Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

gabenertragsanteile.‘ Durch die Loslösung Wiens von
Niederösterreich wurde Wien im Jahre 1020 auch
Bundesland, so daß es von den gemeinschaftlichen
Bundesabgaben auch den Landesanteil erhält.
Die Finanzen der Stadt Wien sind heute geordnet.
Die Stadt wird mit größter Sparsamkeit verwaltet
 und verfügt nicht über reiche Mittel. Der
Rechnungsabschluß für das Jahr 1927 weist einen Abgang
 von 7,392.117 Schilling aus. Am 31. Dezember
1927 betrug der Kassenstand 65.024.100 Schilling.
Im Jahre 1928 veranschlagt die Gemeinde Wien einen
Gebarungsabgang von rund 35 Millionen Schilling.
Der Voranschlag für das Jahr 1928 sieht Bruttoeinnahmen:
 von 443,384.690 Schilling vor, denen Bruttoausgaben
 von 478,981.570 Schilling gegenüberstehen,
Im Jahre 1920 sind die Einnahmen mit 463,853.240
Schilling und die Ausgaben mit 403,652.040 Schilling
errechnet, so daß sich ein Gebarungsabgang von
20,799.700 Schilling ergibt.
Für das Jahr 1920 sind die Gemeinde- und Landesabgaben
 sowie die Zuschläge zu den Bundessteuern
mit 184,735.900 Schilling und die Ertragsanteile an
den gemeinschaftlichen Bundesabgaben mit123,040.000
Schilling präliminiert,
Veber die eigenen Steuereinnahmen in den Jahren
[927, 1928 und 1929 gibt die nachstehende Tabelle
eine genaue Uebersicht :

Zrfolg | Ansatz | Ansatz
1927 1928 1929

Grundsteuer .....
Wohnbausteuer ...
Fürsorgeabgabe ...
uLustbarkeitsabgabe .
N.- u. G.-Abgabe ..
Fremdenzimmerabgabe
 .......
Wertzuwachsabgabe.
Plakatabgabe. . ...
Inseratenabgabe . . .
Hauspersonalabgabe
Automobilabgabe ..
Pferdeabgabe ....
Hundeabgabe ....
Feuerversichertenabgabe
 ....... 3,140.515 3.000.000
Veilbietungsabgabe . 381.206 250.000
Konzessionsabgabe . 565.227 450.000
Verwaltungsabgaben 795.517 650.000
Wasserkraftabgabe . 3,402.378 | 3,730.000
Bierabgabe ...... 10,192.306 10,300.000 |
Immobiliargebühren 2.891.233 1.600.000
Gebührenäquivalente
 .... 55.227 137.500 47.900
Wettgebühren .... _ _634.278 | 600.000 600.000
|| 187,926.679 | 175,792.500 | 184.735.900

Die sozialen Leistungen der Gemeindeverwaltung.

Rund 30% der Nettoausgaben der Gemeinde entfallen
 im Jahre 1029 auf die soziale Fürsorge. Auf

liesem weiten Gebiet hat die Wiener Stadtverwaltung
Vorbildliches vollbracht. Mit ihren "vielen Fürsorgezinrichtungen
 für Säuglinge, vorschulpflichtige und
schulpflichtige Kinder, für Kranke und Greise ist sie
1eute der Mittelpunkt des Studiums für die Gemeinde-‚erwaltungen
 des In- und Auslandes geworden.
Das furchtbare Elend der Nachkriegszeit erforderte
»äne gesteigerte kommunale Fürsorge. Als die neue
/erwaltung das soziale Fürsorgewerk begann, sah
je sich vor eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. War
loch im Jahre 1919 die Sterblichkeit gegenüber der
Vorkriegszeit um 60% und die Kindersterblichkeit
zar um 100% gestiegen! In wahrhaft großzügiger
Weise hat die Gemeinde den Wiederaufbau der
/olksgesundheit in die Wege geleitet.
Schon beim Kind im Mutterleib setzte die Fürsorge
in. 34 Mutterberatungsstellen dienen diesem Zwecke.
Dort wird auch der Kampf gegen die Erbsyphilis
zeführt und geldliche Hilfe geleistet. Gut ausgebaut ist
lie Fürsorge für die Säuglinge. Es wurde das städtische
Antbindungsheim ‘gebaut und die unentgeltliche
\bgabe von Säuglingswäsche an alle werdenden
Yütter eingeführt, die sich darum bewerben. Dabei wird
ceinerlei Nachweis der Bedürftigkeit gefordert. Im
Jahre 1027 wurden 9781 Säuglingswäschegarnituren
abgegeben. Für die weitere Pflege der Kinder erhalten
die Mütter in den Mutterberatungsstellen Rat und
Hilfe.
Im Jahre 1925 hat die Gemeinde die Kinderübernahmsstelle
 geschaffen, die als Juwel der modernen
Kinderfürsorge bezeichnet werden muß. Der schöpferischen
 Initiative des städtischen Wohlfahrtsreferenten,
des Universitätsprofessors Stadtrat Julius Tandler,
entsprungen, verdanken Wiens fürsorgebedürftige
Kinder diese heute vorbildlichste Einrichtung auf dem
Kontinent. Mehr als 3500 Kinder gehen durchschnittlich
 im Jahre durch diese Anstalt, wo sie einige
Wochen ärztlich und fürsorgerisch behandelt werden,
um dann in Gemeindeanstalten, in die private Fürsorge
 oder zu den Eltern zu kommen. Der Bau und
die innere Einrichtung dieses Hauses kosteten
3,300.000 Schilling.
Stark ausgebaut wurden auch die städtischen Kindergärten.
 Es sind jetzt‘ 104 im Betrieb und O9 weitere
werden im Jahre 1920 vollendet werden. Die meisten
dieser Anstalten wurden von der neuen Verwaltung
als Volkskindergärten eingerichtet und sind von 7 Uhr
früh bis 6 Uhr abends geöffnet. Auf Wunsch der
"ltern erhalten die Kinder dort auch Frühstück und
Viittagessen. Von den rund 10.000 Kindern, die die
städtischen Kindergärten besuchen, werden 3000 ausgespeist.
 Davon 64% auf Kosten der Gemeinde.
Zweckmäßige Neuerungen wurden in der Schulfürsorge
 getroffen. Es wurden die schulärztlichen Untersuchungen
 eingeführt und eigene Schulfürsorgerinnen
vestellt. Stark in Anspruch genommen wird auch die
tädtische Schulausspeisung. Rund 15.000 Kinder, das

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