Full text: 10 Jahre Wiederaufbau

Pensionen am einfachsten gelöst war. Das damit ver- 
Jundene starke Anschwellen der Pensionslasten war 
allerdings geeignet, wenigstens für die erste Zeit die 
Mmanzielle Auswirkung des Abbaues wesentlich zu ver- 
nindern. Was anderseits wieder die jüngsten Jahrgänge 
anbelangt, so besteht, nachdem schon in der Zeit vor- 
her bis in die Kriegsjahre zurück der normale Nach- 
wuchs an jungen Kräften stark gedrosselt worden 
war, seit der zweiten Hälfte des Jahres IQI9 eine 
Sesetzliche Sperre für Neuaufnahmen, die — von 
vereinzelt bewilligten Ausnahmen abgesehen — den 
Nachwuchs überhaupt ganz unterbunden hat. Infolge 
dieser Umstände weisen die Personalstände in den 
verschiedenen Dienstzweigen gegenwärtig eine recht 
Ingesunde Schichtung auf, die sich in mehrfacher 
Beziehung ungünstig auswirkt. 
 Wirft man überhaupt einen Gesamtüberblick 
iber alles das, was in den vergangenen zehn 
lahren unter dem Titel der Verwaltungsreform durch- 
3eführt wurde, so muß man wohl zu dem Ergebnis 
kommen, daß zwar die auf dem Gebiete der Organi- 
‘ation der Verwaltung und der Verwaltungsgesetz- 
zebung getroffenen Maßnahmen — mag auch in dieser 
Hinsicht noch so manches in der Folgezeit weiter aus- 
zübauen sein — hohe Wertung verdienen und einen 
ıcht zu bestreitenden Erfolg der jungen Ööster- 
eichischen Republik darstellen, daß aber bei der 
‚isherigen Reformtätigkeit noch viel zu wenig auf den 
Iritten in diesem Zusammenhang in Betracht kom- 
nenden Faktor Bedacht genommen wurde, der 
chließlich wie überall auch hier die entscheidende 
tolle spielt: auf den Menschen in der Ver- 
valtung, auf den Beamten. Die beste Organi- 
ation, die besten Vorschriften können nicht zu 
lem gewünschten Erfolge führen, wenn man nicht 
uch der Menschen gedenkt, die in dieser Organi- 
ation tätig sein, die diese Vorschriften handhaben 
ollen. Ideelle Fragen, wie die Erziehung zu einer 
ıohen Pflichtauffassung oder die Probleme der Be- 
mtenausbildung und Beamtenfortbildung, kommen 
er in gleicher Weise in Betracht wie materielle 
“ragen. Alle diese Fragen zu lösen und alle Voraus- 
etzungen dafür zu schaffen, daß ein sich seiner 
licht gegenüber der Allgemeinheit voll bewußter, 
ıuf vorbildlicher Höhe des Wissens und Könnens 
tehender, dabei aber auch zufriedener und nicht von 
aateriellen Sorgen bedrückter Beamtenstand sein 
jestes in den Dienst des Staates und der Nation 
tellt, das ist die große reformatorische Aufgabe, die 
ler Republik für die nächste Zukunft gestellt ist 
x DIE ENTWICKLUNG DES ZEITUNGSWESENS 
Yon Kommerzialrat Friedrich A. F liegel, Präsident der Vereinigung: der österreichischen Tageszeitungen. 
Bei dem Zerfalle der Öösterreichisch-ungarischen 
Vonarchie standen die Tageszeitungen, insbesondere 
die großen und größeren, vor einer äußerst bedroh- 
ichen Situation. Zugeschnitten auf eine Abnehmer- 
ahl von 40 Millionen, sollten sie sich plötzlich in 
lem klein gewordenen Vaterlande einrichten, ohne in 
ler Lage zu sein, ihren riesenhaften Apparat ent- 
Prechend umzustellen. Dazu kamen die argen 
z°ckungen im geschäftlichen Leben des Landes, die 
nn $ammenbrüche, die Abwanderungen großer Institute, 
die Inflation mit ihren Folgeerscheinungen, das Empor- 
Schnellen der Löhne und der gesamten Gestehungs- 
Sosten, Heute, nach einem Dezennium, kann man 
yohl Ohne Optimismus erklären, daß die Tagespresse 
- Krisis zum allergrößten Teile glücklich überwunden 
7at, Alle bedeutenden Blätter, die vor dem Kriege in 
Nserem Bundesgebiete erschienen, sind bestehen 
"blieben und kämpfen ihren Kampf ums Dasein 
1 tig und unverdrossen fort, wiewohl manche von 
Amen des öfteren totgesagt, ja sogar schon begraben 
urden, Ja, es hat sich sogar die Zahl der Tages- 
Ce ungen eher vermehrt und in den letzten Jahren 
"Neugründungen zu verzeichnen gewesen, 
Dieser letztere Umstand hängt sicherlich damit ZzU- 
"men, daß das Zeitungswesen nach dem Kriege, 
3icht nur in unserem Vaterlande, sondern auf der 
zanzen Welt an allgemeiner Bedeutung zugenommen 
1at. Besonders in einer Republik ist die Zeitung das 
vichtigste Sprachrohr, die wichtigste Vermittlerin 
‚olitischer Ansichten. Auch ist in den letzten Jahren 
lurch die Verteuerung des Buches die Zeitung mehr 
lenn. je eine Vermittlerin von Bildungsstoffen jeglicher 
\rt geworden, so daß man sie die Universität des 
<leinen Mannes genannt hat. 
Das österreichische Zeitungswesen hat in dem letzten 
Jezennium alle Phasen der Vorwärtsentwicklung, die 
las internationale Zeitungswesen mitgemacht hat, sorg- 
ältig aufgenommen und sich dienstbar gemacht. Die 
Vachrichtenvermittlung, die durch die technischen 
Veuerungen, insbesondere durch die Fortschritte des 
ladiowesens, über ungeahnte Möglichkeiten verfügt, 
jat die österreichische "T’agespresse trotz der großen 
<osten sich zu eigen gemacht. Die Fortschritte der 
Ulustrationstechnik spiegeln sich auch in der 
Tagespresse wieder. Die Zahl der Zeitungen, die das 
sedruckte Wort durch das Bild ergänzen, ist in 
tändigem Zunehmen begriffen. Es scheint auf diesem 
Sebiete eine Rückkehr der Zeitung zu ihrem Ursprunge 
orzuliegen. Wie sehr die Zeitung ihrer Zeit Rech- 
ung tragen muß, zeigt auch die im letzten Dezen-
	        
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