Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

baues seit den großen Hochwässern der Jahre 1807 
und 18009 sowohl auf die sogenannten ärarischen als 
auch auf die nichtärarischen Gewässer. Erstere, und 
zwar Donau, Inn, Salzach, Enns, Traun, Ager und 
Vöckla mit einer Gesamtlänge von 458 km stehen 
auch hinsichtlich Aufbringung der Mittel zur Gänze 
in der Obsorge des Bundes, während Bauten an nicht- 
ärarischen Gewässern als Konkurrenzunternehmung 
unter Beteiligung des Bundes, des Landes, der Ge- 
meinden und etwaiger besonderer Interessenten aus- 
geführt werden. Von den nichtärarischen Flüssen seien 
als wichtigste nur die Alm, Antiesen, Mattig, Mühl- 
heimer Ache und Krems genannt. 
Von größeren Neubauten in dem Jahrzehnt 1918 
bis 1028 sei nur erwähnt die Regulierung der Donau 
in den Strecken nächst Schildorf, Goldwörth, Ottens- 
heim und oberhalb der Steyregger Brücke, schließlich 
die mit besonders raschem Erfolge durchgeführte Be- 
zeitigung einer Stromentartung bei Kohlbüchel-Neu- 
schütt unterhalb Wallsee. 
An nichtärarischen Gewässern wurden größere Wehr- 
neubauten an der Alm und Mühlheimer Ache aus- 
geführt. 
Eine besondere Aktion bildet die Eindeichung 
des Traunflusses von Marchtrenk bis Ebelsberg. 
Dieselbe wurde im Jahre 1923 zum Schutze der 
industrieorte Traun, St. Martin, Kleinmünchen und 
Ebelsberg sowie des umliegenden Geländes am linken 
und rechten Traunufer eingeleitet. Die Erweiterung 
des Projektes auf besondere Arbeiten zum Schutze 
des Marktes Ebelsberg gegen Hochwasser wurde 
als Sonderaktion im Jahre 1027 durchgeführt. 
C. Hochbau. 
Im Jahrzehnt 1018 bis 1028 wurden unter Leitung 
des oberösterreichischen Bundesbaudienstes auch mehr- 
ach größere Hochbauten durchgeführt. So erfolgte in 
den Jahren 1925 bis 1027 der Aufbau zweier 
Stockwerke auf dem Postdirektionsgebäude 
in Linz, welcher sich infolge des Alters des Gebäudes 
- es stammt aus den Jahren 1680 bis 16090 — und 
seiner mangelhaften Fundierung äußerst schwierig und 
verantwortungsvoll gestaltete. Nicht minder schwierig 
war hier die Lösung der architektonischen Frage, 
welche seinerzeit viel umstritten war. 
Ein hübscher Neubau wurde in den Jahren 1926 
bis 1927 zur Unterbringung des Bundesrealgym- 
nasiums in Linz geschaffen, während an Wohn- 
hausbauten noch die beiden Häuser für Gefangenen- 
aufseher der Strafanstalt Garsten und der Umbau der 
Schloßkaserne in Freistadt zu erwähnen wären. 
Die Straßen- und Brücenbauten des 
Landes. 
Die Kriegs- und die ihnen folgenden Jahre des 
wirtschaftlichen Verfalles haben selbstverständlich auch 
lie Tätigkeit auf dem Gebiete des Straßen- und 
3rückenbaues ganz bedeutend reduziert. Die Wieder- 
zesundung des Wirtschaftslebens zeitigte ein rapides 
\nwachsen des Kraftwagenverkehres und erheischte 
len Ausbau eines dichten Autobusliniennetzes. Von 
len heute bestehenden regelmäßigen Kraftwagenlinien 
‚on insgesamt 1477 km wurden allein in den Jahren 
024 bis 1927 1200 km neuer Linien eingerichtet. 
Jngefähr 02% dieser liegen auf autonomen Straßen. 
Jm auf diesen stark herabgekommenen Verkehrs- 
wegen den Verkehr abwickeln zu können, wurde der 
Schwerpunkt der Bautätigkeit auf die Verbesserung 
ınd Wiederinstandsetzung der Straßen, auf die 
Erhaltung und Verbesserung ihrer Fahrbahn konzen- 
riert, + 
Im Zeitraum 1918 bis 1928 wurden insgesamt 276 km 
Straßenneubauten durchgeführt. 53% dieser 
Bauten fallen übrigens in die drei letzten Jahre. Um 
den erhöhten Anforderungen der Straßenerhaltung 
gerecht zu werden, wurde der Stand von 92 Landes- 
straßenwärtern im Jahre I018 binnen 10 Jahren auf 
218 erhöht. Straßenwalzung und teilweise Schotter- 
erzeugung, in Eigenregie vorgenommen, verlangten zu 
ihrer rationellen Durchführung die Einstellung eines 
zigenen Maschinenparkes. Auf den wichtigsten Landes- 
ınd Bezirksstraßen wurden bisher zirka 85 km gewälzt, 
ıievon 27 km im Jahre 1928. An neuzeitlichen Fahr- 
»ahnbelagen (hauptsächlich Oberflächenbehandlung) 
wurden in den zwei letzten Jahren 46.500 m? aus- 
geführt. An Straßenzügen, an deren Wiederinstand- 
setzung und Walzung mit größter Energie gearbeitet 
wurde, seien die 40 km lange Atterseer, die 30 km 
lange St. Georgen-Mondseer-, die 14 km lange 
Gmunden-Scharnsteiner-Bezirksstraße, sowie die vom 
Bunde übernommene Gosauerstraße mit 18 km Länge, 
genannt. 
Zu einer der größten Umlegungen mit hervor- 
ragenden Kunstbauten zählt die 6200 m lange im 
Zuge der Bezirksstraße Prägarten-Weitersfelden. Unter 
den neuen Gemeindestraßen, die ein an Verkehrs- 
wegen armes Gebiet dem Verkehr erschließen. zählt 
die 22 km lange Aisttalstraße. 
Die außerordentlichen Bemühungen des Landes, 
das Verkehrsnetz den steigenden Bedürfnissen anzu- 
passen, erhellen auch aus den im letzten Jahrzehnt 
ausgeführten Brückenbauten. Die Summe ihrer 
.ichten Spannweiten beträgt bei hölzernen Brücken 
'30 m (Baujahre 1919-1921), bei jenen aus Eisenbeton 
2270 m. 63% der letzteren fallen in die Baujahre 
(920-1928, Die Traunfallbrücke, die erste größere 
Brücke, die in Oesterreich in der Nachkriegszeit erstellt 
wurde, ist ein Zweigelenkbogen mit 71 m Spannweite 
und Fahrbahn „oben”, Die obere Länge beträgt 125 m. 
Die Almbrücke in Scharnstein, ein gespannter Bogen 
mit O0 m Spannweite, ist gegenwärtig die größte 
Bogenbrücke mit aufgehängter Fahrbahn in Oester- 
reich und Deutschland. 
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