Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

zen, die sich aus dem Besitz des Auslandes an in- 
ländischen Effekten und umgekehrt, sowie aus Effek- 
ten-Importen und -Fxporten ergeben, der Ertrag 
des Fremdenverkehrs, die Wanderbewegung, dann die 
Ergebnisse der aus dem internationalen Fisenbahn- und 
Schiffahrtsverkehr entspringenden finanziellen Beziehun- 
gen, der Ertrag inländischer Geschäftsbetriebe ausländi- 
scher Unternehmungen und die Einnahmen aus dem 
Transit. Dagegen bewirkt heute die erfreulicherweise 
mmer nochbestehende wirtschaftliche und kulturelle Ver- 
echtung unseres Landes mit den Nachfolgestaaten, 
laß einerseits seine Verkehrsbeziehungen zum Aus- 
jand bedeutend vielfältiger geworden, andererseits in 
der Größenordnung der einzelnen Elemente der 
Zahlungsbilanz beträchtliche Verschiebungen einge- 
treten sind. Heute kommt ohne Zweifel dem unsicht- 
baren Export (im engeren Sinne des Wortes), dem 
T’ransithandel, den Finkünften der Geldinstitute aus 
ihrer Vermittlerfunktion, die sie sich im großen Um- 
“ang über die Grenzen unseres Landes hinaus erhalten 
1aben, ferner dem Ertrag von Kapitalsanlagen im 
Ausland in den verschiedensten Formen unter den Posten 
der Zahlungsbilanz eine überwiegende Bedeutung zu; 
die Einkünfte aus der Teilnahme des Auslandes an 
den immateriellen Gütern unserer Volkswirtschaft, 
ferner auf Familienbeziehungen, Erbschaften, Ehe- 
schließungen usw. zurückzuführende Zahlungen, Renten 
und Pensionen dürften in ihrer Gesamtheit in der 
Zahlungsbilanz des heutigen Österreich eine belang- 
veiche Post darstellen, während sie im Verhältnis des 
Vorkriegs-Österreich zum Ausland vernachlässigt wer- 
den konnten. 
Bei einem diesen Erwägungen Rechnung tragenden 
Aufbau des Schemas der Zahlungsbilanz war es von 
vornherein klar, daß sichder Erfassung großer Gruppen 
von Wertübertragungen durch statistische Erhebungen 
öder durch einigermaßen stichhältige Schätzungen 
vielfach unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellen 
würden. Die Bücher, Statistiken und Erfahrungen der 
wirtschaftlichen Kreise bildeten nahezu unsere einzige 
Erkenntnisquelle.. Ihre Spitzenorganisationen- wurden 
denn auch zu werktätiger Mitarbeit herangezogen. 
Der Erfolg war trotz der dankenswerten Bemühungen 
dieser Organisationen sehr bescheiden. Zu den in der 
Materie begründeten Schwierigkeiten gesellte sich der 
Übelstand, daß in Österreich das Streben nach wirt- 
schaftlicher Sanierung zu äußerster Ökonomisierung 
auf jedem Gebiet, daher zu weitestgehender Personal- 
parung zwingt, das Ansinnen, Statistik zu treiben, 
die nicht unmittelbaren Betriebszwecken dient, daher 
begreiflicherweise manchenorts einer gewissen Passivi- 
'ät begegnete. 
Wie ein Blick auf die Ziffern der folgenden Zu- 
sammenstellung zeigt, muß denn auch das ziffernmäßige 
Ergebnis der Untersuchung als kärglich bezeichnet 
werden. Für wichtige „unsichtbare Posten” wie: Effek- 
ten- und Kreditbewegung, Vermittlergewinne der 
3Zanken, Ertrag von Kapitalsanlagen im Ausland 
yvaren erschöpfende Daten nicht zu erlangen. So- 
veit die einzelnen Gruppen. von Wertübertragun- 
zen nicht aus irgendwelchem Grunde in‘ Evidenz 
ımtlicher Stellen waren, beruhen die Ziffern größten- 
eils auf Schätzungen. Bei Würdigung der Schätzungs- 
ziffern ist zu beachten, daß die befragten Stellen 
ür die erteilten Auskünfte in der Regel keine 
Sewähr übernehmen zu können erklärten und auch 
Tehlergrenzen nicht bekanntgegeben werden konnten. 
Diese charakteristischen Schwierigkeiten methodi- 
cher Natur haben Dr. Hertz, der sich in der ärg- 
ten Krisenzeit mit dem vorliegenden Problem: aus- 
inandersetzte („Zahlungsbilanz und Lebensfähigkeit 
Ysterreichs”,. 1025), bewogen, einen neuen Weg einzu- 
Alagen. Er unternahm den interessanten Versuch, aus 
iner Kombination der Personaleinkommensteuerstatistik 
ler Vorkriegszeit mit jener Produktionsquote, die nach 
einer Berechnung auf das Gebiet des heutigen Öster- 
eichs entfällt, auf die österreichischen Kapitalsanlagen 
m Ausland zu schließen. Da auch diese Methode 
1aturgemäß, wie Dr. Hertz selbst zugibt, mit bedeu- 
enden Fehlerquellen behaftet ist und überdies Korrek- 
uren notwendig macht, die wieder nur auf Schätzungen 
‚eruhen, ist das Ergebnis wohl nicht höher zu werten. 
ıls eine direkte Schätzung. 
Für die künftige Entwicklung der Zahlungsbilanz- 
tatistik im allgemeinen bedeutet. es jedenfalls eine 
yemerkenswerte Förderung, daß der Völkerbund seit 
ahren darauf drängt, daß seine Mitglieder das Studium 
ler Zahlungsbilanz ihrer Länder „mit vollem Eifer 
‚erfolgen“. Je mehr Länder sich nun und je intensiver 
ie: sich der Zahlungsbilanzstatistik zuwenden wer- 
{en, desto mehr erleichtern sie sich wechselseitig 
hre Untersuchungen; denn ebenso, wie man 
lie Ausfuhrziffern, eines Landes durch die Import- 
üffern anderer Länder kontrollieren kann, würde 
lann eine solche Kontrolle und Ergänzung auch bei 
len übrigen Posten der Zahlungsbilanz ermöglicht. 
Nir dürfen uns aber keiner Täuschung darüber hin- 
zeben, daß auch einer künftigen Ausgestaltung der 
7ahlungsbilanzstatistik leider sehr enge Grenzen ge- 
etzt sein werden. Das komplizierte Finanzierungs- 
ınd Beteiligungswesen der Gegenwart und die damit 
;usammenhängende intensive Kredit- und sonstige 
Verflechtung ‚der verschiedenen nationalen Volks- 
virtschaften machen: die internationalen Wirtschafts- 
‚orgänge für den Statistiker immer undurchsichtiger 
ınd lassen kaum mehr erkennen, wie und in welchem 
Zeitpunkt sich diese Vorgänge auf die Zahlungsbilanz 
mswirken. Außerdem wird es auch bei fortgeschrittener 
Technik der Zahlungsbilanzstatistik immer eine Reihe 
‚on Elementen geben, die — obgleich für die Zahlungs- 
xilanz von einschneidender Bedeutung — zahlenmäßig 
ıicht festzustellen sein werden. Tatsächlich arbeitet 
ede Zahlungsbilanzstatistik, und zwar auch in 
ändern mit besserem statistischen Apparat als er
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.