Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

gekommen schien die Weiterzucht dieser renom- 
mierten Gestütsschläge ernstlich in Frage gestellt. 
Doch wurden diese Schwierigkeiten überwunden 
und es kann nunmehr wohl behauptet werden, 
daß die Gestüte schon heute gegenüber dem 
Vorkriegsstand in der Qualität der Pferde einen 
Fortschritt aufzuweisen haben. Die in Piber her- 
angezüchteten Lipizzaner dienen insbesonders 
auch als Nachwuchs für die weltbekannte Spa- 
nische Reitschule, welche durch ihre in den 
letzten Jahren in Berlin, Aachen und Lon- 
don absolvierten Gastspiele, vor allem aber 
wegen der auffallenden Schönheit der Pferde 
geradezu sensationelle Erfolge erzielte. An dieser 
Stelle muß auch der Zucht der kleinen Pferde 
gedacht werden, welche in den letzten Jahren 
an Ausbreitung gewinnt. So ist es insbesondere 
gelungen, das als Gebirgspferd rühmlichst be- 
xannte und beliebte Haflingerpferd in Oester- 
eich immer mehr einzubürgern und hiefür eigene 
Zuchtgebiete zu schaffen, in welchen sich ebenso wie 
n einigen Privatgestüten die Zucht bereits auf vollster 
Jöhe befindet. Es erübrigt noch, die heimische 
P’raberzucht sowie die englische Vollblut- 
;ucht anzuführen, welche Zweige der Pferdezucht 
rotz aller Ungunst der Verhältnisse heute eine 
ıchtunggebietende Stellung erreicht haben. Dem 
erdesport kommt in Wien sowie teilweise auch in 
ler Provinz infolge seiner vielseitigen Beziehungen 
um Erwerbs- und Wirtschaftsleben eine große Be- 
leutung zu, welche eine weiter ansteigende Entwick- 
ung wünschenswert und deren Förderung als geboten 
xrscheinen läßt. 
Mit Rücksicht auf die in Oesterreich hinsichtlich 
ler Fleischversorgung obwaltenden besonders schwie- 
igen Verhältnisse kommt der Schweinezucht die 
yrößte Bedeutung zu und es ist daher mit Befriedi- 
zung zu begrüßen, daß sich auch dieser Produktions- 
weig bisher mit bestem Erfolge entwickelt hat. Wenn 
such zahlenmäßig der Vorkriegsstand noch nicht 
reicht sein dürfte, so ist doch vom züchterischen 
ınd wirtschaftlichen Standpunkte aus die gegenwärtige 
intwicklungsstufe wesentlich höher einzuschätzen. Es 
st dies in der bedeutenden Qualitätsverbesserung der 
Zuchttiere begründet, die in vielen Bundesgebieten 
ine absolut hohe Stufe erreicht hat. Hiebei ist die 
"eststellung von Wichtigkeit, daß in vielen Alpen- 
zegenden, in welchen bislang von einer richtigen 
5chweinezucht kaum gesprochen werden konnte, son- 
lern mehr eine primitive Schweinehaltung bestand, die 
Jinheitlichkeit und Güte des Zuchtmateriales selbst 
1öheren Ansprüchen gerecht zu werden vermag. In 
len eigentlichen alpinen Gebieten findet das ver- 
;delte deutsche Landschwein immer größere Ver- 
reitung, im Flachland steht es im Wettbewerb mit 
dem deutschen Edelschwein und in Niederösterreich 
such mit der weißen englischen Yorkshire-Rasse. Die 
Haflinger Hengst 
der wertvollsten ist. Das norische Pferd ist ein aus- 
zezeichnetes Wirtschaftspferd und im allgemeinen ein 
ınübertreffliches, gesundes und genügsames Last- 
»ferd. An der Verbesserung der Zucht dieses Pferdes 
wurde besonders in der Nachkriegszeit in der inten- 
;zivsten Weise gearbeitet und durch eine gewissen- 
aafte Auswahl der Stuten sowie durch die zumeist 
durch den Bund erfolgte Beistellung vorzüglicher Be- 
schälhengste im allgemeinen eine weitgehende Aus- 
geglichenheit, harmonischere Formen und besseres 
P’emperament erzielt. Auf diese Weise wurde während 
des letzten Jahrzehntes die Typisierung dieser vor- 
züglichen Pferderasse mit bestem Erfolge eingeleitet, 
welche in absehbarer Zeit gewiß zu der unbedingt 
notwendigen vollen Einheitlichkeit führen wird. Als 
Landespferdezucht wird ferner die Zucht des warm- 
olütigen Pferdes in Oesterreich betrieben, welche trotz 
der Ungunst der Verhältnisse eine günstige Entwick- 
lung aufweist. Diese Zuchtrichtung beschränkt sich 
auf einige Teile von Nieder- und Oberösterreich, des 
Burgenlandes und von Kärnten, in welchen Gebieten 
vor allem die aus den Bundesgestüten hervorgegan- 
genen Hengste zur Zucht verwendet werden. Es wird 
die Absicht verfolgt, in den einzelnen Gebieten ein- 
heitliche Schläge heranzuzüchten, um so das jeweils 
10twendige Material für den Inlandsbedarf zur Ver- 
ügung zu haben. 
Oesterreich verfügt über die beiden Bundesgestüte 
Wieselburg a. d. Erlauf und Piber. Im ersteren 
werden die englischen Halbblutstämme Furioso, 
Przedswit und Nonius aus dem ehemaligen Radautzer 
Gestüt und in Piber der gleichfalls aus Radautz ge- 
kommene angloarabische Gestütsschlag Gidran sowie 
die Pferde des ehemals kaiserlichen Hofgestütes Li- 
dvizza weitergezüchtet. Die Pferde dieser Gestüte kamen 
aus gänzlich verschieden gearteten Gegenden inmitten 
des Krieges. Durch die Schwierigkeiten der Akkli- 
matisation und der jahrelangen Futternot sowie in- 
folge bösartiger Krankheiten gefährdet und herab- 
Phot. Keller, Wier
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.