100 Millionen Dollar schätzen. Dieser Summe ist
aber die im gleichen Zeitraum erfolgte Zunahme der
sichtbaren Auslandsforderungen der Österreichischen
Nationalbank gegenüber zu halten, zuzüglich der Ver-
mehrung des Goldschatzes, die ja nur durch Konver-
sion aus Golddevisen entstanden ist. Diese Zuwächse
übersteigen beträchtlich die angenommene Zunahme
der kurzfristigen Auslandsverschuldung unserer Wirt-
schaft (vergleiche die unten beigefügte Übersicht). Es
ist daher richtig, wenn wir die kurzfristige Verschul-
dung bei der Saldierung überhaupt nicht berück-
sichtigen.
Die kurzfristige Verschuldung wurde nur zum
Teil durch eigene Bedürfnisse der österreichischen
Volkswirtschaft verursacht, ein Teil dieser Gelder wurde
an Kreditnehmer in den östlichen Nachbarländern
weitergegeben. Es ergibt sich daher aus dem Titel
der gegenseitigen kurzfristigen Verschuldung an das
Ausland auch kaum ein nennenswerter Zinsensaldo zu
Lasten Österreichs.
Veränderungen im Besitzstande der Öster-
reichischen Nationalbank an zur Währungs-
deckung verwendeten Devisen.
Zuwachs
1923
1924 * 03,841.593'27
1925 81,308.789'20
1926 60,087.529'37
{027 26,062.055'52
Stand am 31. Dez.
S 383,213.229‘38
» 477,054.8 22'065
„ 588,303.6 1185
„ 627,45114 122
„ 653,413.106'74
d) Kapitalsabwanderung und -zuwande-
rung. Auch diese Daten sind unvollständig. Keine
Anhaltspunkte ergeben sich für die von Auswande-
rern mitgenommenen Geldbeträge. Auch über die
Höhe der von den Auswanderern an ausländische
Transportunternehmungen als Reisekosten gezahlten
Beträge fehlen präzise Angaben, zumal ein großer
Teil der Auswanderer nicht auf eigene Kosten
reist. Die Geldheimsendungen von Auswanderern
erfolgten auf verschiedenen Wegen, hauptsächlich in
Geldbriefen oder durch bankmäßige Überweisung,
Welche Summen in Briefen in die Heimat gesendet
werden, entzieht sich jeder Berechnung oder Schät-
zung; doch sollen die auf diesem Wege beförderten
Beträge nicht unbedeutend sein. Was die bankmäßige
Überweisung betrifft, wurden die vor dem Krieg
eingelangten Auswandererrimessen pro Jahr auf zirka
400 Millionen Goldkronen geschätzt, wovon freilich
der größte Teil für Empfänger in den slawischen
Provinzen, in Ungarn und Rumänien bestimmt war.
Für die Jahre 1923-1926 werden von den in Betracht
kommenden Banken als für die österreichische Zahlungs-
bilanz in Frage kommende Geldheimsendungen die unter
2d), «) angeführten Beträge angegeben. Dabei ist aber
zu beachten, daß auch die— besonders in den Jahren
1923 und 1924 — von den Banken per Kassa an-
gekauften, also nicht auf sie gezogenen -amerikani-
schen Schecks, deren Höhe nicht feststellbar war
eine wichtige Rolle spielten und als weiteres beträch-
liches Aktivum für unsere Zahlungsbilanz in Betracht
kämen.
Die in der Tabelle ausgewiesenen Ziffern stellen
daher jedenfalls nur einen Bruchteil dieser Post deı
Zahlungsbilanz dar. Eine nicht kontrollierbare Schät-
zung der Auswandererrimessen lauten auf 30—40
Millionen Schilling im Durchschnitt der letzten Jahre.
Die amerikanische Statistik beziffert die Auswanderer-
überweisungen nach Österreich für 1927 mit 3 Mil-
lionen Dollar. Der kontinentalen Wanderung:
insbesondere den sogenanten „Saisonwanderern“
kommt eine verschwindende Bedeutung zu; ebenso
den durchreisenden Auswanderern, deren Einfluß
auf die Zahlungsbilanz übrigens nach dem von uns
gewählten Schema richtiger bei der Post „Fremden
verkehr“ zu berücksichtigen wäre.
3. Dienstleistungen.
a) Transitverkehr der Bahnen und Netto-
einnahmen aus dem Auslandsverkehr deı
Schiffahrt. Die den Bahnverkehr betreffenden Ziffern
stellen die "Transporteinnahmen der inländischen
Bahnen‘ aus der Warendurchfuhr dar und beruhen
auf Angaben der Bundesbahnen. Im Jahre 1922 war
der prozentuelle Anteil der Warendurchfuhr an dem
gesamten Frachtenverdienst der Bundesbahnen und
der ehemaligen Südbahn durch Erhebungen ermittelt
worden. Für die Jahre 1923 und 1924 wurden nun die aus
der Warendurchfuhr erzielten Einnahmen aus dem
Gesamtfrachtverdienst dieser Jahre durch Berücksich-
gung der Verschiebung ermittelt, die der für 1022
‘estgestellte prozentuelle Anteil in den Jahren 1923
und 1924 erfahren hat. Für das Jahr 1025 standen
len Bundesbahnen die Ergebnisse einer besonderen
Jurchfuhrstatistik zur Verfügung. Da diese aus Er-
sparungsrücksichten in den folgenden Jahren nicht
nehr geführt wurde, wurden die Transiteinnahmen
der folgenden Jahre durch Kombinationen aus der
Gesamtzahl der im Durchzugsverkehr beförderten
Eisenbahnwagen und aus den Angaben der Handels-
statistik über die nicht gebrochene Durchfuhr errechnet.
Jie Einnahmen aus dem Durchzugsgüterverkebhr
stellten im Jahre 1925 20°7°%, im Jahre 1926 23'3%
und im Jahre 10927 21'7°% der gesamten Frachtein-
nahmen der Bundesbahnen dar. Die Daten über die
Nettoeinnahmen der Schiffahrt aus dem Auslands-
verkehr beruhen auf Angaben der in Betracht kom-
menden Schiffahrtsgesellschaften.
Bemerkenswert ist, wenn man die ausgewiesenen
absoluten Einnahmeziffern vergleicht, das starke An-
steigen dieser Aktivpost der Zahlungsbilanz im Ver-
‚aufe der Beobachtungsperiode.