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Wahljahr " Christlich- | Sozial-
soziale demokraten
Großdeutsche
Unabh. Bauern
i oder Landbund '
1919 22 | 5 2 +
1923 20 2 5 | 2 | 2
1928 2 2 226 1 ?
Die Stelle des Landeshauptmannes bekleidet seit 1918
Rechtsanwalt Dr. Otto Ender, die des Landesstatthalters
Rechtsanwalt Dr. Ferdinand Redler.
Die vor zehn Jahren neugebildete Vorarlberger Landes-
‚egierung mußte sich erst Unterkunft schaffen. Nie hat
n Bregenz ein reiches Herrschergeschlecht gewohnt, das
lie Stadt mit großen Bauten geschmückt hätte. Die
Aemter der Landesregierung waren zuerst in verschie-
lenen Gebäuden untergebracht, nun aber erhebt sich in
Bregenz das Regierungsgebäude und das neue
Landhaus. Die im Kriege begonnene Tuberkulosen-
heilstätte Gaisbühel bei Nenzing wurde vollendet. In
Jagdberg und Schloß Hofen sind die Anstalten für die
zefährdete Jugend würdig untergebracht.
Schon zu Zeiten der landständischen Verfassung genoß
die Verwaltung der landständischen Geschäfte den Ruhm,
daß die Finanzen der Stände immer in tadelloser
Ordnung waren. An dieser Ueberlieferung hat Vorarl-
berg festgehalten. Selbst in den schwierigsten Zeiten
der Inflation nach dem Weltkriege wurden die Finanzen
des Landes so verwaltet, daß das Land ohne nennens-
werte Schulden das Auslangen fand. Der Bericht des
Rechnungshofes über die Gebarung des Landesfonds im
Jahre 1927 hebt zunächst die rasche Herstellung der
Abrechnung in den ersten vier Monaten des Jahres 1925
„ühmend hervor. Nach der Ueberprüfung des Rechnungs-
hofes beliefen sich die Einnahmen des Landes im Jahre
1927 auf S 8,2900.917'—, die Ausgaben auf S 6.731.130,
so daß eine Mehreinnahme von S 1559.781'— verblieb.
Dieser Ueberschuß wird als günstig bezeichnet, da er
nicht nur auf einer Steigerung der Einnahmen, sondern
auch auf einer Senkung der Ausgaben gegenüber
dem Voranschlage beruht.
Die im Jahre 1927 erzielten Ueberschüsse veranlaßten
Jen Landtag zu dem Beschlusse, neue Aufgaben zu
übernehmen. So können zu Straßenbauten, zu denen
der Bund keine Subvention gibt, Landesbeiträge bis zu
50 Prozent bewilligt werden; Gemeinden, die W asser-
leitungen anlegen, erhalten zu diesem Zwecke Landes-
zubventionen. Der Landesvoranschlag für 1929 sieht
Ausgaben in der Höhe von S 8,070.000'— vor, denen
eine Bedeckung in gleicher Höhe gegenühersteht. Fremde
Mittel werden auch in diesem Jahre nicht in Anspruch
genommen.
Die größte Belastung des Landeshaushaltes sind seit
vielen Jahren die verhältnismäßig großen Summen, die
für die Wasser- und Straßenbauten ausgegeben werden.
Der größte Teil des Landes ist gebirgig und die hohen
Niederschlagsmengen stürzen durch die Wildbäche und
einen Flüsse sehr rasch in die Niederungen. Die inter-
nationale Rheinregulierung, die nun fast vollendet
ist, war die erste Voraussetzung für die Abwehr der
Hochwassergefahren, die weite Strecken des Landes immer
gefährdeten. Der Rhein fließt durch das untere Rheinta'
Tandeshauptmann Dr. Otto Ender
n einem Bette, das höher liegt als das umgebende Land.
der Gefahr weiterer Auflandung ist durch die Ver-
-ürzung des Rheinlaufes gewehrt. Die Sicherung der
zheinregulierung erforderte die durchgreifende Regu-
jerung der Nebenflüsse des Rheins und insbesondere
ler Wildbäche. Von den Nebenflüssen des Rheins boten
lie II und die Frutz die größten Schwierigkeiten. Die
1 bedrohte die Stadt Feldkirch, in deren Gebiet sie zwei
\ngpässe durchfließt, mit ihren wilden Wassern. Nicht
ıur einmal setzte sie Feldkirch unter Wasser und richtete
Jamit unberechenbaren Schaden an. Heute ist die I-
Alucht unterhalb Feldkirch erweitert und vertieft und
lie Ill bis zum Rhein in feste Dämme eingeschlossen,
;‚o daß jede große Gefahr abgewendet ist. An der Frutz,
lie nördlich der IM in den Rhein mündet, hatten die
Cechniker Gelegenheit, wahre Meisterstücke zu leisten.
50 ist das Dorf Meiningen, das der Ehbach schwer be-
Irohte, nun dadurch gesichert, daß der Ehbach ein neues
Zett unter der Frutz durch erhielt; der Bach mündet nun
‚ördlich der Frutzmündung in den Rhein. Die Dornbirner
\ch mündet schon lange nicht mehr in den Rhein,
‚sondern: direkt in den Bodensee. Die Bregenzerach, die
den Bregenzerwald entwässert, hat in den letzten Jahr-
zehnten im inneren Bregenzerwald schwere Verheerungen
angerichtet; ihre Verbauung ist im Zuge.
Fin zäher und kostspieliger Kampf geht um die Be-
‚ähmung der Wildbäche, die aus den Hochtälern unge-
‚eure Geschiebemassen anzuschwemmen drohen. Die
Sektion Bregenz der Wildbachverbauung hat im letzten
Vierteljahrhundert nicht weniger als 32.000 Verbauungen
an Wildbächen ausgeführt, zum Teil einfache Holzbauten,
zum Teil Steindämme von großer Ausdehnung. Der
zrößte Wildbach Europas, die Schesa, hat sich 230 Meter
jef in die Schutthalden bei Bürserberg eingefressen und
zegenüber von Bludenz einen riesigen Schuttkegel an
lie IL herangeführt. Nicht weniger als etwa 400 hölzerne
Werke wurden hier eingebaut und 92 Steinwerke brechen
Jerzeit die Wucht des Wildbaches. Die Sohle der
Schesa wurde bereits um 54 Meter gehoben; der Schutt-