Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Theresien-Taler, die sogenannten Levantiner Taler, 
in Silber ausgemünzt. ; 
Die technische Ausgestaltung des Hauptmünzamtes 
erlaubt es, die umfangreichen Prägungen in kürzester 
Zeit auszuführen. So wurden an Münzen der Kronen- 
währung von 1892 bis 10923 mehr als 2‘5 Milliarden 
und an Münzen der Schillingwährung seit dem Jahre 
1923 über 300 Millionen Stück ausgeprägt, wobei 
eine Jahreshöchstleistung von 342 Millionen Stück 
Münzen: erreicht wurde. Als letzte Münze wurde im 
Hauptmünzamt der Doppelschilling geprägt, mit 
dem Österreich seinem großen Sohne Schubert 
eine Huldigung darbrachte. 
Das dem Münzwesen so nahverwandte Gebiet 
der Medaillenprägung wurde im Hauptmünzamı 
seit Jahrhunderten besonders gepflegt und dabei 
schönste Erfolge erzielt. Die besten österreichischen 
Stempelschneider und Medailleure, wie Donner, 
Scharff, Tautenhayn, um nur einige zu nennen, 
haben an der Wiener Münze gewirkt und ihnen ist 
es wohl in erster Linie zu verdanken, daß die 
Österreichische Medaillenkunst die nunmehrige Höhe 
erreichte. Zur Förderung und Verbreitung dieses 
Kunstzweiges hat das Hauptmünzamt einen Verla g 
für Medaillen und Plaketten geschaffen, in 
welchem die besten Arbeiten‘ unserer heimischen 
Künstler, derzeit über 300, Aufnahme und Ver- 
wertung finden. 
Zu den Münzen- und Medaillenprägungen, die 
sinerseits fiskalischen, andererseits künstlerischen Mo- 
nenten. dienen, gesellt sich als dritter Betriebszweig 
jener, der den wirtschaftlichen Bedürfnissen der 
Adelmetall verarbeitenden Gewerbe Rechnung trägt. 
Seit dem Bestehen der Münzstätten waren diese stets 
als besonders vertrauenswürdige Stellen berufen, 
Zdelmetall anzukaufen oder edelmetallhältige Legie- 
:ungen zur Scheidung zu übernehmen. Auch heute 
übernimmt das Hauptmünzamt noch beträchtliche 
Mengen Edelmetall, sowohl käuflich als auch zur 
alektrischen Scheidung, nur hat dieser Zweig seiner 
Betätigung in den letzten Jahren durch die Aufnahme 
der Erzeugung von sogenannten Halbfabrikaten 
jür gewerbliche und zahntechnische Zwecke eine 
wesentliche Erweiterung erfahren. 
Bezüglich der wirtschaftlichen Seite des Münzbe- 
rriebes sei kurz bemerkt, daß auch hier in den 
etzten Jahren eine durchgreifende Änderung statt- 
gefunden hat, indem er nunmehr nach kaufmännischen 
Grundsätzen geleitet wird. 
Obwohl das Münzwesen im Grunde genommen 
zu den konservativen Unternehmungen des Staates 
zu zählen ist, hat das österreichische Hauptmünzamt 
doch den Erfordernissen der Zeit stets Rechnung 
getragen und ist dadurch ein moderner Betrieb 
geworden, der mit Stolz auf die Leistungen während 
zeines 700 jährigen Bestandes zurückblicken kann. 
Das Hauptmünzamt in Wien
	        
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