Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Betriebseinnahmen gegenüber der Vorkriegszeit ein 
ungemein schwieriges Problem. Während der Inflation 
zlich die Lage der österreichischen Schiffahrt {fast 
vollständig jener der Staatsverwaltung: die Einnahmen 
blieben (in Gold) dauernd hinter den Ausgaben zurück. 
Der verständliche Wunsch der Angestellten nach 
weiterer Valorisierung ihrer Einkommen ‚mußte aber 
erfüllt werden, ohne daß auf der anderen Seite die 
Zingänge im gleichen Maße erhöht werden konnten. 
Bei dieser Lage mußten die Schiffahrtsbetriebe sich 
verschulden, so daß dann auch noch Zinsenlasten hinzu- 
traten. Besonders dornig war hiebei die Pensionsfrage. 
Die österreichische Schiffahrtsgesellschaft besaß seit 
jeher einen Pensionsfonds, dessen Mittel aber durch 
die Inflation und die Mietengesetzgebung praktisch 
vernichtet wurden. Es machte sich nun unter den 
Pensionisten, aber auch unter den aktiv Angestellten, 
sine lebhafte Bewegung dahin geltend, daß das Unter- 
nehmen die Pensionslasten '’unmittelbar auf sich nehmen 
solle. Tatsächlich hat die Gesellschaft sich zu diesem, 
wenn auch sozial sehr wünschenswerten, so doch 
überaus folgenschweren Entschluß auf einer gewissen 
Grundlage bereit gefunden. ; 
Gegenüber der Vorkriegszeit hat sich also folgendes 
wesentlich geändert: Die schwimmenden Betriebsmittel 
sind (ohne angemessene Geldentschädigung) auf die 
Hälfte vermindert. Gleichzeitig wurde der österreichi- 
schen Flagge das Befahren der sogenannten Territorial- 
zewässer, wie die Kabotage im jugoslawischen und 
rumänischen Staate untersagt. Das Transportvolumen 
im Donauschiffahrtsgeschäfte ist durch die Verarmung 
der Uferstaaten wie durch den Rückgang insbesondere 
der landwirtschaftlichen Produktion auf einen Bruchteil 
des Friedensgeschäftes vermindert, ohne daß dabei der 
auf der Donau vorhandene Frachtraum geringer ge- 
worden wäre als im Jahre 1913. Vielmehr ist der Wettbewerb 
durch die zum Teile wesentlich gestärkte, zum Teile ganz 
neu‘ entstandene Konkurrenz der nationalstaatlichen 
Donauflotten wesentlich verschärft worden. Das Per- 
sonal der abgegebenen Schiffe war fast vollständig bei 
der Muttergesellschaft verblieben, mußte also im Zuge 
von Abbauaktionen teilweise abgefertigt oder pen- 
sioniert werden. Der Pensionsfonds selbst ist tatsächlich 
aufgezehrt. Die Gesellschaft wird von den sich er- 
zebenden Versorgungslasten unmittelbar betroffen. Die 
staatliche Subvention ist nach dem Zusammenbruche 
weggefallen. 
Diese kurzen Hinweise zeigen, wie außerordentlich 
schwierig die Lage der Donauschiffahrt und insbesondere 
‚jene der österreichischen Flagge geworden ist. Trotzdem 
durch eine Summe von Maßregeln ein Teil der hier 
gekennzeichneten Uebel und Schäden vermindert 
werden konnte, ist doch noch ein so großer Rest an 
solchen verblieben, daß von einer Gesundung noch 
keineswegs gesprochen werden kann. Die österreichische 
Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft war bisher bemüht, 
sich selbst zu helfen. Ueber ihre Veranlassung 
wurde zum Zwecke der Rationalisierung eine Betriebs- 
zemeinschaft geschaffen, an deren weiterem Ausbau 
zur Ersparung noch vermeidbarer Kosten intensiv 
zearbeitet wird. Trotzdem diese Zusammenfassung von 
zer großen Donauschiffahrten zu einer einheitlichen 
Zetriebsorganisation eine wesentliche Besserung des 
Verhältnisses zwischen Finnahmen und Kosten 
nit sich gebracht hat, kann doch die Frage, ob damit 
ichon alle oberwähnten Nachteile völlig kompensiert 
ind, leider nicht befriedigend beantwortet werden. 
[rotz zehnjähriger eifriger Arbeit sind die gewaltigen 
Schäden, die das Kriegsende nach sich gezogen hat, 
nur teilweise beseitigt. 
Wenn ich nach dieser Kennzeichnung der Lage, wie 
je insbesondere durch die Bestimmungen der Friedens- 
‚erträge und durch die wirtschaftlichen F. olgewirkungen 
les Krieges herbeigeführt wurde, mich der Zukunft 
‚uwende, so soll keineswegs verkannt werden, daß 
;tarke Kräfte tätig sind, um die Wunden auch wieder 
zum Verheilen zu bringen. Zunächst hat sich die Stabili- 
;;erung der Währungen, die heute in fast allen für 
das Donaufrachtgeschäft wichtigen Gebieten durch- 
geführt ist, ungemein wohltätig ausgewirkt. Damit war 
n den einzelnen Uferstaaten die unerläßliche Grund- 
age für eine Neubelebung der Erzeugung wie des 
Tandels gegeben. Tatsächlich sind auch die Verkehrs- 
üffern in raschem Steigen begriffen. Die österreichische 
Jonauschiffahrt konnte ihr Gesamttransportsubstrat 
;eit der Stabilisierung, das ist von 1923 auf 1027, von 
5 Millionen Meterzentner auf 122 Millionen Meter- 
zentner, das ist um etwa 103% steigern. Diese Ziffer 
zeigt einen kräftigen Auftrieb und läßt erkennen, daß 
las Donauschiffahrtsgeschäft innerlich durchaus gesund 
ınd entwicklungsfähig ist. Weiters ergibt sich aus der 
’eichen Maisernte Rumäniens im Jahre 1927, wie 
>benso aus der guten Weizenernte in Jugoslawien im 
lahre 1928, daß bei günstigen Verhältnissen die Land- 
virtschaft dieser so wichtigen Fxportgebiete trotz der 
»ben gekennzeichneten strukturellen Veränderung doch 
:chon wieder mit großen Mengen marktfähig sein 
sann. Zur Stärkung des Bergverkehres trägt namentlich 
auch die Entwicklung des Bedarfes an Benzin bei 
vährend auf der anderen Seite der bedeutende Zu- 
vachs deutscher Industrieexporte nach den Donau- 
ändern die Hoffnung gibt, daß auch das vom Stand- 
»unkte der Ausnützung der Fahrbetriebsmittel überaus 
wichtige Talgeschäft — das heute schon die Menge 
ler Vorkriegszeit vielfach übertrifft — eine weitere 
zute Entwicklungsfähigkeit besitzt.. Wenn noch be- 
‘ücksichtigt wird, daß die Betriebsgemeinschaft im 
Jonauverkehre bei entsprechendem Ausbau eine 
wirtschaftliche Gebarung und eine Verbesserung 
les Verkehres verspricht, so darf gesagt werden, 
das die ökonomischen Grundlagen für eine starke 
’sterreichische Donauschiffahrt durch die Kriegs- 
‘olgen zwar verschoben, aber keineswegs zerstört sind. 
Die Schwierigkeiten liegen mehr in der Rekonvales- 
:enz, als in der Zukunft. In diese kann man bei Er- 
‘üllung der auf finanziellem, kommerziellem und tech- 
aischem Gebiet gelegenen Voraussetzungen hoffnungsvoll 
blicken. 
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