eines Abbaues des volkswirtschaftlichen Defizits: pro-
luktive Arbeitslosenfürsorge, Steigerung der Produk-
jonsfähigkeit der Industrie durch Verbilligung der
Betriebskraft, Erhöhung der Exportmöglichkeit durch
Befruchtung bestehender und Schaffung neuer In-
Justrien und nicht zuletzt Hebung des landwirtschaft-
ichen Ertrages durch Mechanisierung der Arbeit und
durch rationelle Kunstdüngererzeugung. Nicht über-
sehen dürfen die ebenfalls zahlenmäßig nicht erfaß-
baren Vorteile werden, welche die Energieerzeugung
aus Wasserkräften gegenüber der kalorischen Erzeu-
zung infolge des Wegfallens der Rauchschäden und
der Rauchplage hat.
Für das Jahr 1928 ist eine Steigerung des Kohlen-
verbrauchs um rund 7%, feststellbar. Diese Unstetig-
keit in der abnehmenden Tendenz ist wohl als er-
freuliches Anzeichen einer entschiedenen Besserung
der industriellen Produktion zu werten, aber auch als
deutliche Mahnung, durch fortschreitende Ausnützung
aller heimischen Energiequellen zu verhüten, daß
eine mühselig errungene Steigerung der Ausfuhr
industrieller Erzeugnisse nicht durch erhöhten Kohlen-
bezug aus dem Auslande paralysiert werde.
Das Ziel tunlichster Ausschaltung der Finzelversor-
gung mit Einfuhrbrennstoffen zugunsten durchgreifender
Yrganisatorisch und technisch einwandfreier Gesamt-
versorgung aus dem praktisch unerschöpflichen Born
der heimischen Wasserkräfte könnte durch Ausbau
von zunächst 000.000 PS Jahresmittelleistung erreicht
werden, das ist von ungefähr einem Viertel des aus-
bauwürdigen mit rund 3‘4 Millionen PS Jahresmittel-
leistung einschätzbaren österreichischen Wasserkraft-
vorkommens, von dem mehr als die Hälfte auf Groß-
wasserkräfte zu zählen ist.
Was die Ausführung der Bauten anlangt, ist her-
vorzuheben, daß unsere neuen Wasserkraftwerke
Ausschließlich von österreichischen Bauunter-
nehmungen ausgeführt wurden und daß auch die
Naschinellen und elektrotechnischen Einrichtungen, die
3anz außerordentliche Anforderungen an die Leistungs-
‘ähigkeit der Firmen stellen, fast ausnahmslos von
der heimischen Industrie hergestellt sind.
Das ernste Bestreben, die Aufgaben der Energie-
Wirtschaft in möglichst haushälterischer Weise durch-
zuführen, also den größtmöglichen energiewirtschaft-
lichen Erfolg zu erzielen, führte bei der Extensivierung
des Wasserkraftausbaues zu gleichzeitiger Intensivierung
des Leitungs- und Verteilungswesens im Sinne der
Aufrichtung einer rationellen Plan- und Ver-
bundwirtschaft, für welche die Voraussetzungen
in den einzelnen Bundesländern durch teilweise schon
MN erheblicher Ausdehnung angelegte Landessammel-
schienen geschaffen sind. So stehen schon jetzt die
Srößeren Elektrizitätswerke in den einzelnen Bundes-
ländern untereinander in Verbindung. Darüber hin-
aus sind die großen Kraftwerke von Oberösterreich
und Salzburg mit den Werken von Niederösterreich
ınd Wien durch Hochspannungsleitungen verbunden
ınd auch der Anschluß der steirischen Großkraftwerke
an die der Donauländer ist nahezu hergestellt. Erwähnt
zeien ferner der Anschluß des Achenseewerkes an das
3Zayernwerk und die Verbindungen, die zwischen
äinzelnen Werken Tirols, Vorarlbergs und Salzburgs
nit Deutschland bestehen.
Aus dem Vorstehenden kann entnommen werden,
laß der Ausbau der Kraftquellen Oesterreichs einen
wesentlichen Bestandteil in dem Wiederaufbauwerke
des Staates darstellt. Vergleicht man aber den gegen-
wärtigen Stand unserer Energieerzeugung mit jenem
ınderer Länder, so zeigt sich, daß auf diesem Wirt-
;chaftsgebiet noch eine bedeutende Weiterentwicklung
x erwarten ist, denn Oesterreich hat noch nicht die
Jälfte jener Kopfquote (erzeugte kWh pro Kopf der
3Zevölkerung im Jahre) erreicht, die in gut mit Strom
versorgten Ländern, zum Beispiel in der Schweiz, schon
zegenwärtig zu verzeichnen ist. Die Stadt Wien, die
ıllein ungefähr ein Viertel der gesamten elektrischen
Energie des Staatsgebietes benötigt, und deren Strom-
bedarf durchschnittlich um 10% im Jahre steigt, erzeugt
'hren Strom derzeit zu annähernd gleichen Teilen aus
Wasserkräften, aus heimischer Braunkohle und aus
ausländischer Steinkohle. Der Ersatz der letztgenannten
Post durch Wasserkraftstrom bietet reiche Absatzmög-
ichkeiten für Wasserkraftwerke. Weiters werden die
3ahnen bei späterer Fortsetzung der Elektrisierung
»edeutende Mengen hydraulischer Energie benötigen.
Zur Deckung des zukünftigen Bedarfes stehen, wie
schon erwähnt, reichliche Rohwasserkräfte zur Verfü-
zung; es sei hier an die Gefällsstufen der Enns im Ge-
;äuse (000 Millionen kWh im Jahre) und an der unte-
‚en Enns (Projekte der OWEAG, 250 Millionen kWh
m Jahre), der Traun (Projekt Hinterschweiger, 533 Mil-
ijonen kWh im Jahre), der Mur (360 Millionen kWh
m Jahre) und an die Kärntner Seen-Projekte erin-
1ert. Endlich sei hier der Donau-Wasserkraftprojekte
zedacht, die sich fast über die ganze österreichische
Donaustrecke verteilen. Nach diesen Projekten wären
aus der Donau rund 3500 Millionen kWh im Jahre
zu gewinnen. Die großen Wasserkräfte, die in den
westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg noch
zur Verfügung stehen, werden ihre Erzeugung wohl
zum größten Teile nach Deutschland ausführen und es
1at den Anschein, als ob die nächste Etappe unseres
Wasserkraftausbaues diesem Export dienen werde.
Handelspolitisch wäre dies von großer Bedeutung,
veil die Ausfuhr elektrischer Wasserkraftenergie durch
seine die Ausfuhrbilanz beeinträchtigende Rohstoff-
sinfuhr belastet ist. Geld- und energiewirtschaftlich ist
lie Stromausfuhr besonders verheißungsvoll, weil die
Zinnahmen hieraus die Abbürdung der Bauschulden
zestatten, ohne inländische Zahlungsmittel in Anspruch
‚u nehmen und so für spätere Zeiten auch dem bis
lahin erwachsenen inländischen Energiebedarf billig
oroduzierende Werk zur Verfügung gestellt werden.