Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Aus all dem ist wohl zur Genüge zu ersehen, daß sich 
n den Produktionsgrundlagen der österreichischen Indu- 
;trie durch die Ereignisse des Jahres 1918 Veränderungen 
jo grundlegender Natur ergeben haben, wie sie in keinem 
anderen Industriestaate Europas zu verzeichnen waren. 
Es muß als ein besonderes Zeichen der Leistungsfähig- 
keit unserer Industrie gewertet werden, daß es ihr ge- 
(ungen ist, sich in einer verhältnismäßig kurzen Zeit den 
geänderten wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen. 
4. Aufbau der österreichischen Industrie. 
Da seit dem Jahre 1902 keine neuerliche Zählung der 
n Oesterreich vorhandenen Industriebetriebe veranstaltet 
wurde, ist es mit einigen Schwierigkeiten verbunden, sich 
ein zuverlässiges Bild von dem Aufbau der österreichi- 
schen Industrie zu machen. Immerhin können wir durch 
YHeranziehung anderen verfügbaren statistischen Materiales 
wertvolle Anhaltspunkte für die Beurteilung‘ der Größe 
und Bedeutung der einzelnen Industriezweige gewinnen. 
So sind auf Grund der im Zusammenhange mit der 
Volkszählung vom Jahre 1923 veranstalteten Erhebung 
der Berufsklassen vom Bundesamte für Statistik folgende 
Ziffern ermittelt worden: 
Wirtschaftserunpen 
Sa Se | ame | 
vom al 23,427 | 1.0] 1020001946 
136.451 1 a0 = 0001397 
—_— 18 08.238 | 40-1] 
Metallindustrie . .' 
Baugewerbe und 
Baunebengewerbe 
Bekleidungs- 
gewerbe...... 
Nahrungs- und 
Genußmittel- 
gewerbe .....-. 
Textilindustrie .. 
Tolz- und Schnitz- 
Stoffgewerbe ... 
3Zergbau .....- 
Industrie der Steine 
und Erden ....! 
Yapierindustrie u. 
Vervielfältigungs- 
gewerbe. .... ' 
Chemische Indu- 
Strie ........ 
Wasser-, Gas- und 
Flektrizitäts- 
Sewinnung und 
-versorgung ...| 
Leder- und Lino- 
leumindustrie .. 
Ihne Unterschei- 
dung der Berufs- | 
gruppe. ......| 87027 7al 1.032 | 06] 252.354/25-18| 
Summe . . .1.170.143|100:0|| 16.7.7891100:0[1.002.3541100°0| 
Aus diesen Ziffern ist zu ersehen, daß, was die Zahl 
der Beschäftigten anlangt, unter sämtlichen Industrie- 
Zweigen Oesterreichs die Metallindustrie den ersten Platz 
innimmt. Daran schließen sich die Bekleidungsgewerbe, 
las Baugewerbe, die Holzindustrie und die Textilindustrie 
ın. Aus den oben angeführten Ziffern der selbständig 
irwerbstätigen können wir ferner darauf schließen, daß 
n der Bekleidungsindustrie, der Holzindustrie, ja selbst 
n der Metallindustrie die kleineren und mittleren Be- 
riebe einen verhältnismäßig großen Raum einnehmen. 
Jaß auch in den übrigen Industriezweigen die kleineren 
und mittleren Betriebe nicht nur ziffermäßig, sondern 
ıuch der Zahl der in ihnen beschäftigten Arbeiter nach 
sine größere Rolle spielen als die großen Betriebe, 
zeigen uns die im nachfolgenden angeführten Ziffern 
der unfallversicherten Betriebe. (Siehe Tabelle Seite 442.) 
5. Entwicklung der österreichischen Industrie. 
Mangels einer Produktionsstatistik ist man auch, was 
lie Entwicklung der industriellen und gewerblichen Pro- 
luktion in der Nachkriegszeit anlangt, auf bloße 
;chätzungen angewiesen. Daß trotz der großen Schwierig- 
zeiten, mit denen die österreichische Industrie in dieser 
Zeit zu kämpfen hatte, Vergrößerungen des indu- 
ztriellen Apparates zu verzeichnen sind, geht aus 
dem nachfolgenden hervor, vor allem kann festgestellt 
werden, daß die Zahl der unfallversicherungspflichtigen 
Betriebe von 56.189 im Jahre 1919 auf 72.573 im Jahre 
[926 gestiegen ist. Demnach hat die Zahl der unfallver- 
sicherungspflichtigen Betriebe in dieser Zeit um 10.354, 
das ist um beinahe 20%, zugenommen (allerdings müssen 
vom Jahre 1923 angefangen auch die durch die Erwerbung 
des Burgenlandes neu hinzugekommenen 1597 unfallver- 
zsicherungspflichtigen, davon 104 fabriksmäßigen Betriebe, 
berücksichtigt werden, was jedoch nur eine geringfügige 
Verschiebung des Bildes der ganzen Bewegung zur Folge 
aat). Auch die Zahl der fabriksmäßigen Betriebe, das 
sind solche mit einer Arbeiterzahl von mehr als 20, ist 
in der Zeit von 1019 bis 1926 um 1355, also um rund 
11°, gestiegen. Wenn es sich auch in den meisten Fällen 
nicht um Neugründungen, sondern um solche Betriebe 
1andelt, die durch die Einstelhıng von Maschinen oder 
Motoren der Unfallversicherungspflicht unterworfen 
wurden, bzw. um Betriebe, die durch die Verwendung 
ainer größeren Arbeiterzahl in die Kategorie der fabriks- 
näßigen Betriebe eingereiht wurden, beweisen diese 
Ziffern doch eine verhältnismäßig starke Steigerung 
der Kapazität der Unternehmungen und damit eine 
wesentliche Vergrößerung des industriellen Produktions- 
aıpparates. 
Demgegenüber weisen die nachfolgenden Ziffern über 
die Zahl der aufgestellten Dampfkessel und das Aus- 
maß der Heizflächen nur eine geringfügige Veränderung 
auf (1919 Zahl der Dampfkessel 8549, Heizfläche 514.489 m”, 
1926 Zahl der Dampfkessel 9268, Heizfläche 530.534 m’). 
Jer Grund hiefür dürfte vor allem in der gesteigerten 
Verwendung elektrischer Energie zu suchen sein. 
Tierauf läßt schon die große Zahl der im Verlauf der 
Jachkriegsjahre errichteten Klektrizitäts-Ligenanlagen 
chließen. Während mit Ende 1918 in Oesterreich 93 Eigen- 
ınlagen mit einer Jahresmittelleistung von 1N0.439 PS 
‚estanden, sind bis Ende 1027 43 neue Anlagen mit 
jner Jahresmittelleistung von 32.545 PS errichtet wor- 
len und im Jahre 1028 weitere 6 FEigenanlagen
	        
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