Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

Abb. 6. Technologisches Gewerbemuseum, Versuchsanstalt für
Elektrotechnik

Einrichtungen zur vollständigen Durchführung der Untersuchung
 nicht ausreichen. Die ganze chemische Versuchsanstalt
 ist aus einer Sektion des Technologischen Gewerbemuseums
 vor etwa zwei Dezennien hervorgegangen.
Im Jahre 1925 wurde über Anregung des kürzlich
verstorbenen Professors Dr. Emil Fromm die Technische
 Versuchsanstalt der Österreichischen
Heilmittelstelle gegründet. Die Anstalt wurde auto-:isiert
 für das Gebiet: Pharmazeutische Präparate einschließlich
 Drogen und Verbandstoffe, chemische Reazenzien,
 Fette, Wachse, Mineral- und fette Öle. Die
Versuchsanstalt erfreute sich von Anbeginn an einer
intensiven Inanspruchnahme von seiten der Industrie
und des Handels. Durch die Angliederung der Versuchsanstalt
 an die Österreichische Heilmittelstelle, eine gemischt-wirtschaftliche
 Unternehmung, gegründet auf
Grund eines Ministerratsbeschlusses vom Jahre 1919 vom
Bundesstaat Österreich und dem Wiener Krankenanstaltenfonds,
 erfuhr diese eine sehr wertvolle Ausgestaltung
and Vertiefung in wissenschaftlicher Hinsicht. Da der
Heilmittelstelle als der Lieferantin der Spitäler und
chemischen Institute Österreichs eine große Bedeutung
zukommt, muß jede Maßnahme begrüßt werden, die
geeignet erscheint, ihre Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit
 zu erhöhen. Durch die Technische Versuchsanstalt
 ist man zweifellos diesem Ziel um ein bedeutendes
 Stück näher gekommen.
Eine der ältesten chemischen Versuchsanstalten in
Wien ist die Warenprüfanstalt und Untersuchungsanstalt
 für Nahrungs- und Genußnittel
 des Allgemeinen österreichischen
Apotheker-Vereines. Ursprünglich nur auf das
pharmazeutische Gebiet beschränkt, hat sich die Tätigkeit
 des Institutes im Laufe der Jahre zunächst auf die
Untersuchung von Lebensmitteln und dann weiter auf
das allgemein-chemische Gebiet erweitert. Die Anstalt
war die erste in Österreich, welche im Jahre 1889 die
Untersuchung von Lebensmitteln aufgenommen hat. Die
Warenprüfungsanstalt befaßt sich mit Analysen der
verschiedensten Art, mit der Untersuchung pharmazeutischer
 und kosmetischer Produkte, mit der Prüfung von
Materialien der anorganisch-chemischen Großindustrie.
Auch auf Fette, Öle und Seifen, auf Schmieröle, Metalle

und Erze erstreckt sich die Tätigkeit. Viele Untersuchungsmethoden
 der Pharmakopöa wurden hier ausgearbeitet
und überprüft. Auf technischem Gebiete wurde durch
die Mitarbeit des Institutes die Klebestofferzeugung in
Österreich, die vor dem Kriege vollständig fehlte. auf
eine wissenschaftliche Basis gestellt.
Die Technische Versuchsanstalt für Lebensmittelindustrien
 des Vereines „Lebensmittelversuchsanstalt
 der Industrie, des Handels und des Gewerbes”
in Wien wurde im Jahre 1926 gegründet. Sie stellt eine
Erweiterung der schon während des Weltkrieges gegründeten
 Versuchsanstalt für Müllerei, Bäckerei, Hefeerzeugung
 und verwandte Gewerbe dar und ist aus
dieser Anstalt hervorgegangen. Diese in der kurzen Zeit
ihres Bestandes zu großer Blüte gelangte Versuchsanstalt
befaßt sich vornehmlich mit den Verfahren der
Lebensmittelindustrien. Sie ist also nicht so sehr eine
Untersuchungs- und Kontrollanstalt für Lebensmittel,
sondern sie unterstützt das Gewerbe hinsichtlich einer
Verbesserung und Verbilligung der Verfahren, Nutzbarnachung
 der Nebenprodukte, Feststellung der Produkionskosten,
 Einschränkung des Wärme- und Arbeitsaufwandes
 und dergleichen.
Die Österreichische Versuchsstation und
\kademie für Brauindustrie hatte besonders
jchwer unter den Wirkungen des Krieges und der Nachxriegsperiode
 zu leiden. Auch diese altangesehene Anstalt
 konnte aber die Schwierigkeiten überwinden und
befindet sich derzeit in aufsteigender Entwicklung.
Mit der Prüfung von Erzeugnissen der Ton-, Glasınd
 Emailindustrie befaßt sich die Versuchsanstalt
‚ür Keramik, Glaswaren und Email am Chemischen
 Laboratorium der Kunstgewerbeschule
in Wien. Auch die Untersuchung von Roh- und Hilfsstoffen
 dieser Industrien fällt der Anstalt zu. Für die
arst im Stadium der Entwicklung stehende österreichische
Slasindustrie ist die Mitarbeit dieses Institutes von
hervorragender Bedeutung.
Die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt
znthält in ihrem Rahmen eine besondere Versuchsanstalt,
lie für das Gebiet Photochemie und graphische Druckzerfahren,
 Photographie und Reproduktionsverfahren,
Buch- und Nlustrationsgewerbe autorisiert ist. Schon aus
dieser Aufzählung erhellt das Tätigkeitsgebiet der Anstalt,
 die eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen
 auf dem Gebiete der Photographie und Photochemie
 herausgebracht hat. Es gelang der Versuchsanstalt
 auch nach dem Abgange ihres Gründers J. M.
Ader und seines Mitarbeiters Valenta sich auf der
raditionellen Höhe der wissenschaftlichen Leistung zu er-1alten.
 Von den Arbeiten der letzten Zeit haben die Untersuchungen
 über die Durchlässigkeit von Fenstergläsern
‘ür ultraviolette Strahlung praktische Bedeutung für das
Baugewerbe gewonnen. Durch eine derartige Prüfung
werden die Gläser in zwei Partien sortiert, nämlich die
schlecht durchlässigen, die für Gemäldegalerien: und
Sammlungen verwendet werden, und die stark durchlässigen,
 welche für Wohnräume, Spitäler und Sanatorien
in steigendem Maße Eingang finden. Die Anstalt prüft
Lichtquellen mittels optischer und aktinischer Photoneter.
 Eine Anzahl derartiger Apparate zeigt Abb. 5.
Die lichtempfindlichen photographischen Schichten werden
            
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