Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Industriezweiges nehmen, abgesehen von den im Zu- 
sammenhange mit der Papierindustrie erwähnten Holz- 
schleifereien und Zellulosefabriken, die Dampf- und 
Wassersägen die erste Stelle ein. Mit Rücksicht auf 
den geringen Inlandskonsum ist die Sägeindustrie ge- 
zwungen, den überwiegenden Teil, gegenwärtig etwa 
30% ihrer Erzeugnisse, zu exportieren. Während der 
Holzexport in den ersten Nachkriegsjahren durch Holz- 
nangel und Transportschwierigkeiten eine starke Lin- 
»uße erfahren hatte, entwickelte er sich in den folgenden 
Jahren in steigendem Maße. Auch in der letzten Zeit 
hat die Ausfuhr an Schnittware stark zugenommen: 
»ılatten, Kisten und Weichholzfässern eine größere 
tedeutung zu. 
Zine jahrhundertelange Tradition weist die Papier- 
nadustrie auf, die zum Teile aus den im 16. und 
7. Jahrhundert hier gegründeten Papiermühlen hervor- 
‚egangen ist. Nachdem in der Mitte des 10. Jahr- 
>underts die Verwendung von Holzstoff in die 
’apiererzeugung Eingang gefunden hatte, hat dieser 
ndustriezweig in den Ländern des heutigen Oesterreichs 
lank der überaus günstigen Rohstoffbedingungen einen 
nächtigen Aufschwung genommen. Demgemäß hat auch 
Jesterreih mehr als die Hälfte der gesamten Papier- 
ınd Pappenfabriken des alten Staates übernommen. 
‚Oesterreich besitzt gegenwärtig 46 Papierfabriken, 20 
Zellulosefabriken, 106 Holzstoffabriken und 78 Pappe- 
’abriken.) Die Papierindustrie zählt zu den größten Indu- 
;triezweigen Oesterreichs und ist sowohl in technischer 
wie in organisatorischer Hinsicht weit vorgeschritten. Ihrer 
„eistungsfähigkeit ist es zu verdanken, daß sowohl ihre 
"rzeugung, wie die Exportquote eine zunehmende Stei- 
zerung aufweist. (Siehe untenstehende Tabelle.) 
Demgegenüber hat in den letzten Jahren die Zahl der 
n der Papierindustrie Beschäftigten eine geringe Ab- 
ı1ahme erfahren. Der Grund hiefür ist in der zunehmen- 
len, Arbeitskräfte sparenden Rationalisierung zu suchen. 
Durch die hohe Entwicklung der Papierindustrie war 
ıuch die Grundlage für das Entstehen einer großen und 
eistungsfähigen papierverarbeitenden Indu- 
;°trie gegeben. Dieser Industriezweig, der im wesent- 
ichen die Papierkonfektion und Buchbinderei umfaßt, 
var schon in der Vorkriegszeit fast ausschließlich in Wien 
:onzentriert und hatte schon damals einen großen Ex- 
ort zu verzeichnen. In den Nachkriegsjahren ist die 
'ntwicklung der papierverarbeitenden Industrie durch 
lie Schutzzollpolitik der Auslandsstaaten in ungünstiger 
Veise beeinflußt worden, so daß die Beschäftigung dieser 
ndustrie noch im Jahre 1927 kaum 40% der Leistungs- 
ähigkeit erreicht hat. Immerhin ist in der letzten Zeit 
ne zunehmende Besserung der Absatzverhältnisse zu 
5emerken. Die papierverarbeitende Industrie setzt sich 
m wesentlichen aus kleinen und mittleren Betrieben zu- 
ammen. (Von 1926 bis 1927 hat sich die Zahl der Buch- 
»jindereien von 661 auf 664 und die der Kartonnage- 
»etriebe von Ill auf 138 erhöht.) ; 
Die Stellung, die Wien durch Jahrhunderte als Kultur- 
zentrum eines großen Reiches einnahm und die es noch 
zegenwärtig als Kunststadt behauptet, hatte zur Folge, 
laß sich hier auch eine bedeutende graphische In- 
lustrie entfalten konnte. Auch dieser Industriezweig, 
ler vorwiegend durch Aufträge für das Ausland beschäf- 
igt ist, hat in den Nachkriegsjahren einen großen Auf- 
;chwung genommen. Zu Beginn des Jahres 1928 haben 
n Oesterreich 004 graphische Betriebe (mit 15.760 Ar- 
beitern) bestanden. 
Menge in ma Wert ; in 1000 S | 
1925 10,981.820 rnrnury144.066 
1926 9.650.195 125.452 | 
1927 11.662.156 163.274 
Die Zahl der Sägewerke hat sich im Laufe der letzten 
Jahre etwas vermindert. Gegenwärtig bestehen in Oester- 
reich ungefähr 1600 Sägewerke mit rund 2000 Voallgattern 
and 200 Spaltgattern, sowie ungefähr 3800 Werke mit 
Venetianer- und Einblattsägen. Die Zahl der in den 
5ägewerken beschäftigten Arbeiter, die in der Inflations- 
zeit auf ungefähr 20.000 gestiegen war, ist Sseit- 
her stark zurückgegangen und beträgt gegenwärtig 
"und 14.000. 
Unter den übrigen Zweigen der holzverarbeitenden 
{ndustrien ist zunächst die Möbelindustrie zu er- 
wähnen, die sich insbesondere mit der Erzeugung von 
Kunstmöbeln befaßt. Sie ist, da die österreichischen 
Waldbestände fast ausschließlich Weichholz liefern, hin- 
ächtlich ihres Rohstoffbezuges zum Teile auf den Im- 
port angewiesen. Unter den Erzeugnissen der öster- 
reichischen Möbelindustrie genießen insbesondere die 
von den in Wien ansässigen Unternehmungen herge- 
stellten Luxusmöbel, von denen in der letzten Zeit 
größere Mengen auch nach England geliefert wurden, 
Weltruf. Da infolge der eingeschränkten Bautätigkeit 
und der geringen Kaufkraft der Bevölkerung Oester- 
reichs der Absatz im Inlande in den Nachkriegsjahren 
stark zurückgegangen ist, war die österreichische Möbel- 
industrie während dieser Zeit vor allem auf den Export 
angewiesen, der jedoch bis zum Jahre 1926 einen starken 
Rückgang aufweist und erst ab 1927 eine Steigerung 
arfahren hat, die allem Anschein nach auch im laufenden 
Jahre ihren Fortgang nimmt. Die Ausfuhrziffern der 
letzten drei Jahre betragen für das Jahr 1025 17.102 Zentner 
im Werte von 7°367 Millionen Schilling, 1926 11.645 
Zentner im Werte von 5°441 Millionen Schilling und für 
'027 18.409 Zentner im Werte von 8°037 Millionen 
Schilling. Unter den übrigen holzverarbeitenden Industrien 
kommt nach der Erzeugung von Furnieren, Holz- 
Warenb. 
Erzeugung in Waggons "zu 10 t 
+09 ' 1926 1927 
15.301 | 17.211 19.098 ' 19.777 21.105 
‘2.769 14.935 17.566 18.267 19.189 
8.171 8.249 | 8.909 9.595 ] 9.440 ] 
4.353 4.542 4.964 5.365 5.606 
1923 
Ausfuhr 
1924 
1027 _ 
10.327 10 507 11.087 
8.601 8.922 8.594 
2,723 ] “2.710 2.567 
3.632 3.449 83.870 
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) Halzstoff und Zellulose. 
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