Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

unterworfen gewesen. Die Gemeinden helfen ihrem 
Gemeindebudget mit Umlagen auf die Beine. Infolge 
der großen Flächen werden die Bundesforste dadurch 
besonders hart mitgenommen. Dazu kommt noch die 
Difterenzierung der Grundsteuer in verschiedenen 
Ländern. Wenn diese Automatik der Ausgaben fort- 
geht, so bleibt es bei den heutigen Holzpreisen 
schlechterdings unmöglich, aktiv zu wirtschaften. 
Gewiß waren seit jeher Bestrebungen vorhanden, 
die Erträge der vom Staate verwalteten Forste zu 
heben und äußerten sich diese auch vielfach in Re- 
organisationsbestrebungen. Einen besonderen Impuls 
gab diesen gegen Kriegsende die Erwägung, daß ohne 
Rücksicht auf den Ausgang des’ Krieges, jedenfalls 
1ach .dem Kriege eine beträchtliche Wiederaufbau- 
arbeit der durch den Krieg schwer erschütterten Volks- 
wirtschaft zu leisten sein werde. Es sei hier ein auf 
Antrag des Berichterstatters über „Forst- und Do- 
nänenwesen” Grafen Barbo vom Budgetausschuß des 
Abgeordnetenhauses Ende 1917 angenommener Be- 
schluß besonders erwähnt; dieser lautet: „Die Re- 
zierung wird aufgefordert, ehestens eine 
Reform der Verwaltung der Staatsforste 
und Domänen anzubahnen, dahingehend, 
daß dieselbe aus dem Ackerbauministerium 
ausgeschieden und von einer selbständigen 
Generaldirektion geleitet wird. Auf diese 
soll hinsichtlich ihrer Gebarung und ihres 
Voranschlages von Seite des Finanzmini- 
steriums keine Ingerenz ausgeübt und soll 
zelbe dem Ackerbauministerium persönlich 
unterstellt, durch diesen dem Parlament 
verantwortlich sein.” 
Nach dem für Oesterreich katastrophalen Kriegs- 
»nde standen begreiflicherweise die finanziellen Fr- 
sparungsmaßnahmen noch mehr im Vordergrund. 
Hinsichtlich der Ersparungen an Personal mußte unter 
diesen Umständen erwogen werden, ob der Instanzen- 
zug: Forstverwaltung — Forstdirektion — Ministerium 
aicht durch Auflassung der Zwischeninstanz, der Forst- 
direktion, verkürzt und die Verwaltung hiedurch ver- 
sinfacht und verbilligt werden könne. Fs fiel hier 
besonders ins Gewicht, daß von den sieben Forst- 
und Domänendirektionen in Wien, Gmunden, Salz- 
burg, Innsbruck, Görz, Lemberg I, Lemberg II und 
der Güterdirektion in Czernowitz gerade die vier 
erstgenannten Direktionen, die in ihren Bereichen 
größtenteils die ziemlich gleichartigen Verhältnisse 
alpenländischer Forstwirtschaft aufwiesen, zurückge- 
blieben waren. Weiters war von Bedeutung, daß 
die Zahl der Forstverwaltungen von 198 auf 03 
gesunken war. Hiedurch war die Arbeit der Zen- 
tralstelle nicht nur quantitativ, sondern auch durch 
die Aehnlichkeit der Wirtschaftsverhältnisse quali- 
tativ erleichtert worden. Es konnte demnach in Be- 
racht gezogen werden, die Forstverwaltungen direkt 
ziner Generaldirektion in Wien zu unterstellen. Hie- 
ei mußte allerdings die ja allgemein in wirtschaftlicher 
Zeziehung als ungünstig empfundene exzentrische Lage 
Viensin den Kauf genommen werden, die hier zunächst 
vohl in erhöhten Reisekosten für die inspizierenden 
Jberforstmeister der Bundesforstverwaltungen und 
ür die mit äußeren Arbeiten in den Forstwirtschafts- 
»ezirken betrauten Organe der Betriebseinrichtung 
ınd der Bauabteilung zum Ausdruck kommen mußte. 
Jnbestritten fest steht, daß dadurch der unmittelbare 
vontakt mit der exponierenden Forstverwaltung er- 
'‚eicht wurde, was in der heutigen Zeit für eine ratio- 
1elle lebendige Buchführung geradezu unerläßlich ist. 
Jurch die gegenseitige Anregung, Befruchtung und 
den edlen Wettstreit ist die Ausnützung der jeweiligen 
Varktlage möglich geworden, was der Wertsteigerung 
ler von den Oesterreichischen Bundesforsten ver- 
valteten Wälder gewiß sehr zugute kommt. Außer- 
lem sichert die Einheitlichkeit und Organisation des 
/erkaufes dem Betriebe eminente Vorteile. Manche 
»ersönliche und sachliche Ausgabe läßt sich durch 
len direkten Verkehr ersparen. 
Diesen Erwägungen entsprach das Gesetz über 
Jie Bildung eines Wirtschaftskörpers: Oester- 
reichische Bundesforste vom 28, Juli 1025, 
3GB. Nr. 282. 
WenndieHoffnungen auf die Reform heute noch nicht 
‚efriedigen, so liegt die Ursache, abgesehen von der 
rüher erwähnten Automatik der Ausgaben, einerseits 
n aus der Kriegszeit stammenden Rückständen, die 
ich beispielsweise bei der Betriebseinrichtung unan- 
zenehm fühlbar machen, anderseits darin, daß die im 
‚orgenannten Beschluß des Budgetausschusses ange- 
yahnte selbständige Stellung der Generaldirektion wie 
ıuch die Nettobudgetierung, die F.lementarforderung 
ür einen solchen Betrieb, nicht erreicht ist. Ein 
hwerfälliger Bureaukratismus lähmt demzufolge den 
zanzen Betrieb, bürdet ihm mannigfache, ganz unnütze 
Aehrarbeiten auf und zersplittert und verbraucht die 
etzten Kräfte in der Beseitigung von Hemmnissen 
ınd Schwierigkeiten und zur Ebnung der Wege, an- 
tatt sie ganz für die produktiven Arbeiten und Ziele 
rei zu halten, alles Dinge, die eine sparsame Ver- 
valtung und die Einstellung des ganzen Betriebes auf 
Nirtschaftlichkeit ungemein erschweren. An und für 
iidh schon. erfordert der auf eine Betriebsverbesserung 
zerichtete Ausbau der Betriebsorganisation Zeit und 
eld. 
Es sind, wie schon der amerikanische Meister 
ler Betriebswissenschaft Taylor ausdrücklich betont 
1at, betriebswirtschaftliche Fortschritte nur mit einem 
‚ermehrten Leitungsaufwande zu erzielen, der aller- 
lings — wenn man die Sache gut anpackt — sich auf 
lie Dauer sehr gut bezahlt macht. 
Auf ein anderes Kapitel übergehend, muß es im 
»ffentlichen Interesse sehr erfreulich bezeichnet werden, 
laß der Krieg nur geringe, das Auge des Natur- 
reundes störende Spuren in den Bundesforsten hinter-
	        
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