kabelnetzes nach dem Norden und dem Süden
ist durch Abkommen mit der Tschechoslovakei,
Jugoslawien und Italien vorgearbeitet. Ein Fern-
kabel wird Wien mit Lundenburg verbinden und
sich später auch nach Polen fortsetzen, ein zweites
wird von Wien über Spielfeld nach Jugosla-
wien gebaut. Das von Bruck a. M. über Klagenfurt
nach Villach zu bauende Kabel wird Italien erst im
Jahre 1931 weiterführen.
Wie bereits angedeutet, wirkt das Fernkabelnetz
verkehrssteigernd auf den gesamten Sprechverkehr
im Inland, da ja durch die Vermittlung der unmittel-
bar an das Fernkabel eingeschalteten Ämter alle übri-
gen Fernsprechämter Österreichs an dem Weitver-
kehr teilnehmen können. Mittels geeignet geführteı
Zubringerleitungen können die Ämter bezirksweise
an die Fernkabel angeschlossen werden und es er-
weist sich als zweckmäßig, die zwischen Orten mit
großem Verkehr bestehenden Freileitungen nach
Tunlichkeit durch Bezirkskabel mit einer dem Ver-
kehrsbedürfnis entsprechenden Adernzahl zu ersetzen.
Diese Bezirkskabel sind womöglich unter einem mit
dem Fernkabel zu legen. Bisher wurde mit dem Fern-
kabel Wien—-Passau das Bezirkskabel Wien-Purkers-
dorf, mit dem Fernkabel Wien-Budapest das Bezirks-
kabel Wien-Bruck a. L., mit dem Fernkabel nach
der Schweiz ein Bezirkskabel Linz-Wels, Vöckla-
bruck-Gmunden, sowie ein Bezirkskabel Salzburg-
Lofer und mit dem Fernkabel Innsbruckk-München
ein Bezirkskabel von Innsbruck über Scharnitz bis
Mittenwald verlegt. Auch anläßlich der Elektrifizie-
ung der Österreichischen Bundesbahnen wurden
wichtige Bezirkskabel gelegt, die dann bei späteren
Anlässen ergänzt wurden. Sie schließen sich von
Kufstein über Innsbruck und über den Arlberg bis
3regenz aneinander. Im Jahre 1926 wurden rund
20 Kilometer Bezirkskabel, im Jahre 1927 rund 500
Kilometer Bezirkskabel gelegt. Die Bezirkskabel sind
aicht nur die notwendigen Zuführungsleitungen zu den
Fernkabeln, sondern bilden auch zum Teil eine wichtige
"rgänzung des eigentlichen Fernkabelnetzes, das durch
ie verdichtet und in seiner Betriebssicherheit erhöht
wird.
Da der durch die Fernkabel verstärkte und immer
steigende Weitverkehr auch den Ortsverkehr günstig
veeinflußt, muß für die Erweiterung der Ortsnetze
vorgesorgt und Vorkehrung getroffen werden, in den
Ortisnetzen die Verständigungsmöglichkeit bei einem
Sprechverkehr auf Entfernungen, die bisher nicht inFrage
kamen, zu schaffen. Es wurden daher auch die Orts-
netze im gesamten Bundesgebiete bereits in weit-
gehendem Maße verkabelt. Im Jahre 1926 sind 3306 Kilo-
meter, im Jahre 1927 384 Kilometer Ortskabel gelegt
worden.
Aus dem Gesagten erhellt wohl die ganze Trag-
weite, die deı Bedeutung des Fernkabels zukommt.
Seine Schaffung hat dem österreichischen Fern-
sprechiwesen auf lange Zeit hinaus eine günstige
Fntwicklung gesichert, und das Beispiel der oben
gesprochenen Tonfrequenztelegraphie zeigt, daß die
Möglichkeiten des Fortschrittes, denen der Ausbau
les Netzes zur Grundlage dienen kann, noch nicht
abgegrenzt sind. So weist auch dieses große Werk,
wie die meisten der hier besprochenen Finrichtungen,
die fast alle erst am Anfang ihrer Entwicklung ste-
hen, in eine aussichtsreiche Zukunft und zeugt mit
allem übrigen bisher Erreichten dafür, wie sehr das ein-
gangs angeführte Dichterwort vom neuen Leben, das
mit der sich ändernden Zeit erblüht, für Österreichs
Post und Telegraph zum Wahrwort geworden ist.
RADIO-AUSTRIA A. G
Die Radio-Austria A. G. unterhält auf Grund
einer ihr von der österreichischen Bundesregierung
erteilten Konzession den öffentlichen radio-
telegraphischen Verkehr mit dem Auslande.
Ihr Betrieb ist auf Grund des Telegraphen-Gesetzes
eine öffentliche Telegraphenanstalt.
Die Gesellschaft, an der auch der österreichische
Bundesstaat durch Aktienbesitz beteiligt ist, wurde
im Jahre 1023 gegründet und eröffnete den Verkehr
am 12. Jänner 1924. Die ersten Verkehrsverbindungen
waren jene mit London und Berlin. Die Dienste der
Gesellschaft erfreuten sich in stets zunehmendem Maße
des Vertrauens des Publikums, wodurch sich ein
ständiges Ansteigen des Verkehres feststellen ließ.
Dem Wunsche des Publikums entgegenkommend,
wurden auch immer neue Verkehrsbeziehungen er-
öffnet und rangiert die Radio- Austria A. G. heute, was
die Zahl der europäischen Radioverbindungen anlangt,
an derselben Stelle wie die europäischen Großstaaten.
Es ist daher möglich, im Wege der Radio-Austria
A. G. Telegramme nach allen Ländern der Welt,
mit Ausnahme der Schweiz, der Tschechoslovakei und
Ungarns, zu befördern. Solche Telegramme können
aufgegeben werden entweder bei der eigenen An-
nahmestelle der Gesellschaft „Wien-Radio“, IL, Renn-
gasse 14, oder über besondere Vereinbarung mit der
Gesellschaft auf telephonischem Wege durch Anrufen
der Seriennummer U-25-5-40. Schließlich ist es möglich,
bei jedem Bundestelegraphenamt drahtlos zu beför-
Jernde Telegramme aufzugeben, indem man vor die
\dresse des Telegrammes die gebührenfreie Wegangabe
‚via Radio“ oder „Anten“ schreibt. Solche Telegramme
;bergibt. die Bundestelegraphenverwaltung der Radio-
Austria A.G. zur Beförderung ins Ausland. Aus dem