Telegraphenverwaltung die Kabellinie, die etwas über
500 Kilometer lang ist, wovon 276°5 Kilometer auf
österreichischem Gebiet liegen, im Sinne der Beschlüsse
der Pariser Konferenz vom Jahre 1924 über die Tele-
phonie auf weite Entfernung in gemeinsamer Zu-
sammenarbeit nach den Ausführungsformen der
deutschen Fernkabelanlagen hergestellt. ;
Das österreichische Kabel wurde zu ungefähr
gleichen Teilen von den Firmen Siemens & Schuckert
A. G. und Felten & Guilleaume A. G. erzeugt. Es
ist ein O8 paariges Normalkabel von 276'5 Kilo-
meter Länge mit Pupinspulen und Verstärkerämtern
in Linz, St. Pölten, Amstetten und Wien. Das Ge-
wicht des Kabels beträgt drei Millionen Kilogramm.
Seine Herstellung samt den Muffen, die nur im Inland
erfolgte, erforderte einen Zeitraum von 47 Wochen,
wobei im Mittel 240 Personen beschäftigt waren und
vier Kilometer Kabel wöchentlich erzeugt wurden.
In der Teilstrecke Wien-Purkersdorf wurden die
Kabellegungsarbeiten bereits im Jahre 1925 anläßlich
eines 76adrigen Fernsprechbettungskabels Wien-
Purkersdorf durchgeführt. In der Strecke Purkers-
dorf-Passau war die Ausführung der Montagearbeiten
einschließlich Pupinisierung und Kompensatoraus-
gleich der Firma Siemens & Halske A. G. übertragen.
Die Bauzeit für die Verlegung der Gesamtstrecke
in der Länge von 276°5 Kilometer betrug 36 Wochen.
Im Durchschnitte waren während dieser Zeit 612 Ar-
beiter beschäftigt. Die Erdbewegung betrug 10.400
Kubikmeter. Für die Versendung des Kabels samt
Zubehör und die Rücksendung der leeren Trommeln
waren insgesamt 407 Bahnwagen erforderlich. Außer-
dem mußten zur Verteilung des Kabels auf der Bau-
strecke, sowie zur Beförderung der Baustoffe 58.663
Kilometer Lastautofahrten geleistet werden.
Die Eröffnung des Fernkabels erfolgte am 4. Jänner
1927. Sie .bedeutete den Zusammenschluß des
österreichischen Fernsprechnetzes mit dem
deutschen Netze, das heißt die grundsätzliche
Zulassung des Sprechverkehres aller Fernsprechämter
in Österreich mit sämtlichen Fernsprechämtern in
Deutschland, während bisher dem Verkehrsbedürfnis
aur durch einzeln vereinbarte bestimmte Sprechbe-
ziehungen Rechnung getragen werden konnte. Das
eröffnete Fernkabel hat aber auch eine bedeutende
Erweiterung des außerdeutschen Verkehres, soweit
er durch die deutschen Ämter vermittelt wird, und
außerdem vielfach einen unmittelbaren außerdeutschen
Verkehr ermöglicht. Zunächst wurden direkte Linien
nach den größten Umschalteplätzen Deutschlands und
einige direkte Linien über Deutschland hinaus einge-
richtet. Gegenwärtig bestehen folgende direkte Linien:
a)nach Deutschland: sechs Linien Wien-Berlin, fünf
Linien Wien-Frankfurt a. M., zwei Linien Wien—
München, eine Linie Wien-Nürnberg, eine Linie
Wien-Leipzig, eine Linie Wien-Hamburg, eine
Linie Linz-Passau, zwei Linien Linz-Nürnberg;
%) über Deutschland hinaus:
eine Linie Wien-Paris, eine Linie Wien-Brüssel.
Der Verkehr mit Holland entwickelte sich so
'ebhaft, daß am I. November 1927 eine unmittelbare
Fernkabelleitung Wien-Amsterdam dem Betrieb über-
geben werden konnte. Am 17. August 1927 wurde
der Verkehr mit Belgien auf einer eigenen Kabel-
eitung Wien-Brüssel eröffnet. Am I. Oktober 1927
st durch die Aufnahme der Sprechbeziehung Wien-
Dslo auch Norwegen in den Sprechverkehr Öster-
'eichs einbezogen worden. Am 1. Dezember 1927
vurde über das Amt Frankfurt a. M. der Verkehr
Wien—-London eingerichtet. Der Verkehr mit Dan-
zig, Dänemark und Schweden konnte nach
nbetriebnahme des Kabels . Wien—-Passau von den
hn drosselnden Einschränkungen befreit werden.
\uch der Inlandverkehr hat durch das Fernkabel
Wien-Passau eine wesentliche Steigerung er-
ahren. Der Aufschwung machte sich besonders im
sprechverkehr der Ämter Wien-St. Pölten, Amstetten
md Linz fühlbar, die unmittelbar im Fernkabel Wien-
7assau eingeschaltet sind. Die große Steigerung des
“ernsprechverkehres gegenüber. dem Jahre 1026
:ommt in der Zunahme des von Wien abgehenden
Verkehres im Überlandfernsprechamt Wien zum Aus-
Iruck. Die Zahl der abgewickelten Gespräche hat
äüch um neun von hundert, die Gesamteinnahmen
;aben sich um 21 von hundert erhöht.
Eine zweite wichtige Stufe im Ausbau des öster-
'‚eichischen Fernkabelnetzes ist durch die am 16. August
927 erfolgte Inbetriebnahme der Fernkabelstrecke
ı1ach Budapest erreicht worden. Auch die Eröff-
ıung dieses Kabels bedeutete die grundsätzliche all-
gemeine Zulassung aller Fernsprechämter Österreichs
zum Verkehr mit sämtlichen Fernsprechämtern Un-
zarns, wobei gleichzeitig die bisher bestandenen zeit-
ichen Beschränkungen aufgehoben wurden. Ungarn
ıaat durch das Fernkabel den Sprechanschluß an
Jeutschland und an das über Deutschland hinaus-
zehende europäische Fernkabelnetz erhalten.
Die dritte für Österreich besonders wichtige Fern-
cabellinie ist jene nach der Schweiz (Linz-Ober-
jed,468 Kilometer). Durch dieses Kabel erhält auch Bad-
zastein, das Salzkammergut, die Strecke Salzburg-
3regenz, und über Österreich hinaus die Strecke
Zürich-Genf-Paris, sowie die Linie Budapest-Zürich
nen wesentlich verbesserten Verkehr. Weiters be-
;teht die Aussicht auf einen erweiterten Fernsprech-
‚erkehr mit Frankreich, besonders mit Mittel- und
südfrankreich.
Gleichzeitig mit dem Schweizer Kabel wurde von
‚nnsbruck ein Fernkabel an die deutsche Gren-
ze bei Scharnitz gelegt, das über Kochel-Mün-
chen den Verkehr Tirols nach dem Norden sowie
den Durchgangsverkehr Deutschland-Italien befriedi-
zen wird.
Für die vorläufig letzte Ausbaustufe des Fern-