung solcher ausländischer
Schulden mit Finschluß des zu zahlenden Kostgeldes
sich noch immer niedriger stellte als ‚die jeweilige
österreichische Bankrate, wurde von der gebotenen
Einrichtung gerne Gebrauch gemacht; auf diese
Weise kam das ausländische Kapital bald wieder
nach Österreich zurück. Nach eingetretener Beruhi-
gung der Verhältnisse wurde dieses im Auslande als
ungewöhnlich empfundene, in den damaligen außer-
ordentlichen Verhältnissen Österreichs aber sehr gut
bewährte Kostgeschäft durch das altgewohnte, im
Wesen gleichartige, jedoch nur unter ruhigen Börsen-
verhältnissen und bei geordnetem Devisenhandel
durchführbare Devisen-Termingeschäft ersetzt.
Die Nachwirkungen der Börsenkrise sind auch
heute noch empfindlich fühlbar, da sich die berufs-
mäßigen Spekulanten — zumeist nach Verlust ihres
Betriebskapitals — vom Geschäfte zurückgezogen haben
und ‚auch das Publikum aus den früher angeführ-
ten Gründen der Börse noch immer vollständig fern-
bleibt. Die hieraus resultierende gänzliche Stagnation
der Börse zieht natürlich für die Gesamtwirtschaft
mancherlei Nachteile nach sich, insbesondere ist die
normale Entwicklung ‚des Anlagemarktes — die Pla-
cierung von Pfandbriefen, Obligationen und Neu-
Emissionen von Aktien — hiedurch fast unmöglich
gemacht; das führt aber zu einer Verschärfung der
in Landwirtschaft und Industrie herrschenden Kredit-
not und verhindert die notwendige Ergänzung ihrer
Anlagekapitalien. Daher wäre es sicher erwünscht,
wenn das Publikum der Börse gegenüber wieder den
goldenen Mittelweg einer rationellen Art der Kapitals-
investition beschreiten, das heißt die angesammel-
ten Ersparnisse teilweise auch zu Ankäufen sicherer
Effekten und solider Neu-Emissionen verwenden
würde. Erst dann wird von einer völligen Konsoli-
dierung der kreditpolitischen Verhältnisse gesprochen
werden können.
Die österreichische Nationalbank hat zur Über-
windung der Folgen der Börsenkrise nicht nur durch Bei-
stellung aller angeforderten Devisen und durch liberale
Kredithilfe, sondern auch durch Mitwirkung in der
Organisation zur Regelung der Börsenkurse und bei zahl-
reichen einzelnen Stützungsaktionen beigetragen. Die
von ihr diesfalls gebrachten materiellen Opfer be-
wegten sich jedoch stets innerhalb jener Grenzen,
welche durch die Bedachtnahme auf die unversehrte
Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit zur Erfüllung ihrer
höheren währungspolitischen Aufgaben und durch
die Rücksichten auf die legitimen Interessen ihrer
Aktionäre gezogen sind; aber schon diese begrenzten
Opfer haben gewiß manchen weiteren Zusammen-
bruch verhütet und dadurch sowohl Kreditnehmer
wie Kreditgeber vor Schaden bewahrt. Im Laufe des
Jahres 19025 schwanden die Rückwirkungen der
Börsenkrise auf den Status der Nationalbank, so daß
zu Ermäßigungen der Bankrate geschritten werden
konnte.
Ich darf diesen kursorischen Überblick über die
wichtigsten Ereignisse des Kredit- und Notenbank-
wesens Österreichs abschließend wie folgt zusammen-
assen: Die Republik Österreich hatte während, der
arsten vier Jahre ihres Bestandes in währungspolitischer
Hinsicht einen überaus dornigen Leidensweg zurück-
zulegen — die rasche Verschlechterung des Kronen-
wertes während dieser Zeit ist neben technischen
Yehlern in der Behandlung des Geldwesens haupt-
zächlichst der Wertvernichtung zuzuschreiben, die
das gesamte Volksvermögen durch Kriegs- und Nach-
kriegsereignisse erfahren hat. Erst durch das Genfer
Sanierungswerk wurde die Möglichkeit geboten, das
Geldwesen wieder in geordnete Bahnen zurückzu-
führen. Die Österreichische Nationalbank hat die ihr
'n dieser Beziehung gestellten Aufgaben erfolgreich
zelöst, denn seit ihrer Gründung ist der äußere Wert
der österreichischen Währung stabil erhalten worden
und hat es dadurch möglich gemacht, diesen zunächst
aur via facti geschaffenen Zustand durch das Schilling-
rechnungsgesetz vom 20. Dezember 1024, BGBl.
Nr. 461, auch rechtlich zu verankern, indem die neue
Währungseinheit in unmittelbare Relation zum Golde
gebracht werden konnte. Mit der Ordnung des Geld-
wesens ist dem Geschäftsleben die Möglichkeit kauf-
nännischer Kalkulation wiedergegeben worden, ohne
daß freilich die unvermeidliche Annäherung der
zurückgebliebenen heimischen Preise an das Welt-
preisniveau und dadurch eine Steigerung des Lebens-
kostenindex hätte verhindert werden können. Die
Stabilisierung des Geldwertes hat ferner auch ein
Wiedererstarken des Kreditwesens ermöglicht; nach
Beendigung des im Anschluß an die Börsenkrise des
‚ahres 1924 durchgeführten Reinigungsprozesses ruht
2s nunmehr wieder auf festen Grundlagen, nämlich
auf den in schweren Zeiten erprobten alten Kredit-
instituten, dem wiedererwachten Sparsinn und den
erfreulich anwachsenden Spareinlagen der Bevölkerung,
wie nicht minder auf dem wiedergewonnenen Ver-
trauen des ausländischen Kapitals. Was endlich‘ spe-
ziell die Österreichische Nationalbank anbelangt, so
zeigt ‚ihre Entwicklung eine seit der Gründung fast
ununterbrochen aufsteigende Linie. War Österreich
mit Hilfe des Völkerbundes der erste der in den
Krieg verwickelt gewesenen europäischen Staaten, der
sein Geldwesen wieder stabilisieren konnte, so kann
dieses Geldwesen dank der starken Stellung der
Österreichischen Nationalbank nach menschlicher
Voraussicht auch als ein dauernd gesichertes betrachtet
werden. Deshalb gestattet das Währungswesen Öster-
reichs, das in den ersten Jahren des Bestandes der
Republik einen der dunkelsten Punkte ihrer wirt-
schaftlichen Lage bildete, nunmehr wohl einen
durchaus hoffnungsfrohen Ausblick in ihre künftige
ökonomische Entwicklung.