schaft einen außerordentlich schwierigen, durch die
ı1euen Verhältnisse veranlaßten Umwandlungsprozeß
durchzumachen hat, dem auch krisenhafte Erscheinungen
licht ferngeblieben sind. Es konnte aber anderseits
doch auch ersehen werden, daß die außerordentliche
Tüchtigkeit und Produktionskraft der österreichischen
Landwirtschaft diesen Umwandlungsprozeß, wenn ihr
aur die entsprechende Unterstützung und Förderung
weiter zuteil wird, glücklich zu Ende führen wird.
Aus den Resultaten der niederösterreichischen Buch-
stelle im Jahre 1926 ist zu ersehen, daß in den
bäuerlichen Betrieben nur eine sehr niedrige, etwa
3°%ige Verzinsung des Anlagekapitals nebst Arbeits-
lohn erzielt werden konnte. Im Jahre 1927 war aber
bereits eine bankmäßige Verzinsung des Anlagekapitals
möglich. Aus den Ergebnissen dieser Buchstellen war
auch zu ersehen, daß in Oesterreich, das wie die
Schweiz ein ausgesprochenes Bauernland ist, der
bäuerliche Betrieb, sowohl an Intensität der Betriebs-
ührung als auch in bezug auf die Quote der Markt-
produktion den Großbetrich übertrifft. Hervorgehoben
maß werden, daß diese verhältnismäßig günstigen
Resultate in unserer Gebirgswirtschaft nicht erzielt
werden konnten, daß hier vielmehr eine Krise besteht,
die zu einer fortwährenden Aufzehrung des Betriebs-
kapitals führt. Es müssen daher hier ganz besondere
Maßnahmen zur Rettung dieses so wertvollen Teiles
der österreichischen Landwirtschaft ergriffen werden.
Insbesondere werden Maßnahmen zur Besserung der
Absatzverhältnisse zu schaffen sein, wenn auch seitens
der landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften in dieser
Yinsicht schon bisher manches vorgekehrt wurde. In
erster Linie wird hier mit der Schaffung von Vieh-
verwertungsorganisationen vorzugehen sein. An solchen
tehlt es leider derzeit noch in Oesterreich, da die
glücklichen Ansätze aus der Vorkriegszeit durch den
Krieg und die Zwangswirtschaft nahezu völlig zer-
Stört worden sind. Wenn auch die Viehverwertung
Mmer ein sehr schwieriges Problem sein wird, so
steht doch andererseits außer Frage; daß sie nur mit
Hilfe einer entsprechenden Organisation, die Produ-
zenten und Konsumenten möglichst annähert, gelöst
werden kann. Die landwirtschaftlichen Hauptkörper-
schaften bemühen sich jedenfalls sehr, auch das
Problem der Viehverwertung in Bälde einer befriedi-
senden Lösung zuzuführen.
Leider stellen sich diesen sowie den übrigen Be-
Nühungen der landwirtschaftlichen Hauptkörper-
schaften deshalb noch besondere Hindernisse entgegen,
weil es bisher nicht gelungen ist, das schon so lange
angestrebte Bundeskulturförderungsgesetz zu
schaffen. Durch dieses Gesetz sollen den landwirt-
schaftlichen Hauptkörperschaften durch eine Reihe
von Jahren entsprechende Geldmittel aus dem Bundes-
budget zur Weiterführung und Ausdehnung aller
Kultur fördernden Aktionen derart zur Verfügung
gestellt werden, daß nach Aufteilung dieser Mittel
uf die einzelnen Bundesländer innerhalb derselben
lie Fondsbildung, das ist die Reservierung der nicht
ermingemäß verbrauchten Geldmittel, sowie ein Re-
irement hinsichtlich der Verwendungszwecke dieser
Zeldmittel ermöglicht wäre. Erst wenn die landwirt-
chaftlichen Hauptkörperschaften auf diese Weise: den
'ntsprechenden finanziellen Rückhalt haben werden,
vird ihre segensreiche Tätigkeit jenes Ausmaß an-
ı1ehmen und jene Erfolge erzielen können, «die zur
rollen Entwicklung unserer Landwirtschaft notwendig
ind.
Zur planmäßigen Durchführung der verschiedenen
Culturförderungsaktionen wird übrigens auch noch
hestens eine Zählung der land- und forstwirtschaft-
ichen Betriebe Oesterreichs unter Erhebung aller
‚clevanten Verhältnisse und Betriebsmerkmale durch-
‚eführt werden müssen. Im neuen Oesterreich ist
ämlich bisher — abgesehen von einer Viehzählung —
ine solche Zählung nicht vorgenommen worden. Da
ıunmehr über Anregung des Internationalen land-
virtschaftlichen Institutes in R om mit 31. Dezember 1030
ne solche Betriebszählung gleichzeitig in allen, dem
nstitut angehörigen Staaten vorgenommen werden
‚oll, so wird wohl auch in Oesterreich zu dem gleichen
Termin die so notwendige Betriebszählung durch-
zeführt werden. Die Ergebnisse der Betriebszählung
verden namentlich in Verbindung mit den Ergeb-
ıssen unserer Buchstellen nicht nur ein detailliertes
ınd zuverlässiges Bild von der Lage unserer Land-
ınd Forstwirtschaft bieten, sondern auch genau die
Srundlagen aufzeigen, auf welchen die Weiterent-
vicklung der Land- und Forstwirtschaft erfolgen kann.
Mit dem allmählichen Wiederaufbau hat auch
wieder die Veranstaltung von Ausstellungen einge-
jetzt, die an Größe, Bedeutung und Interesse immer
mehr und mehr zunehmen und heute bereits ent-
ı1ehmen lassen, daß die österreichische Landwirtschaft
ich mit jeder anderen europäischen Landwirtschaft
‚ergleichen kann. Nebst den verschiedenen Landesaus-
;tellungen ist es vor allem die landwirtschaftliche Ab-
eilung der regelmäßig zweimal, und zwar im Frühjahr
ınd Herbst stattfindenden Wiener Messe, auf der die
etzten Fortschritte der österreichischen Landwirtschaft
‚eweils aufgezeigt werden und bei der unserer Volks-
wirtschaft, insbesondere auch den Konsumenten ein
iberzeugender Beweis erbracht wird, daß die öster-
‚eichische Land- und Forstwirtschaft sich immer mehr
ınd mehr rationalisiert und den modernen Bedürf-
ıissen der Wirtschaft und des Konsums vollkommen
anpaßt.
Bei dieser ganzen Sachlage ist es selbstverständlich,
laß die Entwicklung der österreichischen Land- und
Forstwirtschaft auch im Auslande beachtet wurde. In
lieser Hinsicht kann in erster Linie auf die Er-
ı1ebungen verwiesen werden, die vor einigen Jahren
der Völkerbund durch die Wirtschaftsexperten Lay-
on und Rist über die wirtschaftlichen Lebensmög-
Pr?