haltung und keinerlei Ausbau erfahren. Bei dieser
kaum mehr haltbaren Lage mußten zunächst alle
Anstrengungen darauf gerichtet werden, den drohen-
den Zusammenbruch der Anlagen zu verhüten. Als
dann das Genfer Sanierungsprogramm die Möglich-
keit des Wiederaufbaues bot, war nicht nur die schon
vor dem Kriege begonnene Automatisierung wieder
aufzunehmen, sondern gleichzeitig auch ein ausgiebiger
Ausbau der Ortssprechnetze und der zugehörigen
Fernsprechämter planmäßig durchzuführen und ebenso
nicht nur das Überlandfernsprechnetz in ein Kabel-
netz umzuwandeln, sondern gleichzeitig auch die
dringendst notwendige Erweiterung dieses Netzes in
großem Umfange vorzunehmen. Es wurden daher
bereits vom Jahre 1924 angefangen namhafte Beträge
für den Ausbau der Fernsprechanlagen aufgewendet,
und zwar 1924: 10°0 Millionen Schilling, 1925 10°0
Millionen Schilling, 1926 39°3 Millionen Schilling,
10927 732 Millionen Schilling und 1928 66'6 Mil-
lionen Schilling.
Die’ Zahl der Ortsnetze wurde in den Jahren 1924
bis 1927 von 1244 auf 1570, also um 326 vermehrt
und die Zahl der Vermittlungsämter. in der gleichen
Zeit von 1473 auf 1787, also um 314 erhöht. Außer-
dem sind in der Zeit von 1021 angefangen nach-
stehend angeführte Fernsprechämter mit Vielfachum-
schaltern neu eingerichtet worden:
Innsbruck für 3500 Anschlüsse
Salzburg „ 2400
Baden . [1500
Klagenfurt 1500
Wr. Neustadt '440
St. Pölten ‘200
Mödling 900
Villach J00
Leoben 540
Badgastein 500
Steyr » 600
Semmering »„ 200
Alle diese Ämter, die zum Teil nach dem Orts-
batterie-, zum Teil nach dem Zentralbatteriesystem
und mit Glühlampensignalisierung eingerichtet sind,
lassen sich durch Ergänzung des Vielfachumschalters
und des Hauptverteilers dem Verkehrsbedürfnisse
entsprechend ausbauen.
In Wien war die Vermehrung der Fern-
sprechämter und ihre Erweiterung mit der Frage
der Umstellung des Ortsverkehres auf das auto-
matische System eng verknüpft. Da die altöster-
reichische Telegraphenverwaltung als eine der ersten
auf dem Kontinent darauf bedacht gewesen war, sich
die Vorteile des automatischen Systems nutzbar zu
machen, war der Ortsverkehr Wiens bereits vor dem
Kriege bis zu 40 vom Hundert automatisiert, und
zwar hatte man für Wien des leichteren Überganges
wegen das halbautomatische System gewählt, Bei
diesem System leitet erst die vom Sprecher aufzu-
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-ufende Besetzung die selbsttätige Verbindung ein.
Während des Krieges war in der Umwandlung des
Vetzes nicht fortgefahren worden. Betriebsfertig waren
ıutomatische Einrichtungen für eine Höchstaufnahme
on 22.000 Einzelanschlüssen und 12.000 Gesell-
‘cChaftsanschlüssen. Sie verteilten sich auf vier große
“ernsprechämter (Zollergasse, Afrikanergasse, Taub-
tummengasse und Neutorgasse) und fünf kleine
Meidling, Hietzing, Döbling, Floridsdorf und Sim-
nering). Alle diese Ämter waren jedoch nicht voll
ingeschaltet und eines der großen Ämter, das in
ler Neutorgasse, war überhaupt noch nicht in Be-
rieb, da von den damals vorhandenen 52.000 Teil-
ıehmern erst 20.000 automatisiert waren. Von einer
"ortsetzung der Automatisierung konnte im neuen
Österreich zunächst nicht die Rede sein; es wurden
jelmehr die nicht ortsfesten Bestandteile der Zentra'e
Neutorgasse wieder abmontiert und zur Instandhaltung
ler übrigen Zentralen verbraucht. Erst anfangs 1020
vurde das Fernsprechamt Neutorgasse in Betrieb
zesetzt, womit die Automatisierungsarbeiten wieder
na Fluß kamen. Sie wurden nun nach Möglichkeit
yeschleunigt, so daß Ende 1921 die Automatisierung
zur Hälfte vollzogen war. Nach Ablauf der schwersten
Arisenzeit wurden dann rasch hintereinander drei
große neuerbaute Fernsprechämter, und zwar
im I]. Bezirk, Krugerstraße (Jänner 1923), im IX. Be-
zirk, Hebragasse (Mai 1023) und im IM. Bezirk,
Rasumofskygasse (Ende 1924) dem Betrieb übergeben.
Außerdem war im Jänner 1924 der Betrieb in dem
für 10.000 automatische Anschlüsse umgewandelten
Fernsprechamt Dreihufeisengasse aufgenommen und
im März 1924 mit den Umschaltungen im Fernsprech-
amt Berggasse begonnen worden. So konnte Ende
1924 der Sprechverkehr bereits: zu 00 vom Hundert
automatisch betrieben und am 27. Juni 1925 der
letzte Teilnehmer in Wien vom Hand-
betrieb zum automatischen übergeführt werden.
Statt der anfänglichen vier standen nunmehr acht
zroße Zentralen mit einem Fassungsvermögen für
e 10.000 Anschlußleitungen im Betriebe und außer-
lem noch fünf kleinere, von denen drei ein Fassungs-
‚ermögen für je 4000 und zwei ein solches für je
2000 Anschlußleitungen besaßen. Die Zahl der Teil-
ı1ehmer hatte sich bis zum Abschluß der Automati-
jerung von 52.000 auf rund 70.000 erhöht. Wie
liese steigende Bewegung zeigt, dürfte der Ausbau
Jer Fernsprechämter auch nach der Automatisierung
acht stillstehen. Deshalb wurde im Jahre 1926 das
“ernsprechamt Meidling unter Errichtung eines Zu-
jaues von 4000 auf 10.000 Anschlüsse erweitert.
Wit dieser neunten Zehntausenderzentrale war, da
noch die 12.000 Anschlüsse der kleinen Zentralen in
Betracht kamen, der Ausbau des Hunderttausender-
;ystems (fünfstellige Teilnehmernummern) in Wien
„eendet. Die Errichtung weiterer Zehntausender-
zentralen war mit der Notwendigkeit verbunden,