Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

uns zur Verfügung steht, mit sogenannten Ausgleichs- 
(Korrektur-)posten, die die nicht feststellbaren Elemen- 
te zusammenfassen und deren Höhe geradezu über- 
rascht. 
Wenn man zum Beispiel in der amerikanischen 
Statistik einerseits die Ausfuhrüberschüsse anderer- 
seits die erwähnten „Ausgleichsposten“ gegenüberstellt. 
so haben betragen in Millionen Dollar 
die Ausfuhr- die Ausgleichs- 
überschüsse posten („nicht 
fundierte Posten“) 
{023 380 118 
1924 970 212 
1926 378 350 
Die amerikanische Statistik verwies zur Erklärung 
dieser Posten auf das Anwachsen der Auslands-Fin- 
lagen bei amerikanischen Banken, aber auch auf den 
Saldo, der sich aus Irrtümern und Auslassungen 
“errors and omissions) ergibt. Auch in der oben er- 
wähnten Statistik des Statistischen Reichsamtes finden 
sich solche Sammelposten, die folgende Bezeichnung 
tragen: „Nicht durch Schätzung zu erfassender Kapitals- 
verkehr, insbesondere Kapitalsrückkehr, sonstige Kredite 
und nicht besonders dargestellte Bewegung deut- 
scher Vermögensanlagen im Ausland und ausländi- 
scher Vermögensanlagen in Deutschland“, bzw.: „Nicht 
aufgliederbare Kapitalsbewegung“. Sie betragen in 
Millionen Reichsmark 
bei einem Saldo des 
\ußenhandels (ohne 
Reparationsverkehr) 
1024 1818 + 740 
19025 — 2452 + 2021 
1926 + 038 — 574 
[. Halbjahr 1927 1479 + 9041 
N. Die erzielten ziffermäßigen Daten. 
Die folgende Zusammenstellung der ziffermäßigen 
Ergebnisse unserer Untersuchung mußte — wie bereits 
angedeutet — ein Torso bleiben. Gerade jene Elemente 
der Bilanz, deren zahlenmäßiges Verhältnis zueinan- 
der den erwarteten Aufschluß über die Frage geben 
sollte, wie die Handelsbilanzpassiva der vergangenen 
Jahre gedeckt worden sind, blieben zum Teil ohne 
Ciffernansätze. Übrigens wurden, um die Beurteilung 
des Gesamtproblems durch eine übersichtliche Dar- 
stellung zu erleichtern, auch jene Positionen, die ent- 
sprechend der Struktur unserer Wirtschaftsbeziehun- 
gen zum Ausland in 'das Schema einer österreichischen 
Zahlungsbilanz eigentlich hineingehörten, dann in die 
Zusammenstellung nicht aufgenommen, wenn sich 
Summen ergeben hatten, die wegen ihrer verhältnis- 
mäßigen Geringfügigkeit für die Saldierung der 
Zahlungsbilanz belanglos sind; so die Saldi aus dem 
Post-, Telegraphen-, Telephon- und Radioverkehr, 
aus dem Versicherungsgeschäft, aus dem Reparatur- 
verkehr mit dem Ausland, aus dem Filmleihverkehr 
die Einnahmen aus dem Export elektrischer Energie. 
ferner staatliche Pensionen, die Kosten des diploma- 
tischen Außendienstes, bzw. die Einnahmen unserer 
Vertretungen im Ausland, endlich die Zahlungen des 
Bundes an das Ausland auf Grund diverser völker- 
rechtlicher Verpflichtungen. Weggelassen wurden 
weiters die bei der Post: „Austausch immaterieller 
Güter“ erzielten Teilergebnisse, da uns die hier be- 
kanntgegebenen, offensichtlich roh geschätzten Ziffern, 
abgesehen von ihrer Geringfügigkeit, die sie für die 
Saldierung der Zahlungsbilanz ebenfalls belanglos 
macht, unzuverlässig erschienen; es sind .dies zum 
Beispiel die Erträgnisse aus Gastspielen von Künst- 
lern und Theater-Ensembles, Bezüge von Schrift- 
stellern aus dem Ausland, Konzertaufführungs- 
Tantiemen usw. (Siehe gegenüberstehende Tabelle.‘ 
Bemerkungen zur Tabelle. 
Il. Warenhandel. 
Die Ziffern der Handelsstatistik geben den Wert 
der Warenein- und ausfuhr Frachtbasis Grenze an 
oder sollen ihn angeben. Der der Statistik zugrunde- 
gelegte Wert wurde bis zum Jahre 1025 als „durch- 
schnittlicher Handelswert“ amtlich ermittelt ; seit die- 
sem Jahre erfolgt die Bewertung auf Grund von 
Parteierklärungen. Sowohl infolge des Überganges zu 
der neuen Bewertungsmethode wie auch infolge des 
inkrafttretens des neuen Zolltarifs mit I. Jänner 1925 
— wegen seiner Zollerhöhungen wurden in den letz- 
ten Monaten 1924 die Einfuhr forciert, während sie 
in den ersten Monaten nach Inkrafttreten des Tarifs auf- 
fallend zurückging — mögen die Ergebnisse der Handels- 
statistik für jene Zeit nicht unanfechtbar gewesen sein. 
Diese Mängel sind aber heute zweifellos überwunden. 
Man darf sich also kaum damit trösten, daß die von der 
Statistik ausgewiesenen Handelsbilanzpassiva etwa in- 
olge Unterbewertung der Ausfuhr oder Überbewer- 
ung der Einfuhr zu hoch seien und einen Abstrich 
vertragen. Wir müssen vielmehr annehmen, daß 
zventuelle Fehlergrenzen auf Seite der Fin- und Aus- 
‚uhr gleichmäßig wirksam sind, und die ausgewiese- 
Jen Passiva wohl als eine gegebene Tatsache hin- 
nehmen. 
Eine Korrektur im Sinne einer Herabsetzung des 
ausgewiesenen Passivums ließe sich nur aus dem 
Titel des „unsichtbaren Exports“ (Export im Reisen- 
denverkehr, der von der Handelsstatistik nicht erfaßt 
wird) rechtfertigen. Diesem kommt in Österreich eine 
besondere Bedeutung zu, da sich die Erzeugnisse der 
österreichischen Geschmacks- und Luxusindustrie für 
die Mitnahme im Reisendenverkehr besonders eignen 
und daher auch vielfach Handelswaren den Weg des
	        
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