Contents: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 487 
Paris angelangt. Am 7. Juli zog das Heer in die Haupt⸗ 
stadt ein, die Engländer zurückhaltend, siegesfroh und jubelnd 
die Preußen, ihnen vorweg Blücher, dessen Drängen die Be— 
legung von Paris mit Einquartierung vornehmlich verdankt 
wurde, Und jo kalt, ja feindselig sich da und dort anfangs die 
Pariser Bevölkerung gegen die Fremden verhielt, so beträcht⸗ 
lich nahm im Laufe der Zeit ihre Freundlichkeit zu. Das Be— 
nehmen der Deutschen, insbesondere der preußischen Mann⸗ 
schaften, gefiel wohl nicht immer, aber es imponierte; und das 
Oberkommando verfuhr im allgemeinen taktvoll, so sehr 
Blücher gelegentlich persönlichen Liebhabereien nachging, z. B. 
den Pont dé Jéna als ein öffentliches Eigentum, das sich auf 
den Krieg beziehe, in die Luft sprengen lassen wollte, am 
liebsten mit Talleyrand darauf — und tatsächlich nur durch 
einen Befehl seines Königs daran verhindert wurde, sein Vor⸗ 
haben, nachdem es ein erstes Mal infolge Versagens des Spreng⸗ 
stoffes mißglückt war, bei einem zweiten Versuche durchzusetzen. 
Auch als politische Tatsache fand die Okkupation bei den 
Franzosen günstige Aufnahme, insbesondere bei den Besitzenden, 
die keinen Krieg wollten; für sie war es bezeichnend, daß, je 
mehr sich die Alliierten der Stadt näherten, um so mehr der 
Kurs der Staatspapiere gestiegen war. Ein auch im übrigen 
wichtiger Zusammenhang. Bald war es keinem Zweifel mehr 
unterworfen, daß Frankreich, soweit der Wille der Alliierten als 
Ganzes in Betracht kam, die Rückkehr der Bourbonen und damit 
eine Restauration im Simne des Ancien régime erleben werde: 
konnte dem aber ein Liberalismus mit Erfolg entgegentreten, 
dessen Urteil wesentlich durch materielle, kapitalistische Interessen 
bestimmt schien? 
In der Tat traf noch am Tage des Einzuges der alliierten 
Truppen auch Ludwig XVIII. aus Gent wiederum in? den 
Tuilerien ein, wenn auch unter fast beängstigender Teilnahm— 
losigkeit dessen, was sich in solchen Momenten vom Volke in 
Straße und Gasse zu zeigen pflegt; die Restauration war ein 
Werk nicht so sehr Frankreichs, wie Wellingtons und des eng— 
lischen Toryismus.
	        
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