DIE POLIZEILICHE TÄTIGKEIT ZUR AUFRECHTERHALTUNG
DER INNEREN RUHE ;
Von wirkl. Hofrat Dr. Oskar Dreßler.
ke Tinsturztage brachten eine Reihe großer Straßen-
Tas angen, So demonstrierten am 30. Oktober
den De < von Arbeitern vor dem Wiener Landhause für
8. N reden und Jür die Errichtung der Republik. Am
der Rycmber 1918 nachmittags wurde die Proklamierung
roße SP vor dem Parlamente angesichts einer
Shen auptsächlich aus Arbeitern bestehenden Men-
macht vorgenommen. Die kommunistische Partei
damalı, iebei, unterstützt von einigen Mitgliedern der
einer Ben „Roten Garde ‚den Versuch, die Ausrufung
Scheie Sozialistischen Republik zu erzwingen. Die Aktion
scher, De In der Folgezeit mußten die von kommunisti-
Wirtad din unternommenen Versuche, die verzweifelte
Staates. iche Lage des jungen deutschösterreichischen
richte Ss uSzniltzen, um hier eine Räteherrschaft aufzu-
sein von der Polizeidirektion immer wieder mit FKin-
unte ne aller Machtmittel abgewehrt werden. Vor allem
ef en Kriegsinvaliden und unter den Arbeitslosen
een e die kommunistische Partei Oesterreichs eine
des K N Opaganda, Auch zahlreiche Heimkehrer, die während
dort Ten in russische Kriegsgefangenschaft geraten und
trafen S bolschewistischen Ideen bekannt geworden waren,
stere Partei ein. Einen neuen Anstoß erhielt die
März 1 ische kommunistische Bewegung durch die im
Ungar 4 erfolgte Errichtung einer Räteregierung in
dama 4 Die „kommunistische Parteileitung veranstaltete
die Not ast täglich große Versammlungen, in denen auf
ee nn Seit, dem ungarischen Beispiele zu folgen,
Schen eek und die Bewaftnung des deutschösterreichi-
in Osten etariates zur Herbeiführung der Räteherrschafl
ade rei gefordert wurde. All diese Bestrebungen
Verken auch mit Hintansetzung aller im internationalen
von en üblichen und völkerrechtlich gebotenen Regeln
Stisond, ‚von der ungarischen Räteregierung nach Wien
ni Geld en Gesandten in jeder Weise, insbesondere auch
gen do mitreln unterstützt. Die unablässigen Bemühun-
herbeis uf ommunisten in Oesterreich, einen Umsturz
ajschee ühren, führten schließlich zu einer Reihe von
Polizei ersuchen (17. April, 15. Juni 1919) die von der
Mi unterdrückt wurden.
Auguse m Sturze der ungarischen Räteherrschaft im
erfolgten © und mit der in eben demselhen Monate
bataillon, uflösung des kommunistischen Volkswehr-
die kom, 41 trat eine Wendung zum Besseren ein und
Umsturz munistischen } ührer mußten ihren Plan, den
ak tionen N Oesterreich durch revolutionäre Massen-
In der ) "erbeizuführen, wenigstens vorläufig aufgeben.
Ungarn olge brachte der Sturz der Räteherrschaft in
fünktion RS Anzahl der gewesenen ungarischen Räte-
Wien u a? unter ihnen bekanntlich Bela Kun, nach
und na Oesterreich, das sie im Juli 1920 verließen
Merk der „Ban abreisten. Fin besonderes Augen-
auch die icherheitsbehörde erforderten von Anfang an
„Selhstech nach dem Umsturze allenthalben gegründeten
Fabrik” utzformationen”, vor allem die sogenannten
deren a der Arbeiterwehren. Diese Arbeiterwehren,
Stellten ar Ste Gruppe in Wien die Arsenalarbeiter dar-
» sind übrigens niemals in Funktion getreten. Im
lTahre 1923 wurden sie nach Ausscheidung radikaler
xommunistischer Flemente schließlich in den Verein
‚Republikanischer Schutzbund” umgewandelt und damit
ıuf eine gesetzliche Basis gestellt. F’erner sind in diesem
Zusammenhange die „Frontkämpfervereinigung” und die
‚on der „Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei”
ıufgestellte Ordnergruppe, die später als „Vaterländi-
cher Schutzbund” auf vereinsrechtlicher Basis konstituiert
vurde, zu nennen.
Im Herbst 1921 schuf die damals sprunghaft anwach-
ande Teuerung unter der Wiener Arbeiterschaft einen
Zustand großer Erregung, der schließlich am I. Dezember
021 zu einer spontanen Einstellung der Arbeit in den
zroßen Betrieben des XXI. Wiener Gemeindebezirkes
ınd zu schweren Ruhestörungen führte, denen durch
»nergisches Fingreifen der Sicherheitswache ein Ende
»ereitet wurde, ohne daß Opfer an Menschenleben zu
’eklagen waren. Wegen Teilnahme an diesen Exzessen
vurden insgesamt 400 Personen. verhaftet und zirka 150
ler Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht. Eine Anzahl
‚on Ausländern, die an: den Ausschreitungen teilge-
ı1ommen hatten, wurde aus Oesterreich abgeschafft.
Die wirtschaftliche Notlage, der in der Zeit der Geld-
;ntwertung in Oesterreich breite Schichten der Bevölke-
ung ausgesetzt waren, hatte auch in den folgenden
ahren mehrfach Demonstrationen der von der herrschen-
len Teuerung am empfindlichsten Betroffenen zur Folge.
In die immer heftiger werdenden politischen Kämpfe um
las Genfer Sanierungsprogramm und die weitere politische
Gestaltung griffen schließlich die schon an früherer
stelle erwähnten verschiedenen Selbstschutzorganisationen
n einer Weise ein, daß daraus die schwersten Konflikte
ınd in der Folge die bekannten Ereignisse des 15. und
6. Juli 1927 entstanden.
Aber diesen düsteren Julitagen folgten ein Jahr später
n der Zeit vom I9. bis zum 22. Juli 1928 die helleren
les 10. Deutschen Sängerbundesfestes. Dieses Fest, zu
lem sich etwa 120.000 Sänger aus Deutschland, Oester-
reich und den übrigen europäischen Staaten, aber auch
ıus Amerika und Afrika und ungefähr ebenso viele
ındere Gäste aus dem In- und Auslande einfanden, hatte
einen Höhepunkt in dem am 22. Juli abgehaltenen, mit
ner Schuberthuldigung verbundenen Festzug, der von
O Uhr vormittags bis 8 Uhr abends währte. Die Polizei-
lirektion hat aus Anlaß des Sängerbundesfestes und
nsbesondere des dessen Höhepunkt bildenden Festzuges
ımfangreiche Vorkehrungen getroffen, die, wie von den
naßgebenden Regierungsstellen, dem Ausschusse des
"estkomitees und den Teilnehmern wiederholt und
ffentlich anerkannt wurde, zum nicht geringen Teile
lazu beigetragen haben, daß diese imposante, von fast
200.000 Personen veranstaltete Kundgebung ohne jeden
Zwischenfall verlief.
Aber nicht nur in Wien, sondern auch in den Ländern
<am es in den ersten Jahren der Republik immer
wieder zu schweren krisenhaften Erscheinungen. Die
Ärschütterung, die der Staat durch den verloren gegan-
zenen Krieg und. durch den Sturz einer jahrhunderte-