Schule und Kunst.
Da die Oeffentlichkeit in den verflossenen zehn Jahren
immer mehr die Bedeutung der Hebung der Volksbildung
für den wirtschaftlichen und politishen Wiederaufbau
des Staates erkannte, hat sich während dieser Zeit auf
dem Schulgebiete trotz der schwierigen wirtschaftlichen
Lage nach dem Zusammenbruche ein gewaltiger Auf-
schwung vollzogen. Hiebei ist insbesondere an die Neu-
zründung zahlreicher Bürgerschulen gedacht, welche
größtenteils unmittelbar nach Kriegsende in den Jahren
'919 und 1920 erfolgte: So wurden Bürgerschulen in
Aussee, Deutschlandsberg, Donawitz, Eggenberg, Eisen-
arz, Feldbach, Fohnsdorf, Friedberg, Frohnleiten, Gleis-
dorf, Graz, Hartberg, Kapfenberg, Knittelfeld, Köflach,
Leibnitz, Mariazell, Mürzzuschlag, Murau, Rottenmann,
Schladming und Weiz errichtet, welche in Durchführung
des 1927 erschienenen Hauptschulgesetzes zu Haupt-
schulen umgewandelt worden sind.
Im Zusammenhange damit sind dank der Opferwillig-
xeit und Schulfreundlichkeit vieler Schulgemeinden trotz
der widrigen Zeitverhältnisse prächtige neue Schulgebäude
»ntstanden oder umfangreiche Zubauten und Umbauten
durchgeführt worden (so insbesondere in Donawitz,
Knittelfeld und Rottenmann). Auch wurden mit Hilfe des
Deutschen Schulvereines „Südmark” in den Grenzorten
‚angegg und Soboth schmucke Schulneubauten errichtet.
Einen ganz besonderen Aufschwung im Sinne der
Wiederaufbauarbeit auf dem Gebiete der bäuerlichen
Volksbildung hat das vom steiermärkischen Landtage
geschaffene Landesamt St. Martin zu verzeichnen. Der
Sitz dieser Landesstelle des Fort- und Volksbildungs-
wesens für die bäuerliche Bevölkerung in Steiermark,
das Schloß St. Martin bei Wetzelsdorf, wurde für diesen
Zweck dem Lande für die Dauer von 30 Jahren seitens
des Besitzers, des Benediktinerstiftes Admont, samt dem
dazugehörigen Grundausmaß kostenlos gewidmet. Hier
'ührt der verdienstvolle Begründer der bäuerlichen Volks-
bildungsarbeit, Hofrat Josef Steinberger, die Oberleitung;
as werden Kurse zur Einführung in die Wirksamkeit an
len bäuerlichen Fortbildungsschulen und an den haus-
wirtschaftlichen Fortbildungsschulen für Bauernmädchen
abgehalten. Auch finden daselbst die jährlichen Arbeits-
zemeinschaften der Leiter und Leiterinnen statt, sowie
Kurse und Tagungen für Zugehörige geistiger Berufe,
Studierende, aber auch für die bäuerliche Bevölkerung.
Neben dem früher erwähnten Gründer und Leiter des
Unternehmens, Hofrat Steinberger, werden zur Unter-
richtserteilung namhafte F’achlehrkräfte, wie zum Beispiel
Universitäts-Dozent Dr. Viktor Geramb, Vorstand des
Volkskundemuseums in Graz, Staatskonservator und
bundesstaatlicher Volksbildungsreferent Dr. Walter Semet-
<owski, herangezogen.
Der Stand‘ der Fortbildungsschulen im ganzen Lande
belief sich im Schuljahre 1927/28 auf 179 mit insgesamt
31.805 Unterrichtsstunden und 3162 Schülern und
Schülerinnen, zumeist im Alter von 17 bis 30 Jahren,
worunter sich 431 Landarbeiter und -arbeiterinnen be-
fanden. An den Kursen, Arbeitsgemeinschaften und
Tagungen in St. Martin nahmen in der Zeit von Mitte
Oktober 1927 bis Mitte Oktober 1028 insgesamt
306 Personen, darunter 84 aus anderen Bundesländern
and 4 aus dem Auslande teil.
Das Werk von St. Martin, dessen Anfänge noch in
je Zeit vor dem Kriege zurückreichen, ist ein Unter-
ıehmen des Landes Steiermark, welches neben Zuschüssen
‚eitens des Bundesministeriums für Unterricht die Er-
ıaltungs- und Betriebskosten trägt.
Die Förderung des Kunstwesens im Lande erstreckte
ich nicht bloß auf die Ausgestaltung und Neueinrichtung
ler dem Lande Steiermark zugehörigen Kunstsammlungen,
‘ondern beinhaltete auch die Unterstützung der Be-
trebungen lebender Künstler, bzw. der in Betracht
sommenden Kunstvereine.
Das Landesmuseum „Joanneum7” hat seine Arbeiten
m alten Geiste der Anstalt, einer Begründung des für
iteiermark unvergeßlichen Erzherzogs Johann, fortge-
ührt. Neben den Neuaufstellungen der Altertumssamm-
ung und des Münzkabinettes, sowie den mannigfachen
vichtigen Neuerwerbungen der kulturhistorischen und
‚unstgewerblichhen Abteilung erscheint die Entwicklung
les Volkskundemuseums besonders wichtig. 1913 gegründet
ınd in einem stimmungsvollen einstigen Klostergebäude
ıufgestellt, wurde es nach dem Kriege in. vollen Betrieb
zesetzt. Eine Darstellung des bäuerlichen Volkstums in
;»teiermark in 17 Schauräumen, wird dieses Museum
ährlich von tausenden Einheimischen und Fremden
jesucht und dient in seinem Benützerraume rund
i00 Personen zu Studienzwecken. Es ist ein Mittelpunkt
ür die zahlreichen auf heimat- und volkskundlichem
5ebiete wirkenden Organisationen. Trotzdem seine Mittel
eit dem Zusammenbruche gering geworden sind, ist
mmerhin der Inventarstand des Museums seit 1918 um
nehr als 3000 Stücke vermehrt worden.
Die Landesbildergalerie hat in den letzten
‚ahren eine Umgestaltung nach modernen wissenschaft-
ichen Gesichtspunkten erfahren, an deren Vollendung
ıoch gegenwärtig gearbeitet wird. In der gleichen Richtung
vird auch im Landeskupferstichkabinett gearbeitet. Beide
5ammlungen sind die bedeutendsten ihrer Art in den
jsterreichischen Bundesländern. Daß auch die Sammlungs-
wbeiten in den Archiven und die Ausgestaltungstätigkeit
n der Landesbibliothek nach neuzeitlichen Grundsätzen
lurchgeführt werden, braucht nicht besonders erwähnt
zu werden. Ebenso dienen auch die naturgeschichtlichen
\bteilungen des Landesmuseums der Verbreitung des
Volksbildungsgedankens und sei hiebei erwähnt, daß in
ler mineralogischen Sammlung, um die Bodenschätze
ınseres jungen Staates zur Anschauung zu bringen,
jonderausstellungen der für die steirische Industrie be-
leutsamen Minerale (insbesondere Magnesite), ferner
ler Basalte aus der berühmten Fundstätte bei Weiten-
Torf geschaffen wurden. Die Ausstellung synthetischer
idelsteine, welche jetzt einen namhaften Teil des FEdel-
;teinmarktes erobert haben, bildet eine weitere praktisch
virksame Neuerung. Endlich wurden auch in der zoologisch-
»otanischen Sammlung insbesondere durch Naturschutz-
ıusstellungen und Sprechabende im Rahmen einer Ar-
veitsgemeinschaft. gleiche Ziele verfolgt. .
Daß die lebenden bildenden Künstler aller Richtungen
ınter den schweren wirtschaftlichen Nachkriegszeiten be-
sonders zu leiden hatten und des Aufgebotes ihrer
zesamten Schaffenskraft bedurften, um in ihren künst-
erischen Bestrebungen nicht zu erlahmen, ist bekannt
ınd ist es daher um so höher einzuschätzen, daß sie sich