Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Das Gebäude des Österreichischen Verkehrsbureau 
DAS ÖSTERREICHISCHE VERKEHRSBUREAU 
Von Hofrat Hans Nachbaur, Generaldirektor des Österreichischen Verkehrsbureaus. 
Die Neuzeit ist charakterisiert durch die enorme 
Entwicklung des Verkehres. Wo noch vor 
einem Jahrhundert die Postkutsche über holperige 
Wege rumpelte, durchziehen heute zahlreiche Schienen- 
stränge das Land, verbinden schnellfahrende D-Züge 
die entferntesten Orte, durcheilen modernst ausge- 
stattete Autocars die Alpenländer. Wo einst Segel- 
schiffe sich mühsam durch Wind und Wetter über 
den Ozean kämpften, zieht majestätisch und sicher 
der Riesendampfer seinen Weg. Selbst die Luft wurde 
in dem letzten Jahrzehnt mehr und mehr dem Ver- 
kehre dienstbar gemacht. Dementsprechend entwickel- 
ten und vervollkommneten sich auch die örtlichen 
Einrichtungen, die der Abfertigung und Erleichterung 
des Verkehres dienen. Dazu gehören nicht in letzter 
Linie die Reisebureaus und ist es auch in Öster- 
reich gelungen, auf diesem Gebiete eine Organisation 
zu schaffen, die heute über die ganze Welt ver- 
breitet ist. 
Dem Besucher Wiens fälltin neuester Zeit wegen seiner 
Eigenart ein Bau in der F riedrichstraße Nr. I, gegen- 
über der Secession, auf. Es ist dies das Gebäude des 
Österreichischen Verkehrsbureaus, das sich, 
teils auf Stadtbahnmauern fußend, über das Wienfluß- 
gewölbe erstreckt. Die verschiedene Tragfähigkeit der 
Fundamente bedingte die terrassenförmig abgestufte 
architektonische Gliederung des Gebäudes, das in 
ingenieurtechnischer Hinsicht zu den Sehenswürdig- 
keiten Wiens gezählt werden kann. In diesem Ge- 
bäude ist — wie bereits erwähnt — die Zentrale des 
Österreichischen Verkehrsbureaus untergebracht, welches 
Unternehmen im Jahre 1018 vom damaligen Fisen- 
bahnministerium in der Form einer Gesellschaft m. b. H. 
zsegründet wurde, um die Interessen des österreichi- 
schen Reiseverkehres nach jeder Richtung hin zu 
wahren und zu fördern. Das Unternehmen erhielt von 
Jen Österreichischen Bundesbahnen, welche 
zuch Gesellschafter sind, das ausschließliche 
Recht zur Auflage eigener Fahrscheine und 
zum Verkaufe der amtlichen Fahrkarten 
außerhalb der Bahnschalter. 
In rascher Folge wurden an allen wichtigen 
Verkehrszentren des In- und Auslandes 
eigene Zweigstellen errichtet und es wurde auch 
getrachtet, mit ähnlichen Organisationen des Aus- 
'andes, wie mit dem Mitteleuropäischen Reisebureau 
n Berlin, dem Tschechoslovakischen Reise- und Ver- 
cehrsbureau in Prag, der Fremdenverkehrs-, Einkaufs-, 
Zeise- und Transport-A.-G. in Budapest, der Com- 
‚agnia Italiana Turismo in Rom. dem Polnischen
	        
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