»latte verlautbart: 100.538 Ausforschungsausschreiben,
10.051 Landesverweisungen und Abschaffungen aus dem
Bundesgebiete und 17.864 Widerrufe, Im täglichen Fahn-
Jungsbhlatte der Polizeidirektion in Wien, bzw. Wiener
Väglichen Fahndungsblatte erschienen in der genannten
Zeit 185.321 Ausschreibungen und 84.767 Widerrufe, es
vurden 2715 Laufzettel, enthaltend die Beschreibung
ıbhandengekommener Gegenstände, herausgegeben. An
Auskünflen wurden erteilt aus der Zentral-l’ahndungs-
Namensevidenz : 2,91.099, davon 108.0 positiv, aus der
Täter-, Fakten-, Personen- und Sachenevidenz 27.818,
davon 14.085 positiv, aus der Ausländerevidenz 84.349
lavon 3625 positiv.
Eine sehr bemerkenswerte Neueinführung der letzten
Jahre sind auch die sogenannten Polizeiabteilungen
pei den Staatsanwaltschaften in Wien, die im
Jahre 1922 errichtet wurden. Das Charakteristische der
Finrichtung ist, daß die Polizeiabteilungen ihre Aufgaben
nit einfachen Mitteln und auf die rascheste Weise durch-
führen. Alljährlich wird in vielen Tausenden von Fällen
nicht nur den Staatsanwaltschaften und Strafgerichten
sondern auch anderen Behörden schnelle und zumeist
arfolgreiche Amitshilfe geleistet, so daß sich die Polizei-
abteilungen auch im Interesse einer Vereinfachung und
Beschleunigung des Verfahrens sehr wertvoll erwiesen
ı1ahben. Auch diese Reform ist somit von nicht zu unter-
ichätzender Bedeutung für die Rechtspflege und für die
Verwaltung sowie auch — wie jede gute Reform — für die
Bevölkerung im allgemeinen.
Besonders zu erwähnen ist ferner noch das Polizei-
museum, das aber nicht etwa der Schaulust, sondern
wesentlich der Ausbildung und Erziehung der Polizei-
beamten, insbesondere jener dient, die erst in den Dienst
eingetreten sind,
Das Polizeimuseum ist im Gebäude Roßauerlände in
vier geräumigen Sälen untergebracht. Daneben befinden
sich ein Vortragssaal sowie ein Burcau. Das Museum
besteht aus zwei Hauptabteilungen, einer allgemeinen
ınd historischen, die Objekte aus dem Gebiete der
Administrativpolizei der Gegenwart und der Vergangen-
1eit umfaßt, sowie der Kriminalabteilung. Besonders
reichhaltig ist die Kriminalabteilung, die den verschiede-
nen LErscheinungsformen des Verbrechens gewidmet ist.
In der letzten Zeit wird der Anlage einer psychologi-
schen Abteilung ein besonderes Augenmerk zugewendet.
Die Wirtschaftspolizei
Die während des Krieges geschaffenen Kriegswucher-
ämter bekamen nach dem Kriege neue Arbeit. Dies
war eine nicht nur in Oesterreich, sondern auch in an-
deren Ländern beobachtete Erscheinung. Im Jahre 1922
wurde dann das Kriegswucheramt in die wirtschafts-
polizeiliche Abteilung der Polizeidirektion
umgewandelt. Ihre Aufgabe war die Hintanhaltung ge-
meinschädlicher Auswüchse der Preistreiberei, des Preis-
wuchers und die Mitwirkung bei Handhabung der wirt-
schaftlichen Gesetze und Verordnungen, ferner einver-
aehmlich mit den Marktbehörden die Ueberwachung
der Lehbensmittelgeschäfte und der Märkte sowie die Unter-
stützung der Finanz- und Gewerbehbehörde bei der Be-
kämpfung des unbefugten Valutenhandels. Daß man die
Polizeibehörde mit der Führung der Wirtschaftspolizei
jetraute, ist unschwer durch die Tatsache zu erklären
laß Wirtschaft und Polizei bei Aufrechterhaltung deı
ffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit eng verwandte
Wege wandeln.
Mit der Stabilisierung des Wertes der Krone und de:
wiedereinsetzenden Konkurrenz im Handel gingen die
\nzeigen wegen Preiswuchers von selbst zurück. Eine Zei
ang war noch eine Zunahme der Anzeigen wegen: For-
derung eines übermäßigen Preises für Bedarfsleistunger
wahrzunehmen, so namentlich hinsichtlich baugewerb-
icher Arbeiten. Diese Erscheinung fand eine teilweise
Zrklärung wohl darin, daß die Bautätigkeit, insbesondere
lie Vornahme von Renovierungen der Häuser, wiede:
zunahm.
Im Laufe der Zeit wurde dann der Wirkungskreis deı
Nirtschaftspolizei dadurch wesentlich erweitert, daß diese
\bteilung sich mit der Verfolgung fast aller mit dem
Seschäfts- und -Wirtschaftsleben zusammen
hängenden Delikte zu befassen hatte, so insbeson:
lere mit Betrug, Veruntreuung, Krida, Kreditwucher.
Wohnungs- und Lokalwucher, Taxüberschreitungen de:
Sffentlichen Lohnfuhrwerkes und, wie dann später noch
ausführlich erwähnt werden wird, mit der Bekämpfung
des Schleichhandels mit Rauschgiften.
Zahlreich waren auch die Amtshandlungen, die in den
lahren 1924 und 1925 wegen Verdachtes der betrügerischen
oder fahrlässigen Krida von der Wirtschaftspolizei durch
zeführt wurden.
Vebrigens entwickelte die Wirtschaftspolizei, abgesehen
‚on der Durchführung der Vorerhebungen wegen Ver-
lachtes einer strafbaren Handlung, in immer mehr stei-
zendem Maße eine friedensrichterliche Interven-
ion zur Beilegung von Streitsachen geschäftlicher Ari
Diese Intervention wurde von der Geschäftswelt um so
nehr erbeten, als die übermäßig überlasteten Zivil-
zerichte nicht rasch genug arbeiten konnten. Die Ver-
pätung der Urteilsfällung hätte aber in vielen Fällen
:ür die Recht suchende Partei einen empfindlichen Schader
„edeutet. Hier hat die Wirtschaftspolizei oftmals ver-
nittelnd eingesetzt und durch Erzielung eines Aus-
gleiches einen von beiden Parteien begrüßten Erfolg
ı1erbeigeführt. Fin besonderes Augenmerk mußte die
Wirtschaftspolizei dem Ratenhandel zuwenden, der — einc
sei der verminderten Kaufkraft weiter Kreise der Be-
völkerung bestehende Erscheinung — in starker Zu
ı1ahme begriffen war.
Im Jahre 1926 begann die Krise allmählich wieder ab
‚uflauen. Dennoch blieb die Zahl der Fälle von straf-
»arer Krida (179 Anzeigen wegen Krida) noch auf ziem-
'icher Höhe. Wegen kaufmännischen Betruges wurden
[030, wegen sonstiger mit dem Geschäftsleben zusam-
nenhängender Betrügereien 401 Anzeigen erstattet. Die
Jelikte der Veruntreuung (235) sowie des Wuchers (178;
wiesen dagegen einen Rückgang auf. Die Zunahme de:
Warenangebotes und des damit frei einsetzenden Wett-
hewerbes hatten einen Rückgang der Anzeigen wegen
ıngerechtfertigter Preisforderungen (10690) zur Folge
lin neuer Wirkungskreis erwuchs allerdings der Wirt-
;chaftspolizei in der Bekämpfung des Miß-
>rauches von Rauschgiften (Kokain, Opium, Mor-
»hium und in der letzten Zeit auch Heroin). Die Zu-
‚ahme dieses verheerenden Lasters ist aus der Zahl de!