Hohenauer Zuckerfabrik ihren Betrieb. Auch diese Fabrik
st eine gemischte mit vollständiger Raffinationseinrich-
ung. 1902 nahm die Zuckerfabrik Leopoldsdorf im
Marchfeld die Rübenverarbeitung auf. Sie wurde zunächst
ıls Rohzuckerfabrik errichtet. Als aber nach dem Umsturz
ür Rohzucker kein richtiger Absatz im Inland vorhanden
war und es sich darum handelte, verbrauchsfertige Ware
auf den Markt zu bringen, wurde die Fabrik durch An-
gliederung einer Raffinationsabteilung auf vollständige
Weißarbeit umgestellt. Im Jahre 1900 kam die jüngste
der in Oesterreich tätigen Zuckerfabriken, nämlich die
"abrik in Bruck an der Leitha, in Betrieb. Sie war ur-
sprünglich auf die Erzeugung von Roh-, Sand- und Pile-
zucker eingerichtet, wurde aber nach dem Kriege mit
aner vollständigen Raffinationseinrichtung versehen und
ist nunmehr eine auf das modernste ausgestattete gemischte
Fabrik. Nach dem Umsturz wurde eine siebente Zucker-
fabrik gebaut, und zwar die Erste oberösterreichische
Bauernzuckerfabrik in Suben. Sie machte 1920/21 ihre
erste Kampagne, fiel aber finanziellen Schwierigkeiten
zum Opfer und konnte das Betriebsjahr 1925/26 nur
nehr unter den größten Schwierigkeiten durchführen.
Das Ende der Zuckerfabrik Suben war um so mehr zu
bedauern, als eine größere Pflege des Hackfruchtbaues
für die oberösterreichische Landwirtschaft von unschätz-
barem Werte wäre. Darum ist es sehr zu begrüßen, daß
in der nächsten Kampagne 1920/30 eine kapitalkräftige
Gruppe bei Enns eine neue Zuckerfabrik in Betrieb
setzen und damit Gelegenheit bieten wird, daß in Ober-
österreich Rübe gebaut werden kann, ohne daß sie bei
der Lieferung an entlegene Zuckerfabriken mit hoher
"racht belastet würde.
Als im Herbst 1918 die Republik Deutschösterreich
zegründet wurde, pochte auch hinsichtlich der Zucker-
°rzeugung die Not an die Pforten. Zu Deutschösterreich
kamen nur die vier niederösterreichischen Zuckerfabriken
Bruck, Dürnkrut, Hohenau und Leopoldsdorf) und selbst
leren durchschnittliche Friedenserzeugung (473.000 q
Rohzucker) hätte bei weitem nicht ausgereicht, den Ver-
brauch, der bei aller notwendigen Drosselung durch‘ die
Kriegswirtschaft immer noch rund 1,370.000 q Rohzucker-
wert betrug, zu decken. Da jedoch die Erzeugung der
hliederösterreichischen Fabriken im Betriebsjahre 1918/19
auf 82,655 q Rohzuckerwert zurückgegangen war, mußte
weitaus der größte Teil des inländischen Bedarfes durch
Rinfuhr aus der Tschechoslovakei und später auch aus
inderen Ländern gedeckt werden. Natürlich war es eine
der wichtigsten Aufgaben des Landes, den. Rübenbau
und die Zucdkererzeugung wieder zu heben und die Ab-
hängigkeit vom Auslande zu verringern. In der ersten
Zeit nach dem Kriege war indes bei der Erzeugung
noch ein weiterer Rückgang zu verzeichnen. Der Rüben-
bau ging im Jahre 1919 auf 3990 ha zurück. Die Kam-
Dagne 1019/20 bildete auch hinsichtlich der Zucker-
Srzeugung, die nur 52.100 q Rohzuckerwert erbrachte.
den tiefsten Stand. 1920/21 kam die oberösterreichische
"abrik Suben dazu. Mit Finschluß Oberösterreichs hob
Sich die Anbaufläche auf 5146 ha, die Zuckererzeugung
auf 147.860 q.
Im Betriebsjahr 1921/22 war ein weiterer Fortschritt zu
verzeichnen, indem die Anbaufläche 7678 ha erreichte.
Die Zuckererzeugung war aber infolge der äußerst
nangelhaften Qualität der Rübe geringer als im Vorjahre
nd stellte sich auf bloß 142.187 q. In dieses Betriebsjahr
ällt auch der Anschluß des Burgenlandes und die
Jebernahme der zwei burgenländischen Zuckerfabriken
n österreichische Verwaltung. Die auf die burgenländi-
ıchen Fabriken sich beziehenden. Zahlen sind aber in
len vorstehenden Zahlen nicht inbegriffen, weil sich die
\ngliederung der burgenländischen Fabriken für die
"uckerwirtschaft im ersten Jahre noch nicht recht geltend
nachte. Ein zweites Ereignis, das in das Jahr 1921/22 fällt, ist
‚on großer, ja entscheidender Bedeutung für Rübenbau
ind Zuckererzeugung. Mit I. März 1022 wurde die
'wangswirtschaft beseitigt und die freie Wirtschaft für
Zucker eingeführt. Während bisher Rübenpreis und
’uckerpreis durch die Zuckerstelle, bzw. durch die Re-
j‚jerung festgesetzt wurde, entfaltete sich nunmehr das
'piel der freien Kräfte. Die Zwangswirtschaft in Oester-
eich war, so wie in anderen Ländern, vorwiegend von
ler Rücksicht auf die Konsumenten geleitet. An Produk-
jonspolitik dachte man erst in der letzten Zeit, als selbst
lie breite Oeffentlichkeit einsah, das die einseitige
Consumentenpolitik den Ruin der Erzeugung bedeutet
and schließlich dem Verbraucher schadet.
Um mit Hilfe billiger inländischer Bestände einen
ıedrigen Durchschnitts- Verkaufspreis zu erzielen, wurden
tübenpreis und Zuckerpreis unter der Herrschaft der
"wangswirtschaft gedrosselt. Man versuchte wohl, mit
leinen Mitteln, wie Verteilung von Kunstdünger und
;ratiszucker, dem Rübenbau aufzuhelfen, doch war der
rfolg nur gering. Als aber für 1922/23 der freie Ver-
cehr in Aussicht stand, richteten sich Rübenpreis und
Zuckerpreis nach den Weltmarktpreisen und Anbaufläche
wie Zuckererzeugung wiesen, wie folgende Aufstellung
zeigt, einen dauernden Aufschwung auf.
+. Lg
u
Zuckererzeugung
Meterzentner
Rohzuckerwaeıt
Daku!
244,680
472.555
754.431
781.447
796.863
| 1,100.040
1.100.000
u (Schätzung)
Während in der Zeit der Zwangswirtschaft die Zoll-
rage belanglos war, da fremder Zucker ja doch nur
iber besondere Bewilligung und nahezu ausschließlich
on der mit der Zuckerwirtschaft betrauten Zuckerstelle
ingeführt werden konnte, erlangte mit dem freien Ver-
‚ehr auch die Erstellung der Zölle allgemeine wirtschaft-
iche Bedeutung, denn die inländischen Zuckerpreise
ichteten sich nächst dem Weltmarktpreis auch nach
{em Zolle. Nachdem der Zuckerzoll verschiedene Wand-
ungen durchgemacht hatte, wurde in dem Zolltarif vom
;. September 1924 ein allgemeiner Zoll auf Zucker von
6 Goldkronen und ein Zoll auf Rohzucker, der auf
‘rlaubnisschein zur Verarbeitung auf Raffinade in den
Zuckerfabriken eingeführt wird, in der Höhe von
1'50 Goldkronen festgesetzt. Es stellte sich jedoch
ı‚eraus, daß dieser Zollschutz für die Erhaltung des
tübenbaues, der vom allgemeinen landwirtschaftlichen
andpunkt aus weitgehende Förderung verdient, unzu-
änglich war und auch für die Zuckerindustrie, deren