Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

oder aber Schweine längstens 48 Stunden nach dem 
am Wiener Markte erfolgten Verkaufe verenden. 
Schließlich seien noch die Bestrebungen einer größe- 
ven Gruppe in Österreich arbeitender Transportver- 
sicherungsgesellschaften zur Schaffung eines österreichi- 
schen Luftpools erwähnt,. der die Möglichkeit einer 
Versicherungsdeckung von Tlugfahrzeugen im Inlande 
schaffen will. Der Betrieb der Fahrraddiebstahlversi- 
cherung, bei der im allgemeinen Naturalersatz erfolgen 
soll, dürfte noch im Laufe dieses Jahres von einer 
Versicherungsgesellschaft aufgenommen werden. F’erner 
sei noch eines der jüngsten Zweige der Vermögens- 
schadensversicherung, nämlich der Kreditversicherung, 
die zu den vielgestaltigsten und technisch schwierig- 
sten: Versicherungszweigen gchört, Erwähnung getan. 
Daß hier ein Versicherungsbedürfnis hesteht, kann 
gewiß nicht bezweifelt werden. Besonders die letzten 
Jahre sind reich an Gründungen von Kreditversiche- 
rungsanstalten in den verschiedensten. Staaten Kuro- 
pas. Der in Österreich im Jahre 1020 aufgetauchte 
Plan der Gründung einer eigenen österreichischen 
Kreditversicherungs A. G. zwecks Betriebes der Kre- 
dit- und Garantieversicherung mit einem Aktienkapital 
von 5 Millionen Schilling, an welcher Gründung sich 
neben einer Reihe von Versicherungsgesellschaften 
auch Banken sowie die Versicherungsinteressenten 
unter Vermittlung ihrer Spitzen-Organisationen be- 
teiligen sollten, hat leider noch keine Verwirklichung 
gefunden. Nach den Ergebnissen der 1928 in Paris 
tagenden internationalen Kreditversicherungs-Konferenz 
ist wohl anzunehmen, daß in Österreich die Kredit- 
versicherung, die bisher schon neben dem normaler: 
Bankgeschäfte von einer Wiener Bank betrieben 
wurde, von dieser nunmehr intensiver ge- 
pflegt werden soll. Eine gut organisierte, vorsichtig 
arbeitende und in ein internationales Kreditversiche- 
rungsnetz eingefügte Kreditversicherung wird der 
heimischen Wirtschaft wertvolle Dienste leisten können, 
indem sie durch Sicherung und leichtere Verschaffung 
von Krediten mittelbar ein Werkzeug zur Förderung 
von Produktion, Innenhandel und I.xport werden kann. 
Kndlich sei noch ein Problem erwähnt, welches in 
der letzten Zeit die Versicherungswelt außerordentlich 
lebhaft beschäftigt. Ks ist dies die hauptsächlich‘ die 
l’euerversicherung tangierende Frage der Neuwert- 
versicherung bzw. der sogenannten Reinstatement- 
oder Remplacement- Versicherung (auch Differenz-Ver- 
sicherung genannt), welche darauf abzielt, daß deı 
Versicherungsnehmer im Schadensfalle nicht den 
Zeitwert, sondern den Neuwert ersetzt erhalten soll. 
So einfach, wie es sich manche Versicherungsnehmer- 
kreise vorstellen, daß nämlich gegen einen mäßigen 
Prämienzuschlag zur Feuerversicherungsprämie auf die 
Geltendmachung des Unterschiedes neu zu alt ver- 
zichtet wird, kann natürlich das Problem nicht gelöst 
werden. Im Deutschen Reiche geht die Entwicklung 
dahin, daß man trachtet, das hier bestehende Ver- 
sicherungsbedürfnis entweder durch eine in ihrem 
echnischen Aufbau der Lebensversicherung ähnliche 
5achlebensversicherung (Haus-, Maschinen-Lebensver- 
jicherung) zu befriedigen oder aber eine Neuwert- 
Urgänzungsversicherung in der Weise zu leisten, daß 
'm Versicherungsfalle der Versicherer dem Versiche- 
‘ungsnehmer cin zinsenfreies, in zehn Jahren tilgbares 
Darlehen bis zur Höhe des Unterschiedes zwischen 
alt und neu zu gewähren hat, wobei Voraussetzung 
ist, daß die hestimmungsgemäße Verwendung des 
Geldes zur Wiederherstellung gesichert ist. Von ver- 
schiedener Seite wurde die Meinung vertreten, daß 
liese Neuwertversicherung überhaupt gesetzwidrig 
väre, weil sie zu einer zufolge Versicherungs-Vertrags- 
Gesetz nicht zulässigen Bereicherung des Versicherungs- 
1ehmers führen würde. Wenn auch diese Meinung 
wohl nicht stichhältig ist, sei es doch dahingestellt, ob 
28 jetzt, wo in der Veuerversicherung noch immer 
+Abnormale Verhältnisse herrschen, am Platze wäre; 
die Neuwertversicherung auch in Österreich einzu- 
ühren. Daß eine solche, schon wegen der Möglich- 
xeit einer ungünstigen Beeinflussung des subjektiven 
Tisikos, ganz besondere Kautelen erheischen würde. 
‚ersteht sich von selbst. 
Im nachstehenden sei nun ein kurzer Überblick 
über die Art, Anzahl und die Kapitalsausrüstung der 
in Österreich tätigen Versicherungsanstalten gegeben: 
Die Schadensversicherung wird außer von reinen 
Schadensversicherungsgesellschaften auch von einer 
großen Anzahl sogenannter gemischter, sowohl die 
Lebens- als Schadensversicherung betreibenden Ge- 
zellschaften gepflegt. 
Da nach den seinerzeitigen Regulativbestimmungen 
der gleichzeitige Betrich der Lebens- und Schadens- 
versicherung nicht gestattet wurde, gab es in der 
Vorkriegszeit nur jene wenigen gemischten Anstalten, 
lie in dieser Form bereits vor Inkrafttreten des ersten 
Versicherungs-Regulativs vom Jahre 1880 be- 
standen hatten. Erst «die Neufassung des Ver- 
jicherungs-Regulativs aus dem Jahre 1021 hat das 
arundsätzliche Verbot des gemischten Versicherungs- 
vetriebes beseitigt und lediglich die Zulassung zu 
änem solchen an gewisse Voraussetzungen geknüpft. 
50 sind ‚dann in der Nachkriegszeit noch mehrere 
Lebensversicherungsgesellschaften zum gemischten Be- 
riebe übergegangen, wobei einerseits die Frwägung 
naßgehend war, den bestehenden OÖrganisations- 
ıpparat möglichst intensiv ausnützen zu können, 
ındererseits auch der Umstand eine Rolle spielte, daß 
ei verschiedenen Lebensversicherungsanstalten innige 
Zeziehungen zu Schadensversicherungsanstalten (Schwe- 
:ter- und Tochtergesellschaften) bestanden, die durch 
Zeteiligungen am Geschäfte im Rückversicherungswege 
ne weitere Vertiefung erfahren sollten. In diesem 
“usammenhange sei auch erwähnt, daß viele Flementar- 
‚ersicherer, die früher gewissermaßen als Spezial- 
ınstalten sich nur mit einem oder einigen wenigen
	        
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