ein Kaufmann seiner Kundschaft, aus deren
größtmöglicher Befriedigung er seinen größtmög-
lichen Gewinn zieht. Dieser für die Rationalisierung
zo fruchtbare Gesichtspunkt, der von allen veralteten
Ansprüchen auf absondernde Überordnung weit
abgerückt ist, kommt. überall auch schon in der
äußeren Form, in der die Anstalt vor die Öffent-
lichkeit tritt, zum Ausdruck, mag es sich etwa um
das Schreibwesen handeln, in dem der früher übliche
sogenannte Kurialstil mit seiner die Würde festhal-
tenden, zur Schwerfälligkeit zwingenden Unpersön-
lichkeit schon lange durch die persönliche, kurz und
bündig gefaßte Schreibweise ersetzt wurde, oder etwa
um die neuzeitliche Ausstattung der Postämter, in
deren Parteienräumen alle trennenden Scheidewände
zwischen Beamten und Publikum gefallen sind, so
daß die volle Öffentlichkeit des Dienstes
nanchen Anlaß zu Mißverständnissen benimmt und
die Versorgung aller Beteiligten mit Licht und Luft
beträchtlich erleichtert wird. Daß es bei der äußeren
Form allein nicht geblieben ist, wie sehr vielmehr die
grundsätzliche Bedeutung des geschäftlichen Momentes
in ihrer vollen Tragweite für die Verwaltung des
Post- und Telegraphenwesens gewürdigt wird, beweist
der Umstand, daß Verwaltungsmaßnahmen, die früher
jediglich als solche vollzogen wurden, nunmehr auch
als Geschäftsangelegenheiten durchgeführt und
mancherlei Maßnahmen auch lediglich geschäftshalber
getroffen werden. Früher hatte zum Beispiel die Ver-
waltung das Wiener Telephonbuch, einen Band von
mehr als 700 Seiten, selbst herausgegeben. Seit län-
gerem schon wird nun die Herstellung und Ausgabe
von der Staatsdruckerei in Verbindung mit einer be-
währten Ankündigungsgesellschaft durchgeführt, die
ıhren Gewinn in der Verwertung des Buches zu
Reklamezwecsen sucht. Es erwachsen der Post- und
Telegraphenverwaltung keine Kosten, kein Verkaufs-
visiko und die für den Dienstgebrauch erforderlichen
Stücke stellt ihr die Staatsdruckerei kostenlos bei.
Auf ähnlicher Grundlage wurde der Staatsdruckerei
auch die Herstellung und Ausgabe des Kursbuches
übertragen und auch das Wiener Postbuch, früher
zleichfalls von der Post herausgegeben, wird mit
einem privaten Behelfe, dem Wiener Häuser- und
Straßenverzeichnisse, vereinigt, und die Post erhält
die zum Dienstgebrauche erforderlichen Stücke eben-
falls kostenlos. Im Jahre 1923 ist die Postreklame
zingeführt worden. Sie wird ebenfalls nicht von der
Post selbst betrieben, sondern ist einer bewährten
Unternehmung übertragen worden. Die Post hat ihr
lie für den Parteienverkehr dienenden Innenräume
von rund 2050 Dienststellen zur. Anbringung der
Reklameplakate zur Verfügung gestellt und erhält
dafür 50%, vom Bruttobetrage aller Reklameaufträge.
Nicht unerwähnt wäre in diesem Zusammenhange
zu lassen, daß die Post eigene Wohltätigkeits-
marken herausgibt., deren Reingewinn wohltätigen
Postgarage in Hofgastein
Zwecken, die die Bundesregierung bestimmt, zugeführt
wird. Der hohe künstlerische Wert der zuletzt im
'ahre 1926 nach einjähriger Pause herausgegebenen
Warkenreihe, die mittels Kupferdruckes hergestellt,
‚erschiedene Darstellungen aus dem Nibelungenlied
zeigt, hat auch im Ausland für die österreichische
Kunst geworben.
Sollten diese Beispiele zeigen, wie sich die Post
;elbst über die Grenzen ihres eigentlichen Verwal-
:ungsgebietes hinaus keinerlei Möglichkeiten der
zeschäftlichen Ausnützung ihrer Einrichtungen ent-
zehen läßt, so bedient sie sich in erster Linie aller
zeschäftlichen Methoden doch zur Erfüllung ihrer
Tauptaufgabe, der Ausgestaltung des Verkehres, wie
lie zahlreichen Neuerungen beweisen, zu denen die
Anregung aus der engen Fühlungnahme mit dem
Zeschäftsleben und aus dessen unmittelbarsten Be-
lürfnissen geschöptt wurde. So hat zum Beispiel die
’ost seit längerem begonnen, ihre Kunden selbst
zu besuchen, indem seit Dezember 1923 für Ge-
ichäftsunternehmungen, die täglich eine größere Zahl
‚on Paketen aufzugeben haben, der werktägige
>aketeinsammlungsdienst eingerichtet wurde.
Die Einsammlung wird mit Kraftwagen besorgt und
lie Pakete werden, ohne das sonst für den Absender
zuständige Aufgabepostamt zu berühren, unmittelbar
x den Wiener Bahnpostämtern geführt, von wo sie
gleich auf die betreffenden Bahnpostkurse abgeleitet
werden. Dadurch wird nicht nur eine Beschleunigung
in der Abfertigung erzielt, sondern es werden auch
die betreffenden Aufgabepostämter in hohem Maße
ntlastet und unnötige Kursfahrten vermieden. Das
\bwägen, Bezetteln und das sonstige Vorrichten der
”akete wird von den Absendern besorgt, die auch
das erforderliche Personal zum Verladen beistellen.
Zu Beginn des‘ Jahres 1924 haben 19 Firmen mit
ner Monatsaufgabe von 15.000 Paketen am Ein-
‚aammlungsdienste teilgenommen, zu Ende 1927 belief
ich die Monatsaufgabe auf rund 60.000 Pakete.
Zinem anderen Bedürfnisse des Geschäftslebens ent-
Fa