Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Als Anhaltspunkte für den Umfang der Effekten- 
bewegung gegenüber dem Ausland per saldo hat uns 
der Verband österreichischer Banken und Bankiers 
auf Grund der Kupondetachementlisten sowie der 
Depotstände der Banken folgende Daten zur Ver- 
fügung gestellt, freilich ohne für die Richtigkeit der 
Zahlen irgend eine Gewähr zu übernehmen, da es 
sich um Schätzungen handle, für die eine Fehlergrenze 
dicht angegeben werden könne: 
1922 1923 1024 1925 1926 
in Schillingen 
Inländischer Besitz an ausländischen Wertpapieren 
278,889.672 536,115.333 453,203.745 305,753.000 359,181.000 
Ausländischer Besitz an inländischen Wertpapieren 
50,026.220 468.037.850 308,801.754 272,154.000 372,947.000 
Die Mangelhaftigkeit der Ermittlungsmethode leuchtet 
sofort ein, wenn wir beachten, daß die Kapitalsbe- 
träge auf Grund der in den einzelnen Fälligkeits- 
terminen abgerechneten Zinsen ermittelt wurden, diese 
Termine über das ganze Jahr verstreut sind, anderer- 
seits während eines großen Teiles der Beobachtungs- 
deriode die Kurse sehr starken Fluktuationen unter- 
lagen, Die ermittelten Beträge stellen somit überhaupt 
keine gleichartigen, ohneweiters addierbaren Größen 
dar; damit ist der Wert der obigen Daten gekenn- 
zeichnet i 
©) Kredite. Für die Zahlungbilanz ist in erster 
-inie die Bewegung der langfristigen Kredite von 
Nteresse. Von ihnen können jene Kredite, die in 
Corm von Obligationen-Anleihen im Ausland emittiert 
Werden (Fmissionskredite), am leichtesten festgestellt 
werden, da die Tages- und Handelspresse hierüber 
3enügend Aufschlüsse gibt. Ihre Zunahme ist — wie an- 
zunehmen, in ziemlicher Vollständigkeit — aus der 
Zusammenstellung zu ersehen, und zwar getrennt 
nach folgenden Kreditunternehmern: a) Bund, 
b) Länder, Gemeinden und Privatunternehmungen. 
Eine Liste der einzelnen Kredite samt F.missionsdaten 
nthält der Anhang. Schwieriger als die Erfassung der 
Emissionskredite ist jene der anderen langfristigen Kre- 
dite, wie der Hypothekarkredite und der nicht titrierten 
Amortisationsdarlehen, da es hier schon an der ge- 
Jügenden Publizität fehlt. Doch dürften in Österreich 
derartige Kredite gegenüber den Emissionskrediten 
Nicht zu sehr ins Gewicht fallen. In der Beobachtungs- 
Periode beträgt die Gesamtzunahme der langfristigen 
Verschuldung 970 Millionen Schilling. Dieser Betrag 
jetzt sich zusammen aus jenem Teil der Völkerbund- 
anleihe, der unserer Wirtschaft in der Beobachtungs- 
Periode tatsächlich zugeflossen ist, d. i. der Betrag, 
der nach Abzug der zur Rückzahlung älterer Kredite 
verwendeten Summen übrig blieb (434 Millionen 
Schilling) und aus der Summe der übrigen, von Ländern, 
Vremeinden und Privatunternehmungen aufgenom- 
nenen Anleihen (536 Millionen Schilling). Im Jahres- 
lurchschnitt beträgt die Zunahme somit I90 Millionen 
Schilling. Diesem Aktivum stehen als Passivum der 
Zahlungsbilanz die für Zinsen und Tilgung veraus- 
‚abten Beträge, im Jahresdurchschnitt rund 160 Mil- 
jonen Schilling gegenüber, wovon etwa IIO Millionen 
Schilling auf den Schuldendienst des Bundes, der 
Zest auf Zinsen- und Tilgungsraten der übrigen 
Kreditnehmer entfallen. 
Die kurzfristigen Kredite gewinnen dann für 
lie Zahlungsbilanz erhöhtes Interesse, wenn der Saldo 
der von einer Volkswirtschaft hereingenommenen der- 
artigen Kredite durch einen längeren Zeitraum kon- 
inuierlich zunimmt, so daß mit ihrer Konversion in 
angfristige Schulden zu rechnen ist. 
Fine statistische Erfassung der kurzfristigen Verschul- 
Jung ist — übrigens ganz allgemein — technisch un- 
nöglich. Den einschlägigen nachstehend angeführten 
Jaten, die uns der Verband österreichischer Banken 
ınd Bankiers als „Summen der ausländischen Debitoren 
ınd Kreditoren am Schluß eines jeden Jahres der Be- 
»bachtungsperiode“ mitgeteilt hat, kommt denn auch 
ıur eine symptomatische Bedeutung zu. Sie erschöpfen 
1icht einmal. die durch die Bücher der Banken ge- 
gangenen derartigen Kredite. 
Ende 1922 Ende 1923 Ende 1924 Ende 1025 Fnde 1926 
in Schillingen 
Summe der ausländischen Debitoren 
336,208.285 304,872.541 340,885.506 465,027.000 535,173.000 
Summe der ausländischen Kreditoren 
286,869.879 376.604.277 504.103.785 480,145.000 685,236.000 
In diesen Daten sind die Verpflichtungsursachen 
ıcht auseinandergehalten; sie sind somit eine Art 
3ilanz der kurzfristigen Forderungen und Schulden 
der österreichischen Banken gegenüber dem Ausland 
5hne Unterscheidung von Verpflichtungs- 
iteln. Da darunter Kreditierungen aller Art, also 
ıauch etwa bei Warengeschäften und Wertpapier- 
ransaktionen enthalten sind, greifen sie zu einem 
mbestimmbaren Teil in bereits anderwärts ziffermäßig 
estgehaltenen Gruppen von Wertübertragungen (zum 
3eispiel Handelsbilanz) hinüber. Der Wert dieser 
Jaten ist somit ebenfalls sehr problematisch. 
Die unter 2c) ausgewiesenen Ziffern über Zinsen- 
ingänge und Zinsenhinauszahlungen könnten nur 
nit den Kreditumsätzen korrespondieren, die nicht 
ırhoben werden konnten. Die Höhe dieser Zinsen 
;teht demnach in keinem Verhältnis zu den nach 
Stichtagen ausgewiesenen Ständen der ausländischen 
Kreditoren und Debitoren. 
Bemerkenswerter als das eben besprochene Er- 
vebungsresultat ist das Urteil von Bankfachmännern, 
lie die Zunahme der kurzfristigen Verschuldung per 
ialdo in dem Zeitraum 1023-1027 auf rund 80 bis
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.