Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

wichtigsten Staatsbetriebes eine besondere Bedeutung 
zukommen. In dem Widerstreit der Meinungen über 
den einzuschlagenden Weg drang schließlich die Ansicht 
durch, daß die Sanierung dieses Betriebes nur durch 
nöglichste Loslösung vom Staatsbudget und durch die 
Schaffung einer von der Staatsverwaltung möglichst un- 
abhängigen, nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen- 
den Verwaltung gelingen könne. 
In dieser Richtung bewegten sich auch die Ver- 
besserungsvorschläge des zur Begutachtung der öster- 
reichischen Eisenbahnen berufenen Sir Acworth. Nach 
seinem Gutachten war die Herstellung des Gleichge- 
wichtes zwischen Ausgaben und Einnahmen nur unter 
der Voraussetzung möglich, daß dem Bundesbahn- 
betriebe alle jene Lasten abgenommen werden, die ihm 
seinerzeit im gesamtstaatlichen Interesse aufgebürdet 
worden waren, 
daß der innere Dienstbetrieb, insbesondere durch 
versonalabbau, vereinfacht und verbilligt werde und 
daß bei Festsetzung der Tarife die Tragfähigkeit der 
Wirtschaft und die unumgänglichen Erfordernisse des 
neugeordneten Bahnbetriebes gegeneinander wohl ab- 
zewogen werden. 
Die auf Grund des Bundesbahngesetzes vom 19. Juli 
19023 errichtete Unternehmung „Österreichische Bundes- 
bahnen“ trat mit dem I. Oktober 1923 ins Leben. Ihre 
ünanzielle Selbständigkeit ist durch die Bestimmungen 
des Bundesbahngesetzes gewährleistet. Die bundesstaat- 
lichen Stellen werden durch monatliche Gebarungsnach- 
weisungen über die Einnahmen und Ausgaben und 
über den Schuldenstand fortlaufend unterrichtet. Die 
Geldwirtschaft der Österreichischen Bundesbahnen ist 
von jener des Bundes vollkommen losgelöst. Der Kassen- 
dienst mußte dementsprechend nach dem KGesichts- 
punkte raschester Konzentration der Kassenbestände 
und bestmöglicher Verwertung der Gelder neu geregelt 
werden. Die bei den Kassen des Transportdienstes ein- 
gehenden Gelder wurden unmittelbar an die zur Über- 
nahme bestimmten Bankstellen geleitet; ferner wurde 
durch die Zentralisierung des Verkehrseinnahmendienstes, 
des Werkstättendienstes, der Dienstgüterbeschaffung und 
des Steuerdienstes, durch die Zusammenfassung des 
Dienstes: in fremden Währungen und aller sonstigen 
größeren Zahlungen in der Landeswährung bei. der 
Generaldirektion der Zahlungsdienst und die Verfügung 
über die Kassenbestände an einer Stelle vereinigt. Die 
bei den Bundesbahndirektionen bestehenden Direktions- 
kassen konnten aufgelassen werden. Das Rechnungs- 
wesen wurde durch die Einrichtung einer den modernen 
xaufmännischen Buchführungs- und Verrechnungsgrund- 
sätzen angepaßten Buchführung und einer Hauptbuch- 
haltung in .der Generaldirektion reformiert. . 
Eine wichtige Aufgabe der. neuen Unternehmung 
bestand darin, die vom Bunde übernommenen Ver- 
mögensbestände in einer für den I. Oktober 1923 auf- 
zustellenden Eröffnungsbilanz festzulegen. Die über die 
steuerrechtliche Auswirkung dieser Bilanz angestellten 
Untersuchungen führten zu dem Entschlusse, in dieser 
Bilanz das Anlagevermögen noch unaufgewertet darzu- 
stellen. Die für den I. Oktober 1923 errichtete Eröffnungs- 
bilanz wies daher das Anlagekapital und die Anlage- 
schulden noch mit den Buchziffern, also ohne Umstellung 
auf eine einheitliche, wertbeständige Währung aus. Erst 
die auf Grund des Goldbilanzgesetzes für den I. Jänner 
°925 errichtete Goldbilanz der Österreichischen 
Bundesbahnen stellt die Vermögensbestände auf 
3asis des heutigen Geldwertes dar und gibt damit ein 
3ild der wahren Vermögenslage der Österreichischen 
Bundesbahnen. In dieser Bilanz erscheinen die auf 
srund einer fachmännischen Schätzung ermittelten An- 
ageaktiven mit rund 2668 Millionen Schilling; ihnen 
stehen Anlageschulden von rund 175 Millionen Schilling 
zegenüber, Der große Unterschied zwischen den Anlage- 
\ktiva und -Passiva findet in der nur teilweisen Auf- 
vertung der Anlageschulden seine Erklärung, er bildet 
>ne Reserve für eine allfällige Aufwertung dieser 
schulden. 
Über die von dem Wirtschaftskörper „Österreichische 
3undesbahnen“ erzielten finanziellen Erfolge geben die 
seschäftsberichte über die Jahre 1024 bis 1927 Aufschluß. 
‘m nachstehenden werden die Gebarungsergebnisse 
dieser vier Jahre nachgewiesen und des Vergleiches halber 
jene des Jahres 1923 vorangestellt. In diesem Jahre 
;tanden die Bundesbahnen noch bis Ende September 
unter staatlicher Verwaltung, die Südbahn führte nodhı 
zine getrennte Rechnung, nach einem von jenem der 
Bundesbahnen teilweise abweichenden Buchungsplane. 
Die Erfolgsziffern für 1923 konnten daher nur durch Zu- 
;ammenstoß der auf eine gleiche Grundlage gebrachten 
Teilrechnungen gebildet werden. 
SEN N 
Il 1928 | 1924 | 1925 | 1926 | 1927 
Millionen Schilling 
Betriebsrechnung 
Betriebseinnahmen ein- 
schließlich Verkehrs- 
steuern 
Personen und Gepä& . 
Güter, einschließlich Post 
Verschiedene Einnahmen 
Summe der Einnahmen 
Betriebsausgaben . . . 
931 |18332 |1724 1874 1850 
2692 |3161 |318:4 | 3453 | 3668 
319 | 272 | 435 | 425 | 455 
3942 |476:5 |534'3 15752 | 5978 
447:6 4778 |532-7 | 5658 | 5734 
Betriebsübershuß , . . 
Betriebsabgang . 
Schuldendienst . 
Sonstige Posten 
Aktiv-Saldo . 
Passiv-Saldo . 
Reinverlust .,.. ,. 
Reingewinn -. 
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1'P 
4‘ 289 
91°9 
10% 
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Wie sich aus der vorstehenden Darstellung zeigt, war 
;chon in den Jahren 1924 und 1925 das Gleichgewicht 
zwischen Ausgaben und Einnahmen nahezu erreicht. Das 
Jahr 1926 brachte wohl noch einen Rückschlag, das Jahr 
1927 schloß aber schon mit einem wenn auch kleinen 
Überschuß ab. 
Dieses Ergebnis wurde dadurch erzielt, daß es gelang, 
die Steigerung der Ausgaben trotz Zuwachses neuer 
„asten doch so zu verlangsamen, daß sie hinter der 
Steigerung der Einnahmen zurüchlieb.
	        
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