für die, Wasch- und Bäderanlagen wurden in beiden
Werken Zentral-Warmwasserheizanlagen geschaffen,
die den kostenlos anfallenden Ueberschußdampf der
Zentralgeneratoren und den Auspuffdampf von Dampf-
maschinen ausnützen. Die Bedienung einer solchen
selbsttätig arbeitenden Heizzentrale besorgt ein nur
tagsüber beschäftigter Mann. Durch beide Anlagen
wird Heizstoff im Werte von 4000 Tonnen hodch-
wertiger Kohle jährlich erspart.
Im Werke Leopoldau wurde eine Fabrik zur Ge-
winnung von Motorenbenzol, 00er Benzol, Reinbenzol,
Reintoluol und anderer Benzolkohlenwasserstoffe aus
dem in den beiden Werken gewonnenen Leichtöle er-
zichtet, Sie ist nicht nur die einzige Benzolfabrik in
Desterreich, sondern auch die einzige an ein Gas-
werk angegliederte derartige Anlage. Von den Rein-
waren ist Reinbenzol das wichtigste Erzeugnis. Es
dient zur Herstellung von Anilin, Heilmitteln usw.
and gelangt größtenteils zur Ausfuhr. In der Benzol-
abrik ist ein sowohl für das Gaswerksunternehmen
als auch für die österreichische Volkswirtschaft wich-
iger Betrieb geschaffen worden. Ihm ist eine Anlage
zur Erzeugung von Zink- und Eisenvitriol ange-
gliedert, in der die in der Benzolfabrik anfallende,
sonst nicht verwendbare Abfallschwefelsäure ver-
wertet wird.
Durch diese und andere Erneuerungen, Zu- und
Ausbauten sind die beiden Werke wieder auf eine
hohe Stufe technischer Vollendung gebracht worden.
Lin Beweis dafür ist darin zu erblidkken, daß das
Deutsche Museum in München das FErsuchen stellte,
dem natürlich entsprochen wurde, ihm ein Modell
des Gaswerkes Leopoldau als vorbildliches Gaswerk
zu widmen.
Gleichzeitig mit dem Wiederaufbau der Werke
mußte eine eifrige Werbung einsetzen, um die durch
lie strengen Sparmaßnahmen der Gasverwendung
antfremdete Bevölkerung wieder zu gewinnen und
lie durch den Uebergang zur elektrischen Beleuchtung
arlittenen Verluste auszugleichen. Durch eine plan-
näßig durchgeführte Werbearbeit ist es dem Unter-
ıaehmen innerhalb weniger Jahre gelungen, den er-
ittenen Verlust durch eine bedeutende Steigerung
der Gasabgabe für Haushalt, Gewerbe und Industrie
mehr als wett zu machen. Dabei war es möglich, zu
vermeiden, daß der Gaspreis über I9 Groschen per
Kubikmeter stieg. Dies wurde dadurch erleichtert, daß
lie neue Gemeindeverwaltung grundsätzlich auf Ge-
winne aus den großen städtischen Unternehmungen
verzichtet.
Mit der Steigerung des Gasabsatzes ging natürlich
auch der Ausbau der Gasverteilungsanlagen, bestehend
in der Herstellung von Hochdruck-Gebläseanlagen,
Hochdruck-Rohrsträngen, selbsttätiger Druckregler-
anlagen und in Erweiterung und Ausgestaltung des
Niederdruck-Rohrnetzes Hand in Hand.
Die Wiener städtischen Gaswerke sind heute das
zweitgrößte deutsche Gaswerksunternehmen. Sie haben
derzeit eine Leistungsfähigkeit von 1I'5 Millionen Kubik-
meter per Tag, besitzen rund 470.000 Gasanschlüsse
und werden im laufenden Jahre 300 Millionen Kubik-
meter Gas abgeben. Diese Ziffern haben die des
letzten Vorkriegsjahres weit überschritten, die Zahl
der mit Gas versorgten Wohnungen hat sich mehr
als verdoppelt.
Durch die Veredelung des ausländischen Rohstoffes,
der Kohle, in den Wiener städtischen Gaswerken
ergibt sich zugunsten der österreichischen Volkswirt-
schaft ein Jahresüberschuß von rund 47 Millionen
Schilling; wenn das Unternehmen nicht bestünde,
würde die österreichische Handelsbilanz infolge Mehr-
einfulır an Kohle, Koks und anderen Erzeugnissen
eine Verschlechterung um rund 36 Millionen Schilling
erleiden.
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