Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Erfolge gelöst. Auch im Auslande erfreuten sich die 
österreichischen Tabakfabrikate wegen ihrer Güte und 
Preiswürdigkeit großer Beliebtheit. 
Von Jahr zu Jahr erzielte das österreichische Ta- 
dakmonopol steigende Umsätze und Reinerträge. In 
dem letzten Vorkriegsjahre (1013) wurden im alten 
Österreich abgesetzt: 
Zigarren. . . .rund 1.700 Millionen Stück 
Zigaretten . . . 6.700 » » 
Zigarettentabake . „ 067.000 Meterzentner 
Pfeifentabake . . „ 179.000 » 
Gespunste . . . 12.000 
im Geldwerte von 220,750.000 Kronen. 
Durch den Weltkrieg wurde die weitere Entwick- 
ung des österreichischen Tabakmonopols jäh abge- 
schnitten. Zunächst schien es wohl, als sei die Tabak- 
regie mit ihren großen Rohstoffvorräten in der 
Lage, über den Weltkrieg hinwegzukommen, dessen 
Dauer man anfangs sehr unterschätzte. Doch erwies 
zich dies bald als irrig. Unter den außerordentlichen 
Anforderungen der Heeresverwaltung schwanden 
die Vorräte an Fabrikaten und Rohstoffen rasch dahin. 
Dazu kam die frühzeitige Lahmlegung der inländi- 
schen Tabakproduktion und der Tabakfabriken in 
Ostgalizien. Der Nachschub der für die Zigarren- 
and Pfeifentabak-Frzeugung benötigten Überseetahake 
Abb. 2. Tabakfabrik Stein IV 
Im gleichen Jahre wurden exportiert: 
Zigarren . . . . .rund 2.300 Meterzentner 
Zigaretten . . .. . » 7.800 » 
Rauchtabake . . . . » 1.400 n 
m Werte von 9 Millionen Kronen. 
Der Ertragskoeffizient (Verhältnis des Kassaüber- 
ichusses zu den Einnahmen) betrug 64°602°%. 
_ Die k. k. Tabakregie bildete also ein großes, wohl 
fundiertes Unternehmen, eines der wertvollsten Ak- 
üiva des alten Staates. Als es sich später im Zuge 
der Sanierung des neuen Österreich um die 
Sicherstellung der Völkerbundanleihe han- 
delte, fanden die Kreditgeber daher auch in dem der 
Republik Österreich verbliebenen Teile der k.k. Ta- 
bakregie noch ein Pfandobjekt von so bedeutendem 
Werte, daß es ohne Risiko zur Grundlage großer 
Kreditoperationen gemacht werden konnte. 
war unterbunden. Es kam schließlich jene Zeit, da 
unter dem Zwange der katastrophalen Tabaknot bei 
den Pfeifentabaken zu Ersatzmitteln, wie Hopfen 
und Buchenlaub, gegriffen werden mußte. Nicht minder 
schwierig wurde die Beschaffung der Zigarettentabake, 
obwohl ihre wichtigsten Erzeugungsgebiete in den 
5sterreich verbündeten Staaten, der Türkei und Bul- 
zarien, gelegen waren. Wegen des Krieges war der 
Tabakbau in diesen Staaten auf ein Minimum gesun- 
cen und die Produktion genügte bei weitem nicht 
ür den Bedarf der Vierbundstaaten. Trotz möglich- 
ter Ausnützung der noch verbliebenen inländischen 
und ungarischen Tabakproduktion mußte die Er- 
zeugung auf ungefähr die Hälfte des Frie- 
densumfanges gedrosselt und in der Folge zur 
Regelung des Konsums die Raucherkarte eingeführt 
werden. Auch die Beschaffung der Hilfs- und Betriebs- 
toffe bereitete immer größere Schwierigkeiten. Sie
	        
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