DIE REGULIERUNG DER DONAU IM LETZTEN DEZENNIUM
1919 BIS 1928
Mit der Schaffung des Wiener Durchstichs in den
Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts war in die
Arbeiten zur Ausgestaltung der bedeutendsten Schiff-
fahrtsstraße des zentralen Mitteleuropas ein neuer
Zug gekommen; Wien war dadurch gegen Hoch-
wassergefahr gesichert worden und das Mittelwasser,
dessen Abfluß sich bis dahin in mehreren Armen
vollzog, wurde in einem einzigen Bette zusammen-
gefaßt. Letztere Aktion wurde in der Folge auch auf
die übrige österreichische Donaustreckke ausgedehnt.
Die Bedürfnisse der Schiffahrt erheischten aber bald
weitere Maßnahmen, die Niederwasserregulierung,
durch welche für den Schiffsverkehr eine auch bei
niedrigen Wasserständen verwendbare Fahrrinne ge-
äichert werden sollte. Durch diese Regulierungsarbei-
ten wurden an zahlreichen Stellen der österreichischen
Donaustrecke bedeutende Verbesserungen erzielt.
Der Ausbruch des Weltkrieges bereitete jedoch der
Regulierungstätigkeit ein jähes Ende.
Nach demselben wurden die Arbeiten in aus-
Zgedehntem Maße wieder aufgenommen. So wurde zum
Beispiel die Zufahrt zum Linzer Hafen durch teilweise
Beseitigung der ungünstig angelegten Niederwasser-
dauten und durch eine Uferkorrektion bedeutend
verbessert. Der in der Mündung der Aist gelegene
Ploßhafen von Au, der bedeutendste seiner Art
an der oberen Donau, war durch die vom genannten
Flusse mitgebrachten Sinkstoffe alljährlich starken Ver-
Schlemmungen ausgesetzt. Um dem Uebelstande ab-
zühelfen, wurde in den letzten Jahren das Hafen-
zebiet durch einen Abschlußbau gegen die Aist ab-
3eschlossen und für diese eine neue, seitlich des
"loßhafens verlaufende Mündungsstrecke geschaffen.
Der Hafen wird daher künftighin nur mehr den vom
Strome her zu gewärtigenden Anlandungen aus-
Zesetzt sein. In der nächsten Nähe Wiens, im
Stromabschnitte Kritzendorf-Klosterneuburg, wurde
schon seit nahezu zwei Jahrzehnten eine allmählich
ANnwachsende Schotterhäufung beobachtet, die sich aber
Tst seit einigen Jahren auf der Furt bei Lang-
Unzersdorf unangenehm bemerkbar machte. Zu diesem
/eitpunkte waren hier die Stromverhältnisse so weit
Sediehen, daß sie einen strombaulichen Eingriff als
ökonomisch erscheinen ließen. Die Arbeiten konnten
doch erst dann in Angriff genommen werden, als
die Strombauverwaltung über die hiezu notwendigen
Sistungsfähigen Baggergeräte verfügte, wovon
Päter noch die Rede sein soll. Zwischenzeitig wurden
N den Jahren 1924, 1925 und 1026 vorbereitende
Arbeiten durchgeführt, wie die teilweise Beseitigung
alter Strombauten aus der künftigen Fahrrinne bei
vang-Enzersdorf, die Verbauung einer kleinen Neben-
"Mne am linken Ufer oberhalb Kritzendorf und die
Ausführung mehrerer Grundschwellen in der der-
zeitigen Naufahrt gegenüber Korneuburg. Im Jahre
927 wurden vorerst gegenüber Lang-Enzersdorf ver-
ältnismäßig hoch liegende Grundschwellen in der
"ahrrinne eingebaut. und sodann :an die Herstellung
iner fast zwei Kilometer langen Baggerkünette, die
las erste Stadium der künftig am linken Ufer verlau-
“enden Schiffahrtsrinne abgeben soll, geschritten. Diese
Arbeit, der sich in Form alter, bisher unter der
Schotterdecke gelegener Strombauten unvorhergese-
1ene Schwierigkeiten entgegenstellen, wurde Ende
les Jahres 1028 vollendet und die vollständige
A\bsperrung des bisherigen Schiffahrtsweges durch-
zeführt. .
Die vorgeschilderten Baumaßnahmen erheischen bei
hrer Durchführung größte Vorsicht, einerseits um die
Schiffahrt im Arbeitsbereiche nicht allzusehr zu be-
zinträchtigen, anderseits um keine Verschlechterung
ler Fahrtiefenverhältnisse in der stromabwärts an-
zschließenden Wiener Durchstichstrecke durch Abtrieb
merwünscht großer Schottermassen zu verursachen.
\us letzterem Grunde nehmen die Baggerungen im
jesprochenen Abschnitte ungewöhnlich großen Um-
ang an. Das Baggergut wurde zum größten Teil aus
lem Strombereich gebracht, und der Verwertung für
JZauzwecke, bzw. für Anschüttungen zugeführt. Im
Niener Durchstiche waren im Jahre 1922 nur Ergän-
zungen an den bestehenden Buhnen erforderlich, um
ne unbedeutende lokale Anlandung zu beseitigen.
Durch den Friedensvertrag von St. Germain wurde
lie Donau auf zirka sieben Kilometer Länge Grenz-
;trecke zwischen Oesterreich und der Tschechoslovakei.
n diesem Abschnitte liegt die bis dahin der Schiff-
ahrt stark hinderlich gewesene Furt von Theben.
Jurch ein zwischenstaatliches Uebereinkommen ist es
nöglich gemacht worden, daß im Jahre 1025 gemein-
am die ersten, im Jahre 1027 weitere Bauten zur
\usführung gebracht wurden, die im Jahre 1928 vor-
äufig zum Abschlusse gelangten. Schon der Erfolg der
ırsten Baumaßnahmen war, daß die bis dahin bei
Zintritt niedriger Wasserstände zur Aufrechterhaltung
ler Schiffahrt durchgeführten Furtbaggerungen ent-
behrlich wurden.
Abgesehen von diesen Regulierungsarbeiten größeren
Umfanges wurden noch an mehreren Stellen Nieder-
vasserregulierungen durchgeführt, auch sonst noch
nancherlei im Interesse der Schiffahrt geleistet. So
vurden neuerlich Felssprengungen im Strombette bei
A\schach und Sarling vorgenommen, welche Arbeiten
ı1ach Ausstattung des veralteten Sprengschiffes mit
nodernen Mitteln forciert werden sollen. Die während
les Krieges zur Abwehr von Treibminen errichteten An-
lagen vor den Pfeilern der Wiener Reichsbrücke, die