Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Arbeitsleistung bis zu 50% gegenüber der Vorkriegs- 
leistung rechnen mußte, Die mit der fortschreitenden 
Geldentwertung Hand in Hand gehende ständige Er- 
höhung der Lebenshaltungskosten führte andererseits 
in sämtlichen Industriezweigen zu einer Reihe erbitterter 
Lohnkämpfe, die wiederholt von langdauernden Streiks 
begleitet waren. Ueber die Entwicklung und die Bewegung 
dieser Kämpfe geben die nachfolgenden Daten der 
Statistik der Ausstände und Aussperrungen Aufschluß. 
'eute gezwungen ist, einzelne Kategorien qualifizierter 
\rbeitskräfte aus dem Auslande zu beziehen. 
)emgegenüber weisen die nichtqualifizierten Hilfsarbeiter 
vährend der ganzen Nachkriegszeit eine verhältnismäßig 
ıohe Arbeitslosenziffer auf. Obwohl mit der in den letzten 
'ahren durchgeführten Aktion der Nach- und Umschulung 
ıichtqualifizierter Hilfsarbeiter die besten Erfolge erzielt 
vurden, hat man bis heute diesem Mangel an qualifizier- 
en Arbeitskräften noch nicht ganz abhelfen können. 
Streikbewegung. 
Streiks 
: x x . ne Versäumte 
Streikende | Ergriffene Betriebe | Darin Beschäftigte | Arbeitstage 
Vollständige | Unvollständige 
Streiks 
919 151 
‚920 329 
‘921 135 
1922 381 
1923 268 
1924 101 
1925 287 
1926 186 
1927 189 
63.703 
179.352 
207.974 
211.429 
116.669 
268.696 
46.743 
| 18.624 
27.803 
1.627 
10.032 
7.739 
5.846 
1.798 
5.960 
1647 
653 
429 
69.728 220.815 
198.749 927.402 
302,259 1,762,892 
306.545 1,635.443 
133.447 1,074.377 
286.287 2,295.493 
56.764 | 666.373 
24.711 | 232.944 
36.268 475.857 
ah 
U 15% 
73 162 
249 132 
178 90 
229 175 
195. ] 9° 
128 ' 63 
154 35 
Aussperrungen. 
Weitaus empfindlicher wurde die österreichische Indu- 
strie durch die Veränderungen getroffen, die nach Be- 
endigung des Weltkrieges in ihren Absatzbedingungen 
eingetreten waren. War schon durch die gesunkene Kauf- 
kraft der Bevölkerung, vor allem aber durch die infolge 
der politischen Neugestaltung herbeigeführte Verkleine- 
rung des eigenen Wirtschaftsgebietes die Aufnahmsfähig- 
keit des Inlandsmarktes auf einen Bruchteil der indu- 
striellen Produktion heruntergedrückt worden, so ergab 
jich durch die Tatsache, daß die österreichische Industrie 
nfolge des ungenügenden Zollschutzes der übermächtigen 
Konkurrenz der fremden Industrien preisgegeben war, 
ine weitere Verminderung der Absatzmöglichkeiten im 
nlande. Noch der autonome Zolltarif, der mit 1. Jänner 
925 in Kraft gesetzt wurde, sah keine wesentliche Aen- 
lerung des bisherigen Zollniveaus vor und konnte daher 
ler Industrie keinen ausreichenden Zollschutz gewähren. 
Irst die drei Zolltarifnovellen aus den Jahren 1926 und 
927 brachten für eine Reihe wichtiger Warengruppen 
:ine Erhöhung des autonomen Zollsatzes, die jedoch mit 
tücksicht auf die bestehenden vertragsmäßigen Bindungen 
rst durch, eine Revision der bezüglichhen Handelsver- 
räge in Wirksamkeit gesetzt werden konnten. Diese 
\ktion ist durch die im Laufe der letzten zwei Jahre 
‚bgeschlossenen Handelsverträge mit der Tschechoslovakei, 
rankreich, Ungarn und Jugoslavien angeb ahnt worden. 
Wenn sich aucdı im Laufe der letzten Jahre durch die 
{onsolidierung der wirtschaftlichen Verhältnisse die Auf- 
ıahmsfähigkeit des Inlandsmarktes wesentlich gebessert 
1at, so ist doch die österreichische Industrie mit einem 
sroßteil ihrer Produktion auf den Export ange- 
viesen, der infolge der seinerzeitigen wirtschaftlichen 
"usammenhänge auch gegenwärtig noch vorwiegend nach 
Jeutschland und den Nachfolgestaaten orientiert ist. 
Nelche Bedeutung der Ausfuhr österreichischer Frzeug- 
‘isse nach diesen Ländern zukommt, geht aus der nach- 
olgenden Zusammenstellung über die Ausfuhr von Fertig- 
varen im Jahre 1927 hervor. (Siehe Tabelle Seite 442 u. 443.) 
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Jahr 
2685 
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58 
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A 
S< 
1919 = 
1920 6 1.761 5.728 
1921 25 754 13.935 
1922 | 39 580 18.979 
1923 | 52 320 44.485 
‚924 | 46 599 30.699 
1925 | 88 285 22,787 
1926 18 84 / 4.530 
997 11 21 87 7.383 
5.718 
13.508 
L6.996 
38.999 
28.182 
20.205 
3.319 
6.5831 
93.398 
141.736 
200.643 
539.779 
520.616 
500.444 
64.740 
209.851 
Wie aus diesen Ziffern zu entnehmen ist, gelingt es 
der Industrie erst spät, auch hier zu einer gewissen 
Stabilität zu gelangen. Erst im Zusammenhange mit der 
in den letzten Jahren eingetretenen Besserung des 
Lebensstandards der in der Industrie Beschäftigten ist 
viederum ein Wachsen der Leistungsfähigkeit der Ar- 
beiter und Angestellten zu beobachten. Dessen unge- 
achtet kann auch gegenwärtig noch nicht von einer 
vollkommenen Angleichung der Entlohnung an das Vor- 
<riegsniveau gesprochen werden. Der Vergleich mit den 
Vorkriegslöhnen ergibt vielmehr, daß eine volle Valori- 
sierung und zum Teile Uebervalorisierung nur in den 
Schichten der nichtqualifizierten Hilfsarbeiter zu ver- 
zeichnen ist, während die qualifizierten Arbeitskräfte und 
die Angestellten zum überwiegenden Teile noch nicht 
das Vorkriegsniveau erreicht haben. Im Widerspruch mit 
dieser auf die Politik der Gewerkschaften zurückzu- 
führenden Erscheinung steht, daß in einzelnen Industrie- 
zweigen gerade an qualifizierten Arbeitskräften ein 
empfindlicher Mangel herrscht. so daß man vielfach noch
	        
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