Abb. 3. Zigaretten-Maschinensaal
konnten nicht in ausreichender Menge und überdies
nur in wesentlich verschlechterter Qualität erlangt
werden. Die Betriebsgebäude waren schlecht instandgehalten,
der Maschinenpark wegen des Mangels an geschultem
Bedienungspersonal und infolge der Unmöglichkeit,
einwandfreie Ersatzteile zu beschaffen,
übermäßig abgenützt.
So lagen die Verhältnisse, als mit der Monarchie
auch die k. k. Tabakregie zu bestehen aufhörte und
in mehrere Teile zerfiel, von denen einen die heutige
österreichische Tabakregie bildet.
IL Die österreichische Tabakregie — Nachkriegszeit
und Wiederaufbau.
Beim Zerfall der Monarchie gingen 21 Tabakfabriken,
unter ihnen einige mit Transitdepots für Rohstoffe,
5 Tabakverschleißmagazine und alle Tabakeinlösungsämter
in den Besitz der Nachfolgestaaten über.
Der österreichischen Tabakregie verblieben
nur 9 Tabakfabriken (Wien-Ottakring, Wien-Rennweg,
Hainburg, Stein, Linz, Hallein,
Fürstenfeld, Klagenfurt und Schwaz), 3 Verschleißmagazine
(Wien-Alsergrund, Wien-Ottaking
und Graz) und das Verwaltungsgebäude der
“eneraldirektion in Wien (siehe Abb. I).
Besonders empfindlich machte sich später bei der
Anschaffung normaler Rohstoffbestände der Verlust
an Rohstoffmagazinen und Transitolagern
geltend. Durch den Wegfall einiger großer Fabriken mit
Transitolagern (Göding, Laibach, Winniki) hatte die Tabakregie
den größten Teil ihrer Lagerräume für Rohstoffe
eingebüßt und verfügte nur noch über Lagerräume,
die für den Rohstoffbedarf der neuen österreichischen
Tabakregie ganz unzureichend waren.
Auch die Produktionskapazität
der Fabriken des neuen Österreich
stand mit dem Konsum der Bevölkerung
nicht im Einklange. Vor
dem Umsturze hatte der Konsum
Wiens und der alpenländischen
Industriegebiete den
Durchschnitt weit überragt
und es mußte zu dessen Befriedigung
ein erheblicher Teil der Produktion
von Fabriken herangezogen
werden, die außerhalb dieser Konsumgebiete
lagen und nun nicht
mehr zu Österreich gehörten.
Im alten Österreich betrug der
Konsum der Länder, die das heutige
Österreich bilden, im Jahre 1013
Zigarren 463,437.037 Stück
Zigaretten 1.053,766.414 »
Zigarettentabake 10.5490°00O q
Pfeifentabake 54.000°68
Die Produktion der in diesen
‚ändern gelegenen Tabakfabriken betrug 1013:
Zigarren . .. . . . 205,086.326 Stück
Zigaretten . . . . . 2.038677.010 „
Zigarettentabake . . . 11.367115 q
Pfeifentabake . , .. 606.418°61
Die Leistungsfähigkeit der Österreich verbliebenen
Betriebsstätten reichte also unter normalen
Verhältnissen nicht aus, um den inländischen
Bedarf an Rauchmaterial zu decken. Besonders groß
war der Ausfall in Virginierzigarren, da von den
vier Virginierfabriken der alten Tabakregie drei an
die Nachfolgestaaten gefallen waren, und auch für
den Bedarf an Zigaretten, deren Konsum in der
Kriegszeit sprunghaft gestiegen war, genügten die
verfügbaren Betriebe nicht.
Vorerst gelang es jedoch nicht, auch nur die Lei-;tungsfähigkeit
der vorhandenen Betriebe auszunützen-Die
Beschaffung der Rohstoffe, Hilfsstoffe und der
Betriebsmaterialien war in dem verkleinerten Wirtichaftsgebiete
mit seiner sich täglich verschlechternden
Währung noch schwieriger als im Kriege. Valuten
zum Rohstoffankaufe standen nicht zur Verfügung;
auch langjährige Lieferanten ließen die Tabakregie
m Stiche und gewährten keine Kredite. So war die
‚abakregie gezwungen, die benötigten Rohstoffe
zunächst durch Vermittlung spekulativer Elemente
sicherzustellen, die sich das Risiko der Kronenentwertung
durch Preise bezahlen ließen, welche den
Aandelswert der gelieferten, qualitativ wenig entsprechenden
Rohstoffe weit übertrafen. Der Verfall
der Baulichkeiten und die Abnützung des
Maschinenparkes ging mangels der für die Instandsetzung
nötigen Geldmittel und Materialien unzufhaltsam
weiter.