Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

unsichtbaren Exports gehen. Wie soll aber die Höhe 
dieses Exports mit einer absoluten Ziffer bestimmt 
werden? Einschlägige Erhebungsversuche waren er- 
folglos. Die Wertziffer des unsichtbaren Exports 
wird daher — in Übereinstimmung mit der allgemein 
üblichen Methode — bei den Einnahmen aus dem 
Fremdenverkehr . durch einen perzentuellen Zu- 
schlag zu den von ausländischen Reisenden in 
Österreich gemachten Ausgaben ermittelt (vergleiche 
die Bemerkungen zu Post 3 b) der Zusammenstellung). 
Ein- und. Ausfuhr von Edelmetallen. In 
der österreichischen Außenhandelsstatistik werden nur 
solche Sendungen von Go'!d und Silber (auch. Mün- 
zen) ausgewiesen, die sich als Handelsware und nicht 
als Zahlungsmittel darstellen. Der Edelmetallverkehr 
wurde daher‘ in der Zusammenstellung aus den Ge- 
;amtwertziffern der Warenein- und ausfuhr nicht ausge- 
schieden, im Gegensatz zu dem sonst in der Zahlungs- 
bilanzstatistik gepflogenen Gebrauch. Dieser ist 
darauf zurückzuführen, daß frühere Autoren in 
demjenigen Teil des Edelmetallverkehrs, der nicht 
zur industriellen Verarbeitung dient, eine ganze oder 
ceilweise Saldierung der Zahlungsbilanz sahen. Tat- 
sächlich sind aber unter den derzeit gegebenen Ver- 
hältnissen Maß und Richtung des valutarischen F.del- 
metallverkehrs von der Gestaltung der Zahlungsbilanz 
nicht derart unmittelbar und allein abhängig, daß es 
gerechtfertigt wäre, gerade in dieser Post etwa das 
Indizium für eine aktive oder passive Zahlungsbilanz 
zu erblicken, sie sind vielmehr unter anderem dadurch 
bedingt, ob die Gestaltung der Wechselkurse (Er- 
reichung des oberen oder unteren Goldpunktes) un- 
;er den jeweils gegebenen Verhältnissen — wozu auch 
allfällige Behinderungen der Freiheit des Goldverkehrs 
in der Weltwirtschaft gehören — von der Geschäfts- 
welt mehr oder weniger ausgenützt wird. Das 
gleiche gilt in gewissem Sinne auch von der 
Bewegung der zur Währungsdeckung verwendeten 
Devisen. 
Aus der Gebarung der Österreichischen 
Nationalbank ersichtlichhe Gold-Importeund 
-Fxporte. 
Importe Exporte 
“im Auslande angekauf- (einschließlich. der Gold- 
tes und der National- abgaben der National- 
jank von Goldarbitra- bank an KGoldarbitra- 
gzeuren eingeliefertes geure) 
Gold) 
‚n MilLlionen 
Schilling 
1923 28° 121 
1024 — 3'403 
1925 5038 07665 
1926 34'403 2'401 
10927 33'550 0042 
Anmerkung: In den Importen sind jene Golderwerbungen 
der Nationalbank nicht inbegriffen, die zu Einfuhren keinen 
Anlaß geben, weil das Gold im Ausland im Depot gelasser 
wurde, 
2. Kapitalverkehr. 
a) und b) An- und Verkauf von Wertpapie- 
ren, Erträgnisse von Wertpapieren. Während 
im Österreich der Vorkriegszeit die internationalen 
Effektenbesitzverhältnisse für die Zahlungsbilanz 
sine besondere Bedeutung hatten, sind im Verhältnis 
Neu-Österreichs zum Ausland — wenigstens in der 
»isher abgelaufenen Periode — die Saldi der Effekten- 
Jewegung von überwiegender Bedeutung. Dies ist 
larin begründet, daß einerseits ein großer Teil 
les Auslandsbesitzes an inländischen Wertpapieren, 
aber auch des Inlandsbesitzes an ausländischen 
Wertpapieren infolge der Währungskrisen mehr oder 
weniger entwertet war oder verschwindende KErträg- 
ıisse abwarf, andererseits — namentlich in den 
Jahren 10923 bis 1925 — außerordentliche Kursfluk- 
‘uationen umfangreiche spekulative An- und Ver- 
käufe aus- und inländischer Effekten zur Folge 
hatten. 
Zur Methode der Erhebungen sei bemerkt: Als ein- 
zige Erkenntnisquelle kamen die Bücher der Banken 
in Betracht, und zwar in erster Linie jene der dem 
Verband österreichischer Banken und Bankiers an- 
zehörigen Institute. Eine statistische Erfassung aus 
hren Büchern erwies sich num aus verschiedenen 
Gründen als undurchführbar und hätte aus folgenden 
Gründen die aufgewendete Mühe und Kosten nicht 
gelohnt. Auch wenn nämlich dieser Erhebungsapparat 
‚unktioniert hätte, hätte nur ein nicht bestimmbarer 
Teil der gesamten in Betracht kommenden Daten 
arfaßt werden können; denn I. ist ein Großteil der 
Cffekten (er wurde für 1923 auf zwei Drittel geschätzt) per 
Kasse umgesetzt worden, 2. entzog sich, was wieder 
‚ür 10923 besonders gilt, jener erhebliche Teil des in- 
‘ändischen Effektenbesitzes der Evidenz der öster- 
zeichischen Banken, der entweder in privater Ver- 
wahrung, in Schrankfächern oder bei ausländischen 
Banken gelegen ist; 3. kam es häufig vor, daß In- 
'änder, die bei ausländischen Banken Guthaben unter- 
hielten, durch diese einer inländischen Bank ihre 
Aufträge zu Effektentransaktionen zukommen ließen; 
so daß die Erhebungen bei den inländischen Banken 
über diese Transaktionen hinsichtlich des Wohnsitzes 
sin falsches Bild hätten ergeben müssen. Hiezu kommt, 
daß die aus den Büchern der Banken zu ersehenden 
Daten über Wohnsitz oder Staatszugehörigkeit er- 
rahrungsgemäß unzuverlässig sind. Aus allen diesen 
Gründen bezeichneten die Vertreter der Banken- 
vereinigungen auch eine — ernst zu nehmende — 
Schätzung der durch die Banken erfaßbaren Umsätze 
der der Gesamtumsätze als außer dem Bereich der 
Wöglichkeit liegend. 
Als Teilergebnis hat der Verband österreichischer 
Banken und Bankiers auf Grund seiner Erhebungen 
lie in der Tabelle unter 2 a), x) und ß) ausgewiesenen 
Jaten mitgeteilt.
	        
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